Zahl der HIV-Fälle steigt um 15 Prozent

2012 gab es erstmals seit drei Jahren wieder mehr HIV-Diagnosen. Die Aids-Hilfe Schweiz zeigt sich «sehr beunruhigt» über den Anstieg.

Seit Jahren in der Schweiz sichtbar: Die Stop-Aids-Kampagnen. (Archivbild)

Seit Jahren in der Schweiz sichtbar: Die Stop-Aids-Kampagnen. (Archivbild)

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Nach drei Jahren des Rückgangs haben die Meldungen der neuen Diagnosen mit dem Aids-Virus im vergangenen Jahr wieder zugenommen. Die HIV-Fälle stiegen um rund 15 Prozent auf über 600, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) heute mitteilte.

Eine offensichtliche Ursache zeigen die Analysen nicht, wie dem BAG-Bulletin heute zu entnehmen ist. Ein Teil der Zunahme wird auf den Anstieg des Testens bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) zurückgeführt. Die Aids-Hilfe Schweiz (AHS) zeigt sich über den Anstieg der HIV-Diagnosen «sehr beunruhigt»: Dies macht klar, wie wichtig die Prävention und die Beratung mit ihren Safer-Sex-Botschaften und dem Präservativ weiterhin bleiben. Daran führt kein Weg vorbei, schreibt die AHS gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Jede zweite Ansteckung bei Homosexuellen

Die Zahl der 2012 gemeldeten Infektionen war laut BAG niedriger als in den Jahren 2002 bis 2008. Bei Frauen nahm die Zahl der HIV-Diagnosen um 17 Prozent auf 156 zu, bei den Männern betrug die Zunahme mit 478 Fällen 13 Prozent. Der Anstieg bei den Männern wird fast ausschliesslich auf die MSM-Gruppe zurückgeführt.

In der Schweiz leben laut BAG geschätzt maximal 100'000 Männer, die Sex mit anderen Männern haben. Aus dieser so genannten MSM-Gruppe stammen 45 Prozent der 2012 gemeldeten HIV-Diagnosen, das heisst ungefähr gleich viele Fälle wie aus der heterosexuellen Bevölkerung.

Mehrheit zwischen 25 und 44 Jahren alt

Von 2011 auf 2012 hat die Zahl der HIV-Diagnosen bei der Gruppe MSM um 17 Prozent zugenommen. Zwei Drittel dieser Männer waren zum Zeitpunkt der HIV-Diagnose zwischen 25 und 44 Jahre alt. Weniger als zwei Prozent waren älter als 65 Jahre.

13 Prozent vermuten den festen Partner als Infektionsquelle, 40 Prozent einen Gelegenheitspartner und 22 Prozent einen anonymen Partner. Bei einem Viertel fehlten dazu Angaben.

Bei heterosexuellen Personen gab es ebenfalls eine leichte Zunahme der HIV-Diagnosen: Bei den Frauen stiegen die Fälle von 37 auf 39 an und bei den Männern von 49 auf 63. Die 102 Fälle des Jahres 2012 entsprechen einer Zunahme von 19 Prozent.

Heterosexuelle Personen nannten in 27 Prozent der Fälle einen festen Partner als wahrscheinliche Infektionsquelle, 22 Prozent einen Gelegenheitspartner und in rund zwölf Prozent der Fälle einen anonymen Partner.

Die HIV-Diagnosen bei Drogen injizierenden Menschen stieg von 25 Fällen auf 31 Fälle an. Angesichts der geringen Fallzahl könne dies aber nicht als Trendwechsel interpretiert werden, schreibt das BAG. Im gesamtschweizerischen Durchschnitt wurden im letzten Jahr 8,1 HIV-Infektionen pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner neu diagnostiziert, gegenüber 7,1 im Vorjahr.

Anstieg auch bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten

Wie die HIV-Diagnosen nahmen die Fallzahlen auch bei den anderen meldepflichtigen sexuell übertragbaren Infektionen weiter zu. Es handelt sich dabei um die drei Krankheiten Syphilis, Gonorrhö und Chlamydiose.

2012 gingen 1084 Syphilis-Meldungen ein, allerdings konnten wegen fehlender oder unvollständiger Angaben nur die Hälfte bestätigt werden, nämlich 543. Seit der Wiedereinführung der Meldepflicht im Jahr 2006 gab es einen durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 16 Prozent bei den Syphilis-Fällen.

Bei Gonorrhö wurden 1517 bestätigte Fälle gemeldet, was ein Anstieg um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Die Chlamydiose-Diagnosen stiegen im Vorjahresvergleich um elf Prozent auf 8038 Fälle. (mrs/sda)

Erstellt: 27.05.2013, 13:08 Uhr

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