Weil ich ein Mädchen bin

Vom offerierten Cüpli bis zum Gratiseintritt: Nicht selten kommen Frauen im Nachtleben in den Genuss von Vorteilen. Dagegen hat nun ein Österreicher geklagt. Zu Recht.

Gratis in den Club: Mit Vorteilen für Frauen dürfte es bald vorbei sein.

Gratis in den Club: Mit Vorteilen für Frauen dürfte es bald vorbei sein. Bild: Keystone

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Wie bringt man als Partyveranstalter möglichst viele zahlungskräftige Kunden zu sich in den Club? Frauen müssen her. Aus diesem Grund kommen diese im Nachtleben vielerorts in den Genuss von Vorteilen: von vergünstigten bis kostenlosen Eintritten über Gratisdrinks bis hin zu Abholdiensten.

Nun hat ein Österreicher laut dem Ausgehmagazin «Tilllate» gegen ein Casino geklagt, da dieses seine Freundin gratis reinliess, er selber aber den vollen Eintrittspreis bezahlen musste. Und: Er bekam recht. Ein Präzedenzfall, der in Österreich zur Folge haben dürfte, dass Frauen in Clubs kaum mehr bevorteilt werden. In Zürich ist diese Situation bereits mehrheitlich eingetreten: Mit Ausnahme von einigen Edelclubs bezahlen Frauen fast überall gleich viel wie Männer.

Ein Glück. Kommt man, egal ob männlich oder weiblich, heutzutage gratis in ein Lokal rein, hat das normalerweise einen Grund: Man ist beruflich da, kennt einen Mitarbeiter oder wurde privat eingeladen. Gewährt ein Veranstalter allen Frauen kostenlosen Zutritt zu seinem Club, wirft das die Frage auf, womit sich diese ihre Begünstigung verdient haben.

Zum eigenen Vorteil

Die Antwort ist in diesem Fall einfach: allein mit ihrem Frausein. Es ist dieselbe Begründung, mit der Männer heute noch immer mehr verdienen als Frauen. Gratiseintritte fürs weibliche Geschlecht tarnen sich als Liebenswürdigkeiten, sind aber benevolenter Sexismus. Was Frauen ausserdem geschenkt bekommen, fliesst letztlich, so die Hoffnung der Partyveranstalter, wieder in Form von Einnahmen zurück in die Clubkasse. Man verschafft Frauen zwar vordergründig Privilegien, ist aber auf den eigenen Vorteil aus.

Mit Begünstigungen für Frauen wollen Clubbetreiber weibliches Partyvolk anlocken, um am Ende einen möglichst grossen männlichen Kundenzulauf zu sichern. Es sind die Männer, die Eintritt bezahlen, und um die die Veranstalter letztlich werben. Wer als Frau für Lohngleichheit kämpft, sollte dem Mann diese Stellung streitig machen. Und die nächste Runde Drinks ausgeben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2014, 09:58 Uhr

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