Wer ist sonst noch eingeladen?

Bei einer Einladung nach den anderen Gästen zu fragen, ist unhöflich. Daher sollte der Gastgeber vorsorgen.

Die Essenz eines gelungenen Abends: Die richtige Zusammensetzung der Runde. (Bild: Flickr/Matthew Hurst)

Die Essenz eines gelungenen Abends: Die richtige Zusammensetzung der Runde. (Bild: Flickr/Matthew Hurst)

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Eine Situation, die ich immer wieder erlebe: Ich lade Freunde zu mir nach Hause ein – und werde postwendend gefragt, wer denn an dem betreffenden Abend sonst noch komme. Ist das nicht merkwürdig? Ich persönlich nehme Einladungen an wegen der-/demjenigen, die/der mich einlädt, weil ich sie/ihn gerne mag, weil ich gerne mit ihr/ihm Zeit verbringe ... und lasse mich überraschen, wer sonst noch kommt. Weil mich die Frage stört, versuche ich mich jeweils mit eleganten Ausreden vor einer Antwort zu drücken. Was meinen Sie: Ist diese Frage legitim?
W. S. aus Z.

Liebe Frau S.,

ich kann Ihren Unmut nachvollziehen. Die Frage macht Sie sozusagen zum Gaul, dem man ins Maul schaut, und das ist ja jetzt nun wirklich etwas uncharmant. Es wirkt in der Tat so, wie wenn sich die Eingeladenen nicht einfach über die Einladung freuten, sondern das Annehmen derselben von den übrigen Gästen abhängig machten. Fehlte nur noch, dass die fragen, was Sie denn zu servieren gedenken – gefällt das Menü, sagen sie zu, falls nicht, sind sie dann eben doch just an besagtem Datum leider, leider verhindert. Das kommt undankbar daher und verkrampft noch dazu.

Gleichzeitig, ach, ich gebe es ja zu, habe ich Verständnis für die Frage. Sie brennt mir nämlich jeweils auch auf der Zunge, bloss getraue ich mich wegen der oben aufgeführten Gründe nicht, sie zu stellen (diese Rubrik hier verpflichtet, es ist ein Kreuz).

Aber sehen Sie, sie hat schon ihre Berechtigung: So ein Abend steht und fällt mit der Zusammensetzung einer Runde. Das Essen wird meiner Meinung nach komplett überschätzt, man geht ja nicht zu Besuch, weil dort jemand fein kocht, sondern weil es dort eine interessante/kluge/lustige Runde gibt, mit der man einen vergnüglichen Abend erleben kann. So eine Einladung ist in erster ­Linie eine soziale Angelegenheit.

Deshalb braucht es ein geschicktes Händchen bei der Zusammenstellung der Gäste – das ist, finde ich, eine regelrechte Kunst für sich. Denn es verhält sich eben nicht so, dass sich die Freunde einer Person untereinander automatisch auch mögen. Kurioserweise ist es oft gerade umgekehrt. Und dann sitzt man einen Abend lang da und wünscht sich, woanders zu sein, weil es einen am Tisch ausgerechnet neben die Frau verschlagen hat, deren Tonfall seit je ganz schlimme Aggressionen in einem auslöst – vom Inhalt der Aussagen ganz zu schweigen. Ich bin daher total für E-Mail-Einladungen. Da wissen dank des Verteilers alle haargenau, worauf sie sich einlassen. Liebe Frau S., seien Sie daher, um sich und Ihren Gästen das peinliche Nachfragen zu ersparen, im Sinne unserer Zeit: transparent. Das ist dann: win-win.

Erstellt: 13.04.2015, 18:16 Uhr

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