Wie intelligent ist die künstliche Intelligenz?

Die Antwort auf eine Frage zu Bugs und Abstürzen.

In vielem muten die Versprechungen der KI futuristisch-antiquiert an. Foto: Matan Segev (Pexels)

In vielem muten die Versprechungen der KI futuristisch-antiquiert an. Foto: Matan Segev (Pexels)

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Was halten Sie vom Medien-Hype um die künstliche Intelligenz (KI)? Ich möchte die Arbeit der Programmierer nicht kleinreden. Aber selbst wenn eine Anwendung mit wenigen Vorgaben selbstständig einen Artikel verfassen kann, Computer gewisse neue Fähigkeiten «lernen» können oder KI in der Psychotherapie verwendet werden kann, sind wir noch meilenweit von menschlicher Intelligenz entfernt. Das pure Gegenteil von Intelligenz sind auch die Programme (sei es Word, Excel oder irgendwelche Apps), die mit Bugs und Abstürzen bei der Arbeit nerven und eigentlich im Zeitalter der KI längst Geschichte sein sollten. Der Gap zwischen diesen zwei Extremen scheint mir riesig.
C.M.

Lieber Herr M.

In der Tat klafft eine riesige Lücke zwischen dem, was KI-Propagandisten für die nächste Zukunft versprechen, und dem, was uns jetzt als Vorboten dieser Zukunft angepriesen wird. Die gängigen Sprachassistenten erweisen sich im alltäglichen Gebrauch weiterhin als strohdumm und unbrauchbar. Entweder verstehen sie ohnehin nur Bahnhof, oder die Antworten, die sie geben, sind völlig banal.

Bezüglich genau definierter Einzelleistungen übertreffen viele Programme menschliche Fähigkeiten um einen längst nicht mehr realistisch einschätzbaren Faktor; doch bei etwas komplexeren Aufgaben sind diese Programme völlig unzureichend. Natürlich «lernen» Spracherkennungsprogramme dadurch, dass man sie «trainiert»; vor allem aber muss der Benutzer seine Art zu fragen dem Horizont der Software anpassen.

Selbstfahrende Autos sind ein Faszinosum, mehr nicht.

Was Suchmaschinen leisten – wenn man gelernt hat, sich ihren Anforderungen anzupassen –, ist erstaunlich; aber eine Anfrage wie «Stelle mir eine kommentierte Bibliografie zu Publikationen zum Thema Autismus in den letzten zehn Jahren zusammen» generiert keine zusammenhängende Bibliografie, sondern einen bunten Mischmasch von Einzeltreffern.

Das geschieht in einem Tempo, das einen in Staunen versetzt, führt einen aber zu einem Resultat, das für den zugrunde liegenden wissenschaftlichen Zweck völlig unbrauchbar ist. Selbstfahrende Autos sind ein Faszinosum, aber für den Verkehr von morgen dürften sie ungefähr so sinnvoll sein wie ein Düsentriebwerk, das man sich auf den Rücken schnallt, um jeden Stau kurzerhand überfliegen zu können.

In vielem muten die Versprechungen der KI so putzig futuristisch-antiquiert an, als wären sie direkt aus der Welt der «Jet­sons» (dem Comic-Pendant zu den «Flintstones») übernommen: zurück in die Zukunft von gestern.


Der Psychoanalytiker Peter Schneider beantwortet jeden Mittwoch Fragen zur Philosophie des Alltagslebens. Senden Sie uns Ihre Fragen an gesellschaft@tagesanzeiger.ch

Erstellt: 27.03.2019, 14:07 Uhr

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