Hintergrund

«Zeit der Dualität geht zu Ende»

Am 21. 12. 2012 gehe die Welt unter, verkünden selbst ernannte Propheten; das ergebe sich aus dem Maya-Kalender. Doch die Mayas selbst geben Entwarnung und sprechen von einem neuen Zeitalter.

Maya-Älteste über die Zukunft der Erde, v. l.: Tata Salvador Cutzal Mijango, Elizabeth Araujo, Nan Vilma Cristina Poz Perez, Tata Juan Camaja.

Maya-Älteste über die Zukunft der Erde, v. l.: Tata Salvador Cutzal Mijango, Elizabeth Araujo, Nan Vilma Cristina Poz Perez, Tata Juan Camaja. Bild: Adrian Moser

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Neues Zeitalter, Bewusstseinswandel, höheres Schwingungslevel, Apokalypse, Weltuntergang – der 21. Dezember 2012, an dem der Maya-Kalender der langen Zählung endet, befeuert bereits seit Jahren die Fantasie der Menschen. Es herrscht jedoch eine grosse Verwirrung. Manche schreiben, die Mayas rechneten an diesem Datum mit dem Schlimmsten, also mit dem Ende der Welt.

Heute Freitag treten im Berner Kursaal nun die vier Maya-Ältesten Elizabeth Araujo, Nan Vilma Cristina Poz Perez, Tata Juan Kamaja und Tata Salvador Cutzal Mijango auf, um über die wirkliche Bedeutung des Tages zu sprechen. Elizabeth Araujo ist die Übersetzerin von Don (Tata) Alejandro Cirilo Perez Oxjaj (Wandering Wolf), der den Nationalen Rat der Maya-Ältesten von Guatemala leitet, sie hat ihn auf vielen Reisen rund um die Welt begleitet. Tata bedeutet Grossvater.

Drei Tage Dunkelheit

Den Weltuntergang wollen die Mayas nicht beschwören. Der 21. Dezember 2012 sei nicht etwa als Apokalypse zu verstehen, sagen die vier Maya-Ältesten, die am Freitag im Berner Kursaal auftreten werden. Wir befänden uns aber in einem turbulenten Zeitalter des Wandels. «Ein Zyklus, einige sagen es sei der vierte, andere sagen der fünfte, endet, und ein neuer beginnt», erklärt Elizabeth Araujo. «Dies ist mit drei Tagen, vielleicht auch mit einem Monat Dunkelheit verbunden. Wann genau dies sein wird, wissen wir nicht.» Wenn sie gefragt wird, ob man den Job aufgeben, Kinder haben oder das Haus verkaufen soll, sagt sie: «Habt keine Angst, die Welt geht nicht unter, lebt euer Leben weiter.»

Die Mayas kennen eine ganze Reihe von verschiedenen Kalendern. Es gebe vielleicht zwanzig davon, sagt Araujo. Neben dem Kalender der langen Zählung, der über 5100 Jahre umfasst, sind zwei weitere von besonderer Wichtigkeit: Tzolk’in und Haab. Während sich der Kalender der langen Zählung auf die Geschichte und die Astronomie bezieht, dient der Tzolk’in im täglichen Leben als Leitfaden für den richtigen Pfad. Jeder Tag hat seine ihm eigene Energie und Bedeutung. Haab ist ein landwirtschaftlicher Kalender, der die richtigen Tage für Aussaat oder Ernte festlegt.

Profit – aber nicht für die Mayas

Wenn die Rede auf den Hollywood-Blockbuster «2012» kommt, in dem die Welt mit viel Getöse untergeht, spricht Elizabeth Araujo von Geldgier. «Der Film oder auch die Bücher, die über das Thema geschrieben wurden, haben viel Profit gebracht, aber nicht für die Mayas.» Sekten verfolgten mit ihren Botschaften vom Weltuntergang das Ziel, den Menschen Angst vor der Zukunft einzuflössen, kritisiert sie.

Vieles wurde zerstört

«Das Datum wurde viel zu stark mystifiziert», sagt Elizabeth Araujo. Unter Umständen könne es auch noch einige Jahre dauern, bis der Wandel vollzogen sei. «Wir konzentrieren uns nicht so stark auf das Datum, denn dieses ist schwierig zu bestimmen.» Die Ältesten versuchten, die verstreuten Hinweise zusammenzusetzen. Bei der Eroberung durch die Spanier im 16. Jahrhundert sei vieles zerstört worden: Bücher wurden verbrannt, Steininschriften gestohlen oder zerschlagen, Gräber entweiht, Kultgegenstände entwendet.

Sehr wichtig für die Mayas sind zudem die mündlichen Überlieferungen. «Die Geschichten und Erzählungen werden von Generation zu Generation weitergegeben, viele der Ältesten haben die Überlieferungen aber nie niedergeschrieben.» Für Elizabeth Araujo ist nicht das Datum entscheidend, sondern die Botschaft, welche die Mayas zu überbringen haben. «Die Zeit der Dualität geht zu Ende und die Zeit der Einheit, von Frieden und Harmonie beginnt», sagt sie. Darum sei das Jahr 2012 den Mayas willkommen. Man werde sich mehr um die Mitmenschen kümmern und die Umwelt nicht mehr zerstören. «Die Menschen werden sich näherkommen und wir werden neue Arten des Lebens finden müssen.» In dieser Hinsicht könnten die Mayas den westlichen Zivilisationen helfen, den Übergang zu bewältigen. «Wir zeigen, wie wir leben und was wir denken.»

Erstellt: 19.08.2011, 15:51 Uhr

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