Wenn der Lehrkörper die Studentin begehrt

Seit neustem verbietet die amerikanische Elite-Uni Yale offiziell Liebesbeziehungen zwischen Professoren und Studierenden. An Schweizer Unis will man das Thema nicht an die grosse Glocke hängen.

Schweizer Studentinnen dürfen ihre Professoren anhimmeln – und noch mehr: Blick in einen Vorlesungssaal der Uni Freiburg. Bild: Keystone

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Es steht offiziell im neuen Fakultätenhandbuch der amerikanischen Elite-Uni Yale: Dozenten dürfen ab sofort keinen Sex mehr mit Studenten haben. 27 Jahre lang hat der Vizekanzler Charles Long für das Verbot gekämpft. «Ich glaube, wir haben die Verantwortung, die Studenten vor einem Verhalten zu schützen, das ihnen und ihren Zielen schadet», begründet Long den Entscheid in der Yale Daily News.

Auch seine Kollegen teilen Longs Meinung: «Die Eltern schicken ihre Kinder doch nicht nach Yale, damit sie mit den Professoren schlafen.» Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Dozenten und Studenten sei keine gute Basis für eine Liebesbeziehung und könne die Lernatmosphäre an der ganzen Fakultät verschlechtern. Jegliche Uni-Affären sind verboten, selbst wenn es sich um Dozenten und Studenten unterschiedlicher Fakultäten handelt. Solche Beziehungen waren bislang geduldet.

«Beziehungen unter Erwachsenen sind zunächst einmal Privatsache»

Die Schweizer Unis zeigen sich in dieser heiklen Angelegenheit liberaler als die Kollegen in den USA. «Wir lassen den gesunden Menschenverstand gelten», sagt Daniel Schönmann, Generalsekretär der Universität Freiburg. Auch an der Uni Luzern sieht man Liebesbeziehungen zwischen Studierenden und Dozierenden locker. «Eine Regelung wie die an der Uni Yale gibt es bei uns nicht und es gab bisher auch keinen Anlass, eine solche einzuführen», so Erich Aschwanden, Kommunikationsbeauftragter der Universität Luzern. Auch alle anderen befragten Schweizer Unis kennen keine solchen Beziehungsverbote «und es gibt auch keine Bestrebungen dazu», so Hans Syfrig Fongione, Leiter Öffentlichkeitsarbeit an der Uni Basel.

«Beziehungen unter Erwachsenen sind zunächst einmal Privatsache», ergänzt Christoph Pappa, Leiter Rechtsdienst der Universität Bern. Auch Daniel Schönmann von der Uni Freiburg findet, dass private Liebesbeziehungen zwischen Professoren und Studierenden die Universität nichts angehen. Erst bei Verstössen wie Gefälligkeitsnoten oder ähnlichem müsse die Uni einschreiten.

Stopp bei Überschreitung

Dazu müssten solche Affären jedoch erst ans Licht kommen. In keiner der befragten Unis weiss man von Liebesbeziehungen zwischen Studierenden und Professoren. «Ich frage mich, wie man das an der Uni Yale überhaupt kontrollieren oder verhindern soll», gibt Erich Aschwanden von der Uni Luzern zu bedenken.

Allgemeine Affärenverbote gibt es an Schweizer Unis also nicht. Regeln bestehen einzig dort, wo der Rahmen der Freiwilligkeit überschritten werde. «Sexuelle Belästigung wird nicht geduldet», betont stellvertretend Hans Syfrig Fongione von der Uni Basel. Entsprechend gibt es an den meisten Unis derartige Richtlinien. Ansonsten steht der universitären Liebe nichts im Weg.

Erstellt: 28.05.2010, 10:34 Uhr

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