«Die wollten mit Blitz und Donner von dieser Welt gehen»

48 Morde in einer Nacht: Vor 25 Jahren erschütterte der Massenmord der Sonnentempler-Sekte die Schweiz. Einer der Ermittler: Kriminaltechniker Alex Bircher.

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In der Nacht zum 5. Oktober 1994 wird die Kantonspolizei Freiburg zu einem Chaletbrand im abgelegenen Weiler Cheiry gerufen. Noch ahnte niemand, dass dies zu einem der grössten Kriminalfälle der Schweiz werden würde. Der dienst­habende Kommissar war Pfeifen­raucher, gewohnt an Ereignisse schweizerischen Ausmasses.

Um ein Haar jedoch wären er und sein Team in Cheiry selbst umgekommen – und hätten dem Sonnentempler-Drama noch ein weiteres katastrophales Kapitel hinzugefügt, wie sich der damalige Kriminaltechniker Alex Bircher erinnert. Er sitzt in einem kleinen Raum im Polizeihauptquartier an der Place de ­Notre-Dame in Freiburg, ein boden­ständiger Typ mit Furchen im Gesicht und hellen Augen, die schon vieles gesehen haben und trotzdem klar geblieben sind. Auch nach 25 Jahren ist erkennbar, wie sehr diese Ereignisse ihn persönlich und beruflich geprägt haben.


Video: Tatort Cheiry – die Polizei findet 23 Leichen

Das SRF berichtet über einen der spektakulärsten Mordfälle der Schweiz. Video: SRF


Bis zu jenem Abend vor 25 Jahren war der Orden der Sonnentempler eine weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit agierende Sekte. Die Mitglieder lebten in Kommunen in Kanada, Frankreich und der Schweiz, meditierten, betrieben biologischen Gartenbau, besuchten Seminare und bereiteten sich in sogenannten Überlebenszentren auf den «Transit zum Sirius» vor, den Übertritt in die höhere, geistige Sphäre. Was man sich darunter vorzustellen hatte, wusste keiner so genau. Und kaum einer ahnte, dass der engste Zirkel um Sektenführer Jo Di Mambro und Luc Jouret einen Massenmord plante, durch den bis 1997 insgesamt 74 Menschen sterben sollten. In der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober kamen in Cheiry und im Walliser Dorf Salvan 48 Sonnentempler ums Leben. Nur 15 davon gingen freiwillig, die anderen 33 wurden ermordet: betäubt, erschossen, vergiftet oder erstochen, darunter Männer, Frauen, Kinder, sogar Babys. Beim Massenmord in Cheiry gaben die Mörder insgesamt 65 Schüsse auf die Sektenmitglieder ab. Im Raum bleibt die Frage, warum die späteren Morde 1995 in Frankreich und 1997 in Kanada nicht verhindert werden konnten.

«Ein gottvergessener Schock»

In jener Nacht 1994 war die Freiburger Kantonspolizei gegen 1 Uhr früh am Tatort. Die ausgerückten Beamten trafen auf ein brennendes Chalet – einen ausgebauten Bauernhof mit Stallungen, einem Wohnteil und einer Garage. Im Wohnteil fand man eine Leiche mit einem Plastiksack über dem Kopf, hingerichtet mit einem Kopfschuss. Da vor dem Gehöft verschiedene Autos mit eingelösten Nummernschildern standen, vermutete die Polizei noch mehr Leute im Haus. Der damalige Kripochef und leitende Offizier vor Ort wies seine Beamten an, die Garage aufzusuchen. Dort stiessen sie auf eine besondere ­Szenerie: Der Eingang war zu einer Art Empfangshalle mit Réception und Umkleideraum umgebaut. Als sich der Kripochef an seiner Pfeife ziehend an eine Wand lehnte, entdeckte er zufällig eine Geheimtür, die ins Dunkle führte. Er entzündete sein Feuerzeug, hielt es sich über den Kopf und ging ­voran ins Dunkle. Was er nicht ahnen konnte, war, dass im Raum 21 Leichen lagen, sternförmig angeordnet. Zudem war der Raum mit einer Zündvorrichtung und Benzinbomben präpariert worden. Wäre die Luft nicht so sehr mit Benzindämpfen gesättigt gewesen, dass es vollkommen an Sauerstoff fehlte, wäre das Chalet samt dem Kommissar und seiner Polizeieinheit in die Luft geflogen.

Alex Bircher war damals 32 Jahre alt, hatte erst vor ein paar Monaten in den kriminaltechnischen Dienst gewechselt und war gerade Vater geworden. Schon als Kind hatte er davon geträumt, Fingerabdrücke zu sichern und aufregende Fälle zu lösen. Der Anruf seines Chefs erreichte ihn in seinen Ferien, aber im Radio war bereits von den Vorfällen berichtet worden. Ohne eine Sekunde zu zögern, fuhr Bircher nach Cheiry. «Es war ein gottvergessener Schock, dass so etwas hier passieren kann», sagt er rückblickend. «Jedem war sofort klar, dass dies ein ganz besonderer Fall wird.»


Video: Der versteckte Kultraum

Die Mehrzahl der Sonnentempler-Anhänger erschien wie gewohnt zur sonntäglichen Zeremonie. Video: 3sat


Fast zwei Wochen lang arbeiteten er und seine Kollegen ununterbrochen, sicherten den Tatort, die Spuren im Raum und an den Leichen, untersuchten die Zündvorrichtungen. Die Arbeit sei für alle speziell gewesen, nicht nur wegen der Anzahl Leichen, sagt Bircher: «In vieler Hinsicht markiert dieser Fall auch den Übertritt in die moderne Kriminaltechnik. Heute würde kein Kommissar mehr einen solchen Ort mit einem Feuerzeug betreten, sondern die Feuerwehr mit funkenabgesicherten Taschenlampen.» Zusätzlich zum Benzin hatte man auch noch Gasleitungen installiert, die Zündvorrichtung war hochmodern, ersonnen vom Handwerker der Sekte. Ähnliche Vorrichtungen fand die Polizei auch bei den Massakern im Wallis, in Frankreich und Kanada. «Die wollten mit Blitz und Donner von dieser Welt gehen, der ganze Seich sollte in die Luft fliegen», sagt Bircher. Aber zum Glück für die Ermittlungen der Freiburger ­Behörden hatte der Handwerker einen Denkfehler gemacht. Das sogenannte Heiligtum blieb intakt. Rund ein Jahr sollten die 300 Polizisten im Kanton an diesem Fall arbeiten, der am Schluss 20 Bundesordner füllte.

Begnadeter Manipulator

Dieses Heiligtum ist auf Polizeibildern und dem Videomaterial der Polizei und der Sekte zu sehen. Es besteht aus einer Art Spiegelsaal, in dem die Sonnentempler ihre Riten abhielten, komplett mit Tand, Firlefanz und mystischen Special Effects. Die Polizei fand Requisiten wie Umhänge, Säbel, vergoldete Rosen – versehen mit den Insignien TS für Temple Solaire. Dazu unzählige Videos mit langatmigen Aufzeichnungen von Taufen, Hochzeiten, Gottesdiensten.

«Das war ein solcher Blödsinn. Die Kollegen, die das sichten mussten, drehten fast durch», erzählt Bircher. Auch die Fotografen hätten grösste Probleme gehabt, den Spiegelsaal so zu foto­grafieren, dass sie nicht selbst auf den Bildern auftauchten. Bei der Spuren­sicherung spielten erstmals auch DNA-Verfahren eine Rolle. So identifizierte beispielsweise eine Mutter eine mit sechs Schüssen getroffene Leiche als ihre Tochter. Mittels DNA-Analyse konnte die Polizei später nachweisen, dass sie sie falsch identifiziert hatte. Auch wenn die späteren Morde nicht verhindert werden konnten, trugen die Funde aus Freiburg viel zur Aufklärung dieses dunklen Kapitels bei.

Begonnen hatte alles 1976 in Genf. Dort traf der damals 52-jährige Joseph Di Mambro auf die Genfer Yogalehrerin Laurence Meunier und Wachtraum­therapeutin Evelyne Chartier. Die beiden verehrten den gebürtigen Franzosen, erkannten in ihm einen spirituellen Meister und begannen in ihren Praxen Leute für seinen Zirkel zu rekrutieren. Bald wurde es zu unbequem, sich in Privatwohnungen zu treffen, also kaufte Di Mambro, gelernter Goldschmied, verurteilter Betrüger und begnadeter Manipulator, in Annemasse (F) bei Genf ein Haus mit geliehenem Geld. Er nannte es Pyramide, und bald zog eine wachsende Zahl von Anhängern ein; jüngere Menschen auf Identitätssuche, aber auch etablierte, kreative, begabte und vermögende Personen schlossen sich ihm an. Sie spendeten ihm Geld, Land und Häuser.


Video: Jo Di Mambro – der Anführer

Wie die Führung der Sonnentempler Anhänger in die Falle lockte. Video: 3sat


1981 stiess der belgische Homöopath Luc Jouret zu einem der Zirkel. Zusammen gründeten sie den Sonnentempler-Orden und liessen sich als gottähnliche Wesen verehren. Laut dem Genfer Untersuchungsbericht zum Massaker war Di Mambro «autoritär, nachtragend und ein krankhafter Lügner». Obschon weniger intelligent, hatte er gegenüber dem brillanten und jähzornigen Luc Jouret stets die Oberhand.

Totale Kontrolle

Die Sekte bot ihren Anhängern Struktur und Halt. Man machte Yoga, ging ­gemeinsam auf Reisen, besuchte Seminare und Gottesdienste – und bezahlte dafür mit zunehmender Abhängigkeit. Ernährung, Sozialleben, selbst die Gedanken: Sektenchef Di Mambro kontrollierte seine Anhänger total, Fronarbeit war Pflicht.

All dies erzählte später der Aussteiger und einzige Überlebende des Massakers Thierry Huguenin in seinem Buch. Die Sektenführer nutzten ihre Mitglieder in den Kommunen auch ­sexuell aus, trennten Ehepaare, um neue, «kosmische Paare» zu bilden. Indoktriniert wurden die Sonnentempler auch mit einem kruden Reinheits­fimmel, wie ein Werbevideo der Sekte verrät. Ein Spritzer Javelwasser, über den Salat geträufelt, mache ihn erst wirklich keimfrei, hiess es da. Die Sonnentempler fügten sich, betrieben ihren Biolandbau, glaubten sich auserwählt und dass sie für die Zukunft einer friedlicheren, ökologischeren Welt arbeiteten.


Video: Das Werbevideo

Die Sonnentempler versuchten mit ihrem Reinheitsfimmel von sich zu überzeugen. Video: SRF


Die Lehre war ein Cocktail aus ägyptischer und christlicher Mystik, garniert mit esoterischen Elementen. Di Mambro gaukelte seinen Anhängern vor, er könne mit Wesen aus dem Jenseits ­kommunizieren, etwa den «30 Meistern von Zürich» – hochgeistigen Wesen, die dort unterirdisch eine Stadt errichtet hätten und über das Gleichgewicht des Planeten wachten. 1989 zählte die Sekte 442 Mitglieder in Kanada, Frankreich und der Westschweiz, darunter viele ­angesehene und vermögende Persönlichkeiten, die ihr ganzes Vermögen spendeten – über rund 20 Millionen soll Di Mambro am Ende verfügt haben. Was gesellschaftlich erfolgreiche Menschen in die Arme einer Sekte treibt, ist schwer verständlich. Bircher hat eine Theorie dazu. «Das waren erfolgreiche Berufsleute, zum Teil sogar Firmenführer. Heute denke ich, dass der weltliche Erfolg nicht genug war, sie auch spirituell ‹Karriere machen› wollten. Und die Sekte bot ihnen diese Möglichkeit.»

Anfang der 90er-Jahre kam es zur ersten Krise, als der damals 20-jährige Elie Di Mambro, Sohn des Sektenführers, die billigen Taschenspielertricks seines Vaters aufdeckte. Die Wunder in den Heiligtümern hatten ganz weltliche Ursachen: Das glühende und bluttriefende Schwert wurde von einer eingebauten Glühbirne erleuchtet, die elektrischen Blitze waren per Fernsteuerung ausgelöst. In der Folge wandten sich einige Mitglieder von den Führern ab, was diese mit grossem Aufwand zu verhindern suchten. Es begann eine Phase der Paranoia vor möglichen Verrätern, zudem bekamen Jouret und Di Mambro Probleme mit den Behörden. In Kanada und Australien wurde gegen Jouret wegen Geldwäscherei und Waffenhandel ermittelt. Das befeuerte einen verhängnisvollen Verfolgungswahn. Der Abschlussbericht der Freiburger Behörden hält fest: «Apokalyptische Vorstellungen, Angst, verraten zu werden, damit verbundene Destabilisierung auch in der Kerngruppe dürften als Gemisch von Motiven schliesslich den Kalender für die Tat mitbestimmt haben.»

Eine unerhörte Provokation

Ab 1993 begannen die Sektenführer mit den Vorbereitungen zu ihrem «Transit», einer Vorstellung, die schon lange fester Teil ihres Gedankenguts war. Erst jetzt kristallisierte sich aber heraus, dass es ein Massenmord werden sollte.

Den Auftakt machte der Mord vom 30. September am 34-jährigen Schweizer Antoine Dutoit, seiner britischen Frau Nicky Robinson und ihrem dreimonatigen Sohn im kanadischen Morin-Heights. Das Paar hatte es nicht nur ­gewagt, gegen den Willen Di Mambros ein Kind zu bekommen, sie nannten ihr Baby auch noch Christopher Emanu­elle. Eine unerhörte Provokation, denn Di Mambro hatte seine eigene Tochter zum Messias und heiligen Kind erklärt, und sie hiess ebenfalls Emanuelle. Der Sektenchef tobte und nannte das Baby der Dutoits Antichrist, es müsse umgebracht werden, bevor sie alle gemeinsam den «Transit zum Sirius» begännen. Am 30. September töteten zwei Sektenmitglieder die Familie in einem Ritualmord, wobei der Mann mit 50, die Frau und das Baby mit je sechs Messerstichen ­getötet wurden.


Video: Der erste Mord

Die Dutoits wählen den falschen Namen für ihr Kind – das Todesurteil für die Familie. Video: 3sat


«Wir gelangen zum Ende unseres ­Zyklus. Bereitet euch darauf vor, diese Welt zu verlassen, der Transit findet heute Nacht statt.» Diese Botschaft liess Joseph Di Mambro seinen Anhängern am Abend des 4. Oktober per Telefon zukommen. Ahnungslos fuhren sie zum Chalet, wo sie ermordet und verbrannt werden sollten.

Für Ermittler Alex Bircher war ins­besondere das installierte Zündsystem des Handwerkers interessant, dessen Leiche als Erste im Chalet entdeckt worden war. Es nutzte die neuste Technologie der Swisscom, mittels derer man per Telefon die Stromversorgung im Chalet ansteuern konnte, etwa um die Heizung einzuschalten. Oder eine Bombe hochgehen zu lassen. «Im ganzen Bauernhaus waren Kabel verlegt worden, die an den Festnetzanschluss gingen», erzählt Bircher. Sie sollten drei Elektroheizstrahler im Heiligtum ansteuern, auf denen Zündwürfel platziert worden waren. Diese hätten dann die mit Benzin gefüllten Plastiksäcke entflammen sollen. Der Handwerker hatte aber nicht bedacht, dass der Brand im Chalet die Kabel verbrennen und so die Stromzufuhr in den Keller unterbrechen würde. Er, der vermutlich auch für die Special Effects im Heiligtum zuständig gewesen war und den Schalldämpfer auf der Tatwaffe gebastelt hatte, starb ebenfalls eines gewaltsamen Todes. «Wir gehen davon aus, dass er zu fliehen versuchte, dann verfolgt und im oberen Teil hingerichtet wurde», sagt Bircher.

Das Medieninteresse am Fall war enorm und für die Freiburger Polizisten eine noch nie dagewesene Situation. Journalisten aus der ganzen Welt kreisten mit privaten Helikoptern über dem Tatort. Täglich gab es Medienkonferenzen, bei denen bis zu 150 Journalisten anwesend waren. Zwei vermutlich amerikanische Journalisten gaben sich gar als kanadische Polizisten aus, um ein Interview mit dem Kripochef zu erschleichen. «Wir staunten immer wieder, wie schnell die Presse an Informationen kam, die uns noch fehlten. Es war ein Wahnsinn», sagt Bircher.

Symbolische Aktenverbrennung

Die Bevölkerung reagierte heftig auf die Ereignisse. «Der gesunde Menschenverstand», sagt der Kriminaltechniker, «kann solche Dinge nicht nachvollziehen. Aber er will Antworten auf Fragen, also denkt er sich etwas aus.» Es meldeten sich Hellseher und Pendler, Verschwörungstheorien kursierten. Bircher betont, dass die Polizei und die Justiz innerhalb der rechtsstaatlichen Grenzen ihr Möglichstes taten: «Bis heute wissen wir nicht mit 100-prozentiger Gewissheit, wie sich das Ganze tatsächlich abgespielt hat. Aber damit hat man bei Strafuntersuchungen zu leben.»

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Die Freiburger Justiz musste mit der Kritik leben, dass sie weitere Morde und Selbstmorde der Sekte nicht verhindern konnte. Sie wurde insbesondere wegen der beiden französischen Gendarmen kritisiert, die im Wallis getötet hatten. Man hatte sie einvernommen und freigelassen. Als ein Jahr später in Vercours in Frankreich weitere Sonnentempler starben, gehörten auch die beiden Polizisten dazu. Erneut hatten sie getötet. Auch die Hinterbliebenen übten harsche Kritik, ihnen wurde nach Abschluss der Untersuchung keine Akteneinsicht gewährt. Solche Fehler nährten Theorien, die Sekte mit Verbindungen in höchste politische Kreise lasse ihren Einfluss spielen.

Nachdem alles untersucht worden war, beschloss man in Freiburg, unwichtige Utensilien in einem symbolischen Akt zu verbrennen, um «keine weiteren Verrückten anzuziehen», wie Unter­suchungsrichter André Piller formulierte. «Wir hatten so viel erlebt, es war uns wichtig, zu zeigen, dass man bei uns so einen Massenmord nicht akzeptiert», sagt Bircher. Doch dafür fehlte gewissen Mitbürgern das Verständnis. Sie zeigten die Polizisten wegen Luftverschmutzung an. So viel Schweiz muss auch angesichts einer unschweizerischen Katastrophe sein.

Erstellt: 05.10.2019, 11:45 Uhr

Das Sonnentempler-Drama

Chronologie der Ereignisse

1983
Luc Jouret und Jo Di Mambro bilden aus verschiedenen esoterischen Gruppen den Sonnentempler-Orden. In der Schweiz, Südfrankreich und Kanada werden Anhänger rekrutiert.

1989–1993
Jo Di Mambros Sohn Elie Di Mambro deckt auf, dass die «Wunder», die
sein Vater tätigt, blosse Taschenspielertricks sind. Luc Jouret wird in Kanada wegen illegalen Waffenbesitzes und Konspiration verurteilt. Die Polizei stellt ­Verbindungen des Ordens zu der Terroristengruppe Q37 fest.

März–September 1994
Die kanadische Polizei eröffnet eine Untersuchung wegen Geldwäscherei, in die Sonnentempler verwickelt sein sollen. Di Mambro verkauft dem Schatzmeister der Sekte eines der drei Chalets in Salvan VS, die später abbrennen.

30. September 1994
Der Schweizer Antoine Dutoit, seine britische Frau Nicky Robinson und ihr dreimonatiger Sohn werden im kanadischen Morin Heights umgebracht, in einem Haus, das Di Mambro gehört. Die Häuser werden später angezündet.

5. Oktober 1994
Um Mitternacht wird ein Brand in einem Bauernhaus in Cheiry FR entdeckt. Die Behörden finden in den Trümmern 23 Leichen. Um 3.30 Uhr brennen drei Chalets im Wallis. Im ersten Chalet werden 15 Leichen entdeckt, in einem der anderen 10 weitere, darunter Jouret und Di Mambro.

23. Dezember 1995
In Vercors, in den französischen Alpen, werden 16 sternförmig angeordnete verkohlte Leichen gefunden. Sie weisen Schussverletzungen auf.

22. März 1997
Im Haus eines Sonnentemplers in Saint-Casimir (Québec/Kanada) werden fünf Leichen entdeckt. Damit fielen total 74 Menschen dem Sonnentempler-Wahn zum Opfer

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