Weihnachten im Gazastreifen

In Gaza leben noch 1350 Christen unter 1,8 Millionen Muslimen. Sie leiden unter Israels Blockade und muslimischen Extremisten. Weihnachten können sie nur mit Einschränkungen feiern.

Feiern trotz Sorgen: Kinder in Gaza spielen neben einem Stand, der Weihnachtsmann-Figuren verkauft. (24. Dezember 2014)

Feiern trotz Sorgen: Kinder in Gaza spielen neben einem Stand, der Weihnachtsmann-Figuren verkauft. (24. Dezember 2014) Bild: AFP

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Wenn Hani Farah sich etwas zu Weihnachten wünschen könnte, dann wäre es ein Besuch in Bethlehem. Mit seiner Frau würde er durch die Gassen der Altstadt schlendern, den Weihnachtsbaum vor der Geburtskirche bestaunen. Gemeinsam mit den anderen Gläubigen würden sie an Heiligabend Weihnachtslieder singen und am Geburtsort Jesu beten.

Farahs Weihnachtswunsch ist nicht einfach zu erfüllen. Denn der 36-Jährige lebt mit seiner Familie in Gaza. Um nach Bethlehem zu reisen braucht er eine Erlaubnis Israels. Seit Jahren, sagt er, habe er jedes Weihnachten eine Ausreise beantragt. Die Anträge wurden abgelehnt: das letzte Mal war Farah 2007 in Bethlehem.

Immer mehr Christen verlassen Gaza

2007 markierte für die Menschen in Gaza eine Zäsur – ganz besonders für die Christen. Damals riss die radikal-islamische Hamas die Macht im Gazastreifen an sich und verbannte die moderatere Fatah ins Westjordanland. Seitdem lebt Farah, christlicher Palästinenser, unter der Führung einer islamistischen Organisation. Und unter einer Blockade von Israel und Ägypten, die ihre Grenzübergänge zum Gazastreifen mittlerweile weitgehend geschlossen haben.

Diese beiden Faktoren haben dazu geführt, dass immer mehr Christen Gaza verlassen. 2007 lebten noch etwa 5000 Christen im Gaza-Streifen, schreibt die deutsche Konrad-Adenauer Stiftung in ihrem aktuellen Bericht zur Lage der Christen in Gaza. Derzeit seien es noch etwa 1350 – unter etwa 1,8 Millionen Muslimen.

Der Alltag in Gaza ist stark islamisch geprägt. Nur wenige Frauen tragen auf der Strasse kein Kopftuch. In vielen Bereichen herrscht strikte Geschlechtertrennung. 2007 waren Sprengsätze vor Dutzenden Internet-Cafés und Musikläden detoniert. Die Besitzer vermuteten islamische Extremisten hinter den Angriffen.

Zusammenleben nicht einfach

Hani Farah arbeitet als Projektkoordinator für die Young Men's Christian Association (YMCA) in Gaza. Hier können Kinder und Jugendliche Fussball und Tennis spielen, sich aber auch mit Tanz und Kultur befassen. Knaben und Mädchen sind im Unterricht zusammen. 2008 wurde der Ort von Militanten angegriffen und verwüstet. Ein Sicherheitsmann sagte damals aus, die Männer hätten ihn gefragt, warum er für «Ungläubige» arbeite.

Farah bemüht sich, dem Fall nicht zu viel Bedeutung beizumessen. Christen und Muslime lebten in Gaza friedlich zusammen, sagt er. Und: «Die Hamas kümmert sich sehr um die Christen.» Erst auf Nachfrage erzählt er, dass seine Frau zum Einkaufen einen Schal mitnehme, den sie sich als Kopftuch überwerfen könne – zum Schutz. Und dass Christen nicht in der Verwaltung der Hamas arbeiten könnten, sei «natürlich ein Problem».

Auch die kirchlichen Führer in Gaza sind mit offener Kritik vorsichtig. Sie betonen die gute Zusammenarbeit mit der Hamas. Der Grund dafür, dass Christen auswandern, sei der Konflikt mit Israel. «Christen und Muslime leiden gemeinsam», sagt Bruder Amphilosios, Priester der griechisch-orthodoxen Kirche.

Keine Geschenke zu Weihnachten

Natürlich sind Krieg und Arbeitslosigkeit die grössten Probleme im Gazastreifen. Doch viele Christen in Gaza fühlen sich als Bürger zweiter Klasse. «Sie haben das Gefühl: Nur weil sie Christen sind, kann man alles mit ihnen machen», sagt einer von ihnen, der unerkannt bleiben möchte. Auch in Gaza wächst die Sorge wegen radikaler Gruppen wie der Jihadistenorganisation Islamischer Staat. Noch fühlten die Christen sich sicher, sagt der Gläubige in Gaza. «Aber wir wissen nicht, was die Zukunft bringt.»

Erst einmal feiern aber natürlich auch die Christen in Gaza Weihnachten. Hani Farah hat in seiner Wohnung einen kleinen Baum aufgestellt: aus Plastik, gekauft in einem Spielwarenladen. Doch in Gaza ist selbst Weihnachten nicht frei von Politik: Hani hat eine Tunnelanlage aus Pappmaché gebastelt, sie soll unter dem Baum stehen. Dort liegen normalerweise die Geschenke. «Doch dieses Jahr sind die Tunnel zu», sagt Farah. Ägypten und Israel haben die meisten Tunnelanlagen, die aus Gaza herausführen, inzwischen zerstört. (rar/sda)

Erstellt: 24.12.2014, 18:58 Uhr

Tausende Christen feiern in Betlehem

Tausende Christen sind am Heiligen Abend nach Bethlehem im Westjordanland gepilgert, um am biblischen Geburtsort Jesu Christi Weihnachten zu feiern. Die Feierlichkeiten brachten dem Heiligen Land nach einem schwierigen Jahr ein wenig Weihnachtsfreude. Im vergangenen Frühling scheiterte ein neuer Anlauf für Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern, im Sommer führten Israel und radikale Palästinenser im Gazastreifen einen 50-tägigen Krieg.

Bei sonnigem Winterwetter versammelten sich viele der Gläubigen auf dem Platz vor der Geburtskirche. Neben einem grossen Weihnachtsbaum waren dort auch Poster zu sehen, auf denen in Englisch und Arabisch zu lesen stand: «Alles, was ich mir zu Weihnachten wünsche, ist Gerechtigkeit». Das sei neben der Botschaft des Friedens eine weitere, die das palästinensische Volk an die Welt richten wolle, sagte die palästinensische Tourismusministerin Rula Maaja. «Gerechtigkeit für unser Volk, Gerechtigkeit für unsere Sache und das Recht wie alle anderen Völker auf der Welt in einem unabhängigen Staat ohne Besatzung zu leben.»

Neben den politischen Botschaften war in Bethlehem aber auch der ganz normale Weihnachtstrubel zu sehen. Händler verkauften Weihnachtsmützen, Orchester spielten mit Dudelsäcken, Bläsern und Trommeln für Schaulustige und Gläubige.

Patriarch Fuad Twal führte eine Prozession von seinem Amtssitz in Jerusalem nach Betlehem und passierte dabei auch die Grenzbarriere, die einen Grossteil der Stadt umschliesst. Er sagte, er hoffe 2015 werde besser als «dieses schwierige Jahr». «Ich hoffe, dass es nächstes Jahr keine Trennungsmauer mehr gibt und ich hoffe, dass wir stattdessen Brücken des Friedens haben werden.» Zu Mitternacht sollte der Patriarch eine Mette in der Geburtskirche abhalten. (sda)

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