Tiere zu töten, fällt ihr nicht schwer

70 Millionen Tiere werden in der Schweiz jedes Jahr geschlachtet. Doch wer Tiere jagt, erntet Hass und Abscheu. Warum eigentlich?

«Töten gehört zur Natur»: Eine Jägerin nimmt ihr Ziel ins Visier. Bild: iStock

«Töten gehört zur Natur»: Eine Jägerin nimmt ihr Ziel ins Visier. Bild: iStock

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Das Töten musste man mich nicht lehren. Was man mir im Jagdkurs in den acht Lehrgangsmonaten beibrachte, war: eine Waffe zu halten. Mit ihr zu zielen. Und, hoffentlich, mit dem ersten Schuss tödlich zu treffen. Den Willen und die Fähigkeit, auch diese letzte Grenze zu überschreiten, brachte ich von allein mit. Töten konnte ich schon. Wie überhaupt wir alle, Jäger oder nicht. Das Töten gehört, wie der Tod, zu unserer Natur. Es ist – auch weiterhin – eine Überlebensnotwendigkeit. Wenn auch längst nicht mehr Thema.

Der US-Kulturanthropologe Richard K. Nelson, dessen bevorzugtes Forschungsgebiet die Beziehung zwischen Mensch und Natur ist, sagt es so: «Unsere Vergesslichkeit ist hauptsächlich das Produkt von Supermärkten. Wo wir uns aus den Regalen Stücke verarbeiteter Pflanzen und Tiere nehmen, die versteckt sind in Kisten, Dosen und Verpackungen – und in uns die Illusion erzeugen, dass wir essen können, ohne zu ernten; dass Leben erhalten werden kann, ohne dass jemand dafür sterben muss; dass unsere tägliche Existenz nichts mit der Erde zu tun hat. Und dass wir uns von allen anderen Organismen grundlegend unterscheiden.»

Wir sagen: «Wir lieben die Natur!» Aber was heisst das schon? In einer Gesellschaft, die die Natur in erster Linie nur noch vom Vorbeifahren, durchs Autofenster kennt. Und Tiere aus lustigen Youtube-Filmchen und zu Tränen rührenden Facebook-Clips, in denen eine Löwin ihr Adoptiv-Antilopenkalb beschmust und der Tiger mit seinem besten Kumpel, dem Dackel, spielt. Da atmen wir auf und rufen: «Schau, die Natur ist gar nicht so! Und Tiere, auch die vermeintlich wilden, sind in Wirklichkeit genau wie wir!» Was das Lieben ja immer am einfachsten macht.

Der Beginn meiner Jägerkarriere

Als ich in einem Magazin erstmals von meiner Jägerwerdung erzählte, schrieben mir die Leser. Hochaufgeregt, erbost, zerrissen. Einer verzweifelt: «Ich weiss nach der Lektüre Ihres Artikels nicht, was überwiegt, meine Hochachtung davor, dass Sie so offen über Ihre Jagdleidenschaft schreiben. Oder meine Verachtung für Ihr Tun.» Er erlöste sich dann kurzerhand selbst aus dem Dilemma: «Ist ja auch eigentlich egal, auf jeden Fall sind Sie ein böser Mensch!» Ich sah mir das Profil des Herrn auf Facebook an. Er war überraschend jung. Ende 20 vielleicht. Er hatte schulterlanges Haar. Locken. Ein nettes, offenes Lachen. Trug Jeans, T-Shirt, Sneakers. Lässig. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er viel von Kunst, Musik und Freiheit. Ich dachte: Wie leicht man sich und die Menschen täuschen kann!

Meine Jägerkarriere, wenn sie denn eine war, folgte einem jeder profanen Logik entbehrenden Zickzackverlauf. Ich war das tierverrückte Kind eines Paars, das sich, um seine Sofas und statischen Gemüter zu schützen, gegen jede Tierhaltung sträubte. Entsprechend verzehrte ich mich nach einem Hund. Meine Eltern gestatteten einen Wellensittich. Später grosszügig einen Hamster. In meiner Verzweiflung baute ich zu allen Hunden der Nachbarschaft eine telepathische Verbindung auf, von der die Hunde möglicherweise nichts wussten. Meiner Vernarrtheit und speziellen Bindung ans Tierreich zum Trotz schlich ich regelmässig in den Wald und verbrachte Stunden vor Kaninchenbauten auf der Lauer liegend. Mit selbst gebasteltem Bogen und Pfeilen im Anschlag. Hätte ich geschossen, hätte einer der Hasenartigen sich aus dem Loch gewagt? Ich hätte ihn sogar gefressen!

In Irland, wo ich seit Jahren auf einem Hof mit Pferden, Katzen und Hunden lebe, wettern derzeit auf Plakaten an Bushaltestellen die Veganer. Gegen den Verzehr von Fleisch. Gegen das Trinken von Milch. «Human gewonnene Milch ist ein Mythos. Kauf sie nicht!» steht auf einem der Werbeplakate. «Sie vertrauen uns. Und wir betrügen sie!» auf einem anderen. Das Betrügerplakat zeigt ein Säuli, das sich von Menschenhand tätscheln lässt. Über einem Schaf, das freundlich durch einen Zaun schaut, steht: «Es hat nur ein Leben. Wird dein Znacht es ihm nehmen?» Ich denke: gut möglich. Denn einerseits fällt es mir, wie den meisten von uns, schwer, das freundliche Schafgesicht mit den Fleischscheiben aus dem Supermarkt-Plastikpack in Verbindung zu bringen. Anderseits sind mir Lammkoteletts mit Knoblauch und Rosmarinzweigen gebraten so oder so eine Köstlichkeit.

Nicht wie im Supermarkt: Jagdhund mit Beute. Foto: iStock

Als ich 16 war, schleppte mich einer das erste Mal mit auf die Jagd. Ich arbeitete als Küchenpraktikantin in einem Hotel im Solling, einer wald- und wildreichen Hügellandschaft in Mitteldeutschland. Der Hotelbesitzer und sein Koch gingen beide auf die Jagd. Was aber nicht dasselbe war. Darauf bestand der Koch. Ich war umgehend wild darauf, mitgenommen zu werden. Keine Ahnung, warum. Von wem dieser beiden, war mir noch egal.

Der Chef bot sich als Erster an. Ein Waidmann wie aus dem Buche, die Verkörperung des rigiden Jagdwesens, aussen wie innen, für seine Genossen und Gegner zugleich: grünes Filzjackett, blanke Stiefel und, in der Mitte Deutschlands, ein Tirolerhut. Korrekt, zuverlässig, starr. Der Mann war Ende 20, in seinem Loden-Tiroler-Outfit sah er aus wie 50. Ich meinte: passend. In den Wald fuhren wir in seinem schweren, tadellosen Audi. Die Waffen transportierte er stets im Kofferraum, gegen unbefugte Benutzung gesichert. Das war alles ganz richtig. Es fühlte sich nur nicht so an. Für mich, die hier irgendwie auf der Suche war. Stundenlang sass ich schweigend mit ihm im Wald, und wir schossen nichts. Wäre der Koch nicht gewesen, ich hätte meine grad erst keimende Jagdlust verloren.

Von Jagern und Jägern

Der Koch sagte: «Das nächste Mal jagst du mit mir! Damit der dich nicht versaut.» Jagdmässig, meinte er. Der Koch sagte: «Weil nämlich, dein Chef, das ist ein Jäger. Ich aber …!» Er reckte sich und streckte den Brustkorb vor. «Ich bin Jager!» Weil ich wusste, er hatte irgendein Herz für mich, wagte ich zu fragen: «Was ist der Unterschied?» Der Koch schnaubte. «Ein Jäger, du, der kauft sein lächerliches Filzjackett aus dem Versandkatalog.» Er aber! Trug einen Uralt-Pulli und ebensolche Hosen aus Armeebeständen. Springerstiefel. Eine Art verschlissener Tropenhut auf dem Kopf. Rote Haare, roter Bart und wilder Blick.

In den Wald schaukelten und klapperten wir in seine Suzuki-Geländekiste gezwängt. Für die Gewehre war eben noch Platz zwischen meinen Knien. Bevor er Hotelkoch wurde, war er Soldat gewesen, na klar. Jetzt strich er mit dem Schiessgewehr privat durch den Wald. Stundenlang sass ich schweigend mit ihm da, und wir schossen nichts. Und ich hing, noch ohne es zu wissen, am Haken. Von etwas, was sich gut, fast richtig anfühlte. Für mich. Weil es meinem Bild von der Jagd und von mir entsprach. Was aber auch nur ein Märchen war, ist ja klar.

In der Schweiz sterben jährlich 70 Millionen Nutztiere.

In seinem Film über Jagd-Tourismus in Afrika besucht der britische Dokumentarfilmer Louis Theroux Wildtierzüchter, die ihre «Produkte» jagdfreudigen Touristen zur Verfügung stellen. Antilopen, Giraffen, Löwen werden in einem abgeschlossenen Areal vor die Flinte der auf der Lauer liegenden oder im Jeep umherbrausenden Gäste getrieben oder gelockt. Oder geraten auch mal – mehr oder weniger – zufällig ins Visier. Es ist keine Art der Jagd, der ich nachgehen möchte. Genauso wenig würde ich mich in ein europäisches Wildgatter setzen und die per Futterautomat vor den Ansitz gelockten Schweine und Hirsche erschiessen. Obwohl ich annehme, den Antilopen, Löwen, Wildschweinen und Hirschen ist egal, wo und unter welchen Umständen sie geschossen werden. Es fühlt sich nur nicht richtig an, für mich. Ich finde es nicht natürlich.

Dokfilmer Theroux aber hat offenbar ein anderes, grundlegendes, er hat ein emotionales Problem mit dieser Art der Jagd. Eigentlich: mit der Jagd überhaupt. Er fragt den Löwen- und Antilopenzüchter mit weicher, eindringlicher Stimme: «Sie sagen, dass diese Tiere nur auf der Welt sind, damit sie gejagt werden können. Da muss man sich doch fragen: Was ist das für ein Leben?» Und weiter: «Es ist ja nicht wie mit den Hühnern bei uns, die gezüchtet werden, damit wir sie essen. Wir jagen sie aber nicht. Wir züchten sie, um sie zu essen. Aber diese Tiere hier werden gezüchtet, damit man sie töten kann. Zu keinem anderen Zweck.» Der Antilopenzüchter verliert darauf kurz die Nerven. Wer will es ihm verdenken?

Allein in Theroux’ Heimat Grossbritannien werden Jahr für Jahr 2.6 Millionen Rinder geschlachtet, 10 Millionen Schweine, 14.5 Millionen Schafe und Lämmer, 80 Millionen Fische und 950 Millionen Vögel. In der Schweiz sterben jährlich 70 Millionen Nutztiere. Fische und Krustentiere sind in dieser Zahl noch nicht enthalten. Und ein Fünftel weiterer Leichname werden für die Schweizer Esstische aus anderen Ländern importiert. EU-weit werden Jahr für Jahr 360 Millionen Nutztiere getötet. Sie alle, der Begriff Nutztiere sagt es schon, werden allein zu diesem Zweck gezüchtet. Vielleicht ist Theroux – wie offenbar so vielen – nicht bewusst, dass auch die Hühner getötet werden müssen, bevor man sie essen kann. Vielleicht glaubt er aufrichtig, dass das europäische Bald-ein-Poulet Zeit seines viermonatigen Daseins in einer stickigen, mit seinesgleichen übervollen Lagerhalle durch Tonnen von Kot watend das würdigere Leben führt – weil es später seinen höheren Sinn am Grillspiess erfährt.

Auch der Jäger hält den Tod auf Distanz, wo er kann.

Vor dem Löwengehege, mit Blick auf seine am Zaun auf- und abstreichenden, beständig grollenden Bewohner, fragt der Dokumentarfilmer: «Warum schaut der uns so an?» – «Weil er Sie als Essen sieht», sagt der Löwenzüchter. «Mehr sind Sie für ihn nicht. Gehen Sie rein, und schauen Sie, was passiert. Alles, was von Ihnen übrig bleiben wird, sind Ihre Schädeldecke und Ihre Stiefel.» – «Lieben Sie Ihre Löwen?», fragt der Dokumentarfilmer traurig. «Nein!» – «Warum nicht?» Der Züchter antwortet kalt und verschmitzt: «Gehen Sie mal dicht an den Zaun, na los! Und dann sagen Sie mir, ob Sie da Liebe spüren.» Die Löwen lauern. Grollen.

«Ich bin nicht sicher, ob ich das möchte», sagt Theroux zögerlich. «Nein!», ruft der Züchter. «Da ist keine Liebe!» Die Biologie kennt für Liebe keine Definition. Für die Biologie zählt vor allem das Eine: die Notwendigkeit der Erhaltung der eigenen Art. Wir Jagdschüler lernten zu nutzen, was wir erlegen würden. Tierleiber öffnen, Därme entnehmen, Häute abziehen, Körper in Stücke schneiden. Für uns hiess das: aufbrechen, ausräumen, aus der Decke schlagen, zerwirken. «Die Jägersprache ist eine so schöne Sprache», schwärmte ein Kollege. Blumig, blutleer, befriedet. Wörter, die losgelöst sind vom Geschehen. Spricht der Jäger vom Töten, sagt er: erlegen, zur Strecke bringen, abnicken, ernten. Kein Tier wird «erschossen» oder «getötet», nirgends. Auch der Jäger hält den Tod auf Distanz, wo er kann.

Wir schlangen Seile um Hinterläufe und hängten die Leichname kopfüber an Stahlträgern auf. «Öffnen!» Messerstich unters Weidloch, den Hinterausgang eines jeden Wildtiers. «Aufschärfen!» Zwei Finger in das frische Loch unter die Bauchdecke schieben und zwischen den Fingern die Haut bis zum Brustbein durchtrennen. Der Kanincheninhalt quoll heraus. Rot, blau, braungrau. Es floss kaum Blut. Ich griff Därme, Magen, Schlund, Leber, Nieren, Herz, alles hing zusammen, alles musste in Einem der Hülle entrissen werden. Was fühlte ich? Technisch kaltes Interesse. Der Körper, sein Inhalt, sie waren ihrer Funktionen beraubt. Jetzt, wo das Leben die Hülle verlassen hatte, fiel es schwer, es zurück hinein zu denken. Fast war es unmöglich. Mit jedem Leib, den ich auftrennte und aushöhlte, schien es, als verlöre das Leben mehr an Bedeutung. Und mit ihm der Tod. War es das, was mich hierher gelockt hatte?

Die vermeintliche «Lust am Töten» sei Ausdruck eines unbewussten Strebens, das Ungreifbare in den Griff zu bekommen.

Einmal hatte ich einem unserer Hühner den Kopf abgeschlagen. Das Huhn war krank gewesen, hatte binnen weniger Tage nahezu alle Federn verloren, sein Körper war auf die Hälfte seiner gesunden Grösse geschrumpft. Ich verurteilte es, ohne einen Tierarzt zu fragen, als unheilbar. Kein Mensch ruft eines kranken Huhns wegen den Tierarzt. Hühner werden nicht eingeschläfert. Hühner werden geschlachtet. Nicht nur die todkranken. Diesem kahlen, torkelnden Tier aus seinem erbärmlichen Rest Leben zu helfen, hätte ich mir und anderen leicht als reinen Gnadenakt verkaufen können. Tatsächlich fühlte ich neben ehrlichem Bedauern eine gewisse Neugier. Den Gedanken daran, das Tier auf den Holzblock zu legen und mit einem Axthieb seinen Hals zu durchtrennen, empfand ich als furchterregend. Und verlockend. Beides hielt sich die Waage. War das «Lust am Töten»? Oder war es der Widerschein meiner aus Todesangst geborenen, ewigen Faszination für den Tod?

Ein Phänomen, das der Jäger und Biogeograf Günter Kühnle in seiner Dissertation über die Psychologie der Jagd mit dem Begriff Emotionales Jagdparadox umschreibt: Das Töten sei zwar für den vom Jäger angestrebten emotionalen Kick Bedingung. Und doch bestehe dieser nicht im Töten selbst. Tatsächlich gründe die Jagdlust in einem Streben nach Macht, schreibt Kühnle. Wenn auch anders, als die Jagdgegner gemeinhin glauben. Die vermeintliche «Lust am Töten» sei vielmehr Ausdruck eines unbewussten Strebens, das Ungreifbare in den Griff zu bekommen. Des Menschen Not, die grandiose, unbeherrschbare und darum bedrohliche Natur doch zu bezwingen. Der Kick, den sich der Jäger mit dem Töten verschaffe, sei seine extreme Befriedigung darüber, dem Tod nicht ausgeliefert zu sein. Sondern ihm gebieten zu können. Des Jägers Glück, seine Freude, Zufriedenheit und Zerstreuung beruhten auf seiner unbewussten Überwindung der Todesangst.

Wir sind alle nur kleine Lichter. Die früher oder später verlöschen.

Auch wenn das alles selbstverständlich ein Trugschluss ist. Die Tiere auf den Veganerplakaten haben es geschafft. Sie sind nicht länger gewöhnliche, vom Gefressenwerden bedrohte Nutztiere, sondern tummeln sich auf einem Tiergnadenhof namens Eden. Sie heissen Clare, Ruby, Razzle. «Einige von ihnen haben die Rolle des Botschafters für ihre Rasse übernommen», schreibt «Go-Vegan». Ich denke: Wie soll das gehen? Sie haben doch keine Ahnung, dass sie «Angehörige einer Rasse» sind. Und auch nicht, dass ihr Foto stellvertretend auf Plakaten erscheint. Sie haben vielleicht eine Ahnung, dass einer sie fressen wollte (das ahnt oder fürchtet man als Beutetier ja immer), aber nicht davon, dass sie «gerettet» wurden. Dass ihr Leben darum zwar nicht endlos, aber noch eine Weile weitergeht. Und dass das ein «Glück» ist, begreifen sie sicher auch nicht.

Einmal fragte ich so einen Retter von Tausenden Nutztieren auf seinem übervollen, stets vom Untergang bedrohten Tiergnadenhof: «Ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Geretteten das geschenkte Leben hinnehmen, ist ihr Mangel an Dankbarkeit nicht enttäuschend?» Er lachte, als sei das eine blödsinnige Frage.

Ein unlösbares Dilemma

«Der einzige Unterschied zwischen diesen bemerkenswerten Lebewesen und den Milliarden anderer Tiere, denen wir Jahr für Jahr schaden, ist, dass die Bewohner von Eden jemanden hatten, der ihre Geschichte erzählt, während die Milliarden anderer unerkannt sterben», schreibt «Go-Vegan». Und ich denke: Das tun Milliarden von Menschen auch. Überall auf der Welt. Jeden Tag. Wir sind alle nur kleine Lichter. Die früher oder später verlöschen. Die meisten weitgehend unbemerkt. Ist es das, woran wir verzweifeln?

Bei einer Dokumentation über die Tiere in der afrikanischen Steppe brach meine fünfjährige Enkelin gleich zweimal in Tränen aus. Das erste Mal in Todesangst um ein von einem Rudel ausgemergelter Löwen gehetztes Wasserbüffelkalb. Das Kalb entkam knapp. Meine Enkelin jubelte. Bis der Sprecher erklärte, dass die Löwenjungen nun sicher verhungern, weil das Rudel nach langer Dürre zu schwach sei, sich noch einmal auf die Jagd zu machen. Diesmal weinte sie umso verzweifelter. Nicht nur um die jungen Löwen. Sie weinte vor allem um die Unlösbarkeit ihres Dilemmas. Und ich dachte: So ist das. Einer stirbt immer, die ganze Zeit. Das ist Natur.

Erstellt: 18.04.2018, 12:23 Uhr

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Die Autorin

Die deutsche Journalistin und Autorin Antje Joel (52) lebt in Irland und schreibt
regelmässig für «annabelle». In ihrem neuen Buch erzählt sie von ihrer Passion, der Jagd. Darin kundschaftet sie den schmalen Grat aus zwischen Leben und Tod, zwischen
Macht und Ohnmacht und spürt dem sensiblen Gleichgewicht der Natur nach.
Antje Joel: Jagd. Unsere Versöhnung mit der Natur. Rowohlt Verlag, Reinbek 2018, 272 S., ca. 23 Fr.

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