«Wir wollen das Schweizer Kreuz nicht abschaffen»

Am Sonntag hiess es, ein Immigrantenverein wolle die Schweizer Nationalflagge abschaffen. «Ein Missverständnis», erklärt Vizepräsident Ivica Petrusic – doch über Symbole müsse man debattieren können.

Auch identitätsstiftende Symbole seien nicht in Stein gemeisselt, sagt Ivica Petrusic.

Auch identitätsstiftende Symbole seien nicht in Stein gemeisselt, sagt Ivica Petrusic.

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In der Sonntagspresse machte die Äusserung die Runde, der Verein Second@s Plus fordere die Abschaffung der Schweizer Nationalflagge. Die Meldung schlug hohe Wellen und führte auch auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet zu etlichen erbosten Leserkommentaren.

Second@s Plus reagierte heute mit einer Medienmitteilung, in der es heisst, dass der Verein die Schweizer Flagge nicht abschaffen wolle. Tagesanzeiger.ch wollte wissen, was nun gilt und fragte bei Ivica Petrusic, Vizepräsident von Second@s Plus Schweiz, nach:

Herr Petrusic, wollen Sie die Schweizer Nationalflagge nun abschaffen oder nicht?
Wir wollen das Schweizer Kreuz nicht abschaffen. In einer internen Diskussion ist das Thema im Zusammenhang mit den religiösen Symbolen in anderen Flaggen aufgekommen und da ist uns aufgefallen, dass auch das Schweizer Kreuz ein religiöses Symbol darstellt.

Sie sagten, die Schweizer Flagge entspreche «nicht mehr der heutigen, multikulturellen Schweiz».
Symbole unterliegen dem Wandel der Zeit. So hatte die Eidgenossenschaft schon mindestens drei verschiedene Nationalhymnen. Es wird immer über Symbole debattiert werden und auch Fahnen sind ein Zeichen ihrer Zeit. Wir wollen aber auf keinen Fall die aktuelle Flagge der Schweiz ändern, sondern nur darauf hinweisen, dass auch diese sich in der Geschichte gewandelt hat.

Die Schweizer Flagge mit Kreuz ist in Ihren Augen also nicht mehr zeitgemäss?
Flaggen sind identitätsstiftende Symbole, das haben ja auch die Reaktionen gezeigt. Die aktuelle Schweizer Fahne ist einprägsam und als «Marke» gut verankert, dennoch muss man darüber reden können, dass weder diese noch andere Fahnen statisch in der Zeitgeschichte stehen.

Hätten Sie denn bereits einen konkreten Vorschlag für eine alternative Schweizer Flagge?
Da wir die aktuelle Fahne nicht ersetzen wollen, müssen wir auch keine neue vorschlagen. Es ist aber durchaus denkbar, dass im Lauf der Zeit weniger Menschen sich mit der aktuellen Fahne identifizieren oder dass aus anderen Gründen ein Änderungswunsch entsteht.

Auf was spielen Sie an?
In der Zeit der helvetischen Republik hatten wir ein gutes Beispiel. Die damalige Tricolor wurde am 13. Februar 1799 eingeführt und bestand aus den Farben Grün, Rot, Gelb quergestreift. Dabei standen die Farben Rot und Gelb für die Urkantone Schwyz und Uri und Grün für die Revolution. Im roten Feld stand der Name «République Helvétique».

Und weshalb wäre diese Flagge nun geeignet?
Es ist eine Flagge ohne jegliche Symbolik. Zudem können wir von der Zeit und vom Geist der Helvetik etwas lernen. In der helvetischen Republik erhielten alle Menschen das aktive Bürger- und Wahlrecht, wenn sie 20 Jahre an einem Ort gelebt hatten. Sämtliche Standesunterschiede wurden abgeschafft. Auch die Niedergelassenen, Tagelöhner, Hintersassen und Ausländer erhielten ihr Bürgerrecht. Das sind Werte, für die auch wir uns einsetzen.

Dann ist das Infragestellen der Schweizer Nationalflagge nur ein Aufmerksamkeit förderndes Mittel, um auf andere politische Aspekte hinzuweisen?
Wir haben die Nationalflagge nicht grundsätzlich infrage gestellt, es ist vielmehr aus unserer Diskussion der Eindruck entstanden, dass wir in der «Fahnenfrage» Handlungsbedarf sehen und dem ist nicht so.

Was entgegnen Sie den Leuten, die sich durch die Meldung – die Schweizer Flagge sei nicht mehr «zeitgemäss» – provoziert fühlen?
Ich kann das verstehen, wenn Liebgewonnenes hinterfragt wird, kann das verletzend sein. Das war auf keinen Fall unsere Absicht. Sollte ich mich missverständlich geäussert haben, tut mir das aufrichtig leid. Second@s Plus unternimmt enorm grosse Anstrengungen, um ein positives Bild von den Secondos in der Schweiz zu vermitteln und wird leider nur im Zusammenhang mit diesem Missverständnis derart medial zur Kenntnis genommen. Das ist sehr schade. Wir von Second@s Plus bedauern allfällige Kränkungen und Verletzungen, die sich aus diesem Missverständnis ergeben haben.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.09.2011, 20:49 Uhr

Ivica Petrusic (Jg. 1977) ist Grossrat im Kanton Aargau und Vizepräsident des Immigrantenvereins Second@s Plus Schweiz. Im Herbst kandidiert er für die SP um den Einzug in den Nationalrat.

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