«Wie Besamungsboxen für Kühe»

Die deutsche Feministin und Journalistin Alice Schwarzer zieht gegen die Zürcher Sexboxen vom Leder. Ihre Lösung in Sachen Prostitution sähe viel radikaler aus.

Erinnert Alice Schwarzer an Bauernhof-ähnliche Zustände: Die Zürcher Sexboxen.

Erinnert Alice Schwarzer an Bauernhof-ähnliche Zustände: Die Zürcher Sexboxen. Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vor gut einer Woche hat Schwarzers Zeitschrift «Emma» einen Appell gegen Prostitution als «moderne Sklaverei» lanciert. Darin fordern die bisher 3500 Unterzeichnenden unter anderem eine Eindämmung der Prostitution und die Bestrafung von Freiern.

Ohne Käufer kein Markt

Die «Weltwoche» wollte nun von Schwarzer wissen, weshalb sie gegen die Prostitution mobil mache und nicht stattdessen von der Schweiz lernen wolle. «Von der Schweiz lernen?», fragt Schwarzer zurück. «Verrichtungsboxen für Menschen aufstellen, die aussehen wie die Besamungsboxen für Kühe? Sie glauben wohl, nur weil Sie das Problem nicht mehr sehen, existiert es nicht mehr?»

Als notwendig erachtet Schwarzer hingegen eine Debatte über die Menschenwürde der Frauen und Mädchen in der Prostitution. Die Frauen sollen straffrei bleiben und Ausstiegshilfen angeboten bekommen. «Und in einem zweiten Schritt müssen wir auch von Verboten für Freier reden. Denn erst die Freier schaffen ja die Prostitution. Ohne Käufer kein Markt.» Den Freiern gehe es nicht um Begehren, sondern darum, Macht über die Frauen auszuüben.

Prostitution sei wie Sklaverei – auch diese gebe es noch immer auf dieser Welt, «aber kein demokratischer Staat würde mehr wagen, Sklaverei zu dulden, zu verharmlosen oder gar zu propagieren». Genau dies geschehe aber in der Schweiz und in Deutschland.

Die Zeit für eine Eindämmung der Prostitution ist für Schwarzer deshalb reif – «und das gilt für die Schweiz ganz sicher nicht weniger als für Deutschland».

Schwarzer verweist auf Schweden. Das Land habe mit der Bestrafung von Freiern gute Erfahrungen gemacht. Erst vor wenigen Tagen hat zudem in Frankreich der Rat für Gleichstellungsfragen gefordert, das Aufsuchen einer Prostituierten als Straftat einzustufen. (mw/sda)

Erstellt: 07.11.2013, 19:43 Uhr

Umfrage

Soll man Freier bestrafen, um Prostitution zu bekämpfen?

Ja

 
26.2%

Nein

 
73.8%

1951 Stimmen


«Ohne Käufer kein Markt»: Alice Schwarzer. (Bild: Keystone )

Bildstrecke

Die Sexboxen an der Aargauerstrasse

Die Sexboxen an der Aargauerstrasse Im August 2013 wurden die Sexboxen in Altstetten in Betrieb genommen. Nun fordert die SVP, das Experiment abzubrechen.

Artikel zum Thema

«Das sind Männerfantasien»

Interview Spanierinnen drängen wegen der Wirtschaftskrise in den Schweizer Sexmarkt. Um verarmte Hausfrauen handle es sich dabei aber nicht, sagt Regula Rother, Leiterin der Zürcher Stadtmission. Mehr...

Paragrafen vertreiben Prostituierte aus der Langstrasse

Ein Zusammenspiel von neuen und alten Gesetzen verbietet die Prostitution fast im ganzen Kreis 4. Seit 2003 schlossen dort 54 Bordelle – meist auf Druck der Stadt. Mehr...

Anna hungerte, um für Freier weniger attraktiv zu sein

Hintergrund Die Tschechin Anna wurde in der Schweiz zur Prostitution gezwungen. In einem Dokumentarfilm spricht sie über ihr Schicksal – und gibt den Opfern des Menschenhandels ein Gesicht. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Auf Händen getragen: Eine handgeschnitzte Statue der Jungfrau Maria wird anlässlich des Fests zu Ehren der «Virgen del Carmen» durch die andalusische Stadt Málaga geführt. (16. Juli 2019)
(Bild: Daniel Perez / Getty Images) Mehr...