Wir wollen doch nur spielen

Der Weihnachtskatalog von Franz Carl Weber wird 130. Erziehungswissenschaftler Georg Stöckli erklärt, wie sich die Inhalte verändert haben – und warum wir das Spielen auch als Erwachsene nicht lassen können.

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Der Weihnachtskatalog von Franz Carl Weber erscheint dieses Jahr zum 130. Mal. Welchen Einfluss hatte und hat er auf das Leben der Schweizer Kinder?
Er hat ihnen gezeigt, was überhaupt möglich und wünschbar ist. Gleichzeitig haben sie darin eigene, lange gehegte Wünsche wiedergefunden – ihre Träume haben sich sozusagen materialisiert. Ich kann da aus eigener Erfahrung sprechen: Wir haben früher jeweils fieberhaft auf den Katalog gewartet, um darin zu blättern und zu schauen, was es Neues gibt. Ich nehme an, dieses Fieber ist bis heute dasselbe geblieben.

Was unterscheidet das Spiel von heute vom Spiel der Kinder im Jahr 1891?
Eigentlich gar nicht so viel. Die technischen Möglichkeiten und die Gestalt der Produkte haben sich verändert, im Wesentlichen geht es aber immer noch um dasselbe: Kinder wollen in fremde Rollen schlüpfen. Schon in der Steinzeit wurde mit Bäbifiguren gespielt, die Puppe überlebt alle Generationen. Was sich natürlich geändert hat, ist das schiere Überangebot an Produkten, zwischen denen Kinder aussuchen können.

Nun legen immer mehr Eltern Wert darauf, dass ihre Kinder sich mit pädagogisch wertvollen Spielsachen beschäftigen. Muss Spielzeug immer sinnvoll sein, oder darf es auch mal einfach nur Spass machen?
Dass Spielzeug pädagogisch wertvoll sein muss, wird ja immer nur von den Erwachsenen gefordert. Dabei kommt es eigentlich gar nicht darauf an, wie sinnvoll ein Spielzeug von aussen betrachtet zu sein scheint. Wichtig ist nur, ob das Kind auch etwas Wertvolles damit anfangen kann. Natürlich gibt es aber auch Spielsachen, die ich einem Kind niemals in die Hände geben würde – alles, was mit Gewaltakten oder Diskriminierung zu tun hat, beispielsweise.

Was könnten wir lernen, wenn wir als Erwachsene immer noch wie die Kinder spielen würden?
Das tun wir doch auch – das ganze Leben ist eigentlich ein Spiel. Jeder spielt seine Rolle, wie in einem Theaterstück, bei der Arbeit, in der Freizeit, im Freundeskreis. Mit den Kindheitsspielen bereiten wir uns genau darauf vor: Wir üben uns darin, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Welche Rollen das sind, wird durch die Gesellschaft geprägt, die uns umgibt.

Wir wollen also eigentlich alle nur spielen?
Natürlich, nur ist das den meisten Menschen gar nicht bewusst. Dabei würde es uns unglaublich frei machen, wenn wir das Leben mehr als Spiel betrachten würden. Wir könnten dann nämlich plötzlich anfangen, unsere Rollen selber auszusuchen, sie anders zu spielen oder gar zu wechseln. Und vielleicht würden wir gewisse Dinge, die uns unheimlich problematisch erscheinen, plötzlich weniger ernst nehmen.

Wenn Sie sich dieses Jahr nochmals ein Spielzeug zu Weihnachten wünschen dürften, welches wäre das?
Ich würde mir wünschen, meine Blechspielsachen von früher wieder zurückzubekommen. Die hatte ich nämlich alle feinsäuberlich in ihren Originalschachteln aufbewahrt – bis sie mir gestohlen wurden, ein riesiger Verlust. Meinen Blechporsche wiederzuhaben, das wäre das schönste Geschenk.

Erstellt: 22.12.2011, 06:01 Uhr

«Das ganze Leben ist ein Spiel»: Georg Stöckli, Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Zürich. (Bild: PD)

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