Wie viel Alkohol ist «normal»?

Wenn das Feierabendbier problematisch wird: Trinkmuster und deren Verbreitung in der Schweiz.

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Kürzlich veröffentlichten wir hier ein Interview mit Daniel Schreiber. Der Journalist war alkoholabhängig und hat über seine Sucht ein Buch geschrieben. Darin spricht er von «kollektiver Selbsttäuschung»: Wir alle tun so, als sei Alkoholabhängigkeit eine Randerscheinung, dabei ist sie ein Phänomen der Mehrheitsgesellschaft. Doch wo verläuft die Grenze für den Einzelnen: Was ist «normaler» Konsum, was zu viel?

In der Suchtprävention spricht man von risikoarmen, problematischen und abhängigen Konsumformen. Und so sieht die Verteilung in der Schweizer Bevölkerung laut der Stiftung Sucht Schweiz aus:

Die Definitionen der Kategorien:

Risikoarm: Alkoholtrinken gilt dann als risikoarm, wenn massvoll und an die jeweilige Situation angepasst getrunken wird. Wenn Frauen täglich nicht mehr als 10 bis 12 Gramm Alkohol trinken, ist das nicht schädlich. Das entspricht etwa einem Achtelliter Wein oder einem Glas Bier à 0,3 Liter. Für Männer liegt die Grenze bei 20 bis 24 Gramm, das sind zwei Gläser Bier à 0,3 Liter.

Problematisch: Beim problematischen Alkoholkonsum wird zwischen folgenden Konsummustern unterschieden:

  • Chronischer Risikokonsum: Die Grenzwerte liegen bei 20 Gramm reinem Alkohol pro Tag für Frauen beziehungsweise 40 Gramm pro Tag für Männer (bei zwei beziehungsweise vier Standardgläsern).
  • Rauschtrinken oder episodischer Risikokonsum: Von Rauschtrinken spricht man in der internationalen Alkoholforschung, wenn Männer fünf Standardgläser Alkoholisches oder mehr und Frauen vier Gläser oder mehr zu einer Gelegenheit trinken.

Abhängig: Der Übergang von einem problematischen zu einem abhängigen Alkoholkonsum ist fliessend. Eine Alkoholabhängigkeit wird nicht über die Menge des konsumierten Alkohols definiert: Abhängiges Konsumverhalten hat gemäss Krankheitsklassifikationen der WHO verschiedene Ausprägungen wie starkes Verlangen nach Alkohol, verminderte Konsumkontrolle, Vernachlässigung anderer Interessen oder anhaltenden Konsum trotz starker schädlicher Folgeerscheinungen.

Fazit: Rund 80 Prozent der in der Schweiz lebenden Bevölkerung im Alter von 15 bis 74 Jahren trinken risikoarm. Über eine Million Menschen haben einen problematischen Alkoholkonsum. Ungefähr 250'000 Menschen sind per obiger Definition alkoholabhängig.

Und Sie?

(phz)

Erstellt: 27.10.2014, 14:18 Uhr

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