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Auch eine Frau wollte Klosterbruder werden

Auf das Stelleninserat der Deutschschweizer Kapuziner-Mönche haben sich rund zwanzig Personen gemeldet. Einige scheinen sogar das Zeug zum Bruder zu haben – andere eher nicht.

Vom Aussterben bedroht: Bruder Erwin im Garten des mittlerweile geschlossenen Stanser Kapuzinerklosters.
Vom Aussterben bedroht: Bruder Erwin im Garten des mittlerweile geschlossenen Stanser Kapuzinerklosters.
Keystone
Der Orden hat mit Personalproblemen zu kämpfen.
Der Orden hat mit Personalproblemen zu kämpfen.
Keystone
Kapuziner betätigen sich oft als Seelsorger.
Kapuziner betätigen sich oft als Seelsorger.
Keystone
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Die Kriterien für das Leben im Orden erfüllen höchstens fünf Männer, wie von den Kapuzinern zu erfahren war. «Immerhin», meint dazu der Vorsteher des Ordens, Willi Anderau, auf Anfrage, «viele haben leider eine falsche Vorstellung von einem Leben im Orden gehabt.» So habe sich ein Gärtner gemeldet, der lediglich eine neue Stelle gesucht habe. Auch eine Frau sei unter den Interessierten gewesen.

Mit den drei bis fünf Männern, welche die Kriterien erfüllten, würden nun Gespräche geführt. Ein Ordenseintritt sei eine Lebensentscheidung und brauche Zeit, sagte Anderau. Den Männern stehe es auch offen, zuerst lediglich «Bruder auf Zeit» zu werden und drei bis sechs Jahre in der Gemeinschaft der Mönche zu leben.

Nachwuchsmangel bei dem Orden

In den vergangenen zwanzig Jahren hatte sich die Zahl der Kapuziner-Mönche, die traditionell eine brauen Kutte mit Kapuze tragen, auf 200 halbiert. Wichtige Niederlassungen mussten aufgegeben werden, darunter das Kloster in Stans. Das Durchschnittsalter liegt heute bei siebzig Jahren.

Anderau geht davon aus, dass sich die Anzahl der Schweizer Mönche auf «tiefen Niveau» einpendeln wird. Voraussetzung dafür sei aber, dass immer wieder neue Mönche hinzustossen würden. Es stelle sich deshalb die Frage, wie es nach der Idee mit dem Stelleninserat weitergehen soll.

Berichte in mehr als 150 Medien

Positiv überrascht ist der oberste Kapuziner der Deutschschweiz über das weltweite Medienecho, das die Stelleninserate ausgelöst haben. In rund 160 Medien sei darüber berichtet worden – zum Beispiel in der Zeitung «Washington Post» oder im britischen Fernsehen BBC. «Das war Gratiswerbung», freut sich Anderau.

Ein Sendung mit dem arabischen Fernsehsender al-Jazeera sei leider wegen Terminproblemen mit den Kameraleuten nicht zustande gekommen. Das Interesse zeige aber, dass gehört werde, wer die Sprache von heute spreche, sagte Anderau weiter. Auch sei es einem Orden wohl nicht zugetraut worden, diese Sprache zu sprechen. Der Kontrast habe die Medien vermutlich interessiert.

Per Stelleninserat waren Anfang November katholisch getaufte und ledige Männer im Alter zwischen 22 und 35 Jahren gesucht worden. Für die «Lebensstelle» verlangt wurden Berufsausbildung, soziale Kompetenz und Sensibilität für Religion. In Aussicht stellten die Mönche «Freiheit von materiellen Gütern» und «Lebenssinn».

Erfolgreiche Online-Vermarktung

Mit dem Stelleninserat gingen die Kapuziner nicht das erste Mal neue Wege. So vertreiben sie über ihre professionell gestaltete Internetseite auch Fanartikel. Von den braunen Kapuzen-Pullovern seien in den vergangenen Monaten mehrere Hundert Stück verkauft worden, sagte Anderau.

Ebenfalls ein Verkaufshit sind die Cappuccino-Tassen mit dem Logo der Deutschschweizer Kapuziner-Mönche. Auch von diesen sind schon mehrere Hundert Stück bestellt worden. «Cappuccino» ist eine Ableitung des italienischen Wortes für Kapuze.

Die Kapuziner führen – den Idealen des heiligen Franz von Assisi folgend – ein Leben in Gehorsam und Armut. Der Orden engagiert sich für Arme und Kranke und ist auch in der Mission aktiv. Weltweit zählt die Gemeinschaft, die um 1525 entstand und zum Franziskaner-Orden gehört, knapp 12'000 Mitglieder.

SDA/raa

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