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Behörden gehen gegen «Tier-Messies» vor

Dutzende Hunde oder Katzen in einer Wohnung: Laut dem Schweizer Tierschutz nimmt das «Animal Hoarding» zu. Die Behörden müssen immer öfters einschreiten.

Jeder zweite von ihnen bekommt ein neues Zuhause: Hunde in einem Zürcher Tierheim. (Archivbild)
Jeder zweite von ihnen bekommt ein neues Zuhause: Hunde in einem Zürcher Tierheim. (Archivbild)
Keystone

Schweizer Tierheime haben im letzten Jahr pro Tag im Schnitt 62 Katzen, Reptilien und andere Tiere aufgenommen. Zwar wurden weniger Tiere von ihren Besitzern ins Heim gegeben. Markant zugenommen hat aber die Zahl der Tiere, die von Behörden beschlagnahmt und ins Tierheim gebracht wurden.

Insgesamt landeten letztes Jahr 22'713 Katzen, Nager und andere Tiere in Heimen und Auffangstationen. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl leicht um 1 Prozent. Eine Trendwende sei aber nicht in Sicht, teilte der Schweizer Tierschutz (STS) in einem Communiqué mit.

Deutlich gestiegen ist hingegen die Zahl der Tiere, die von Behörden beschlagnahmt wurden und so ins Tierheim kamen: Laut der STS-Tierschutzstatistik wurden letztes Jahr 1130 beschlagnahmte Tiere in Tierheime gebracht. Das sind ganze 45 Prozent mehr als im Vorjahr.

«Behörden schauen besser hin»

STS-Mediensprecherin Helen Sandmeier nennt zwei Gründe für diesen Anstieg. «Die Behörden schauen besser hin als früher und schreiten eher ein», sagte sie auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Bei diesem Thema habe ein Umdenken stattgefunden.

Neben dieser positiven Entwicklung gebe es aber auch eine negative: «Ich habe den Eindruck, dass das so genannte ‹Animal hoarding›, also das Horten oder Sammeln von Tieren, zugenommen hat», sagte Sandmeier.

«Man spricht auch von Tier-Messies: Menschen, die eigentlich aus gutem Willen Tiere aufnehmen. Doch mit der Zeit werden es immer mehr und mehr», erklärte Sandmeier. Schliesslich würden Dutzende Hunde oder Katzen in einer Wohnung gehalten. Da dies nicht mehr artgerecht ist, werden die Tiere ebenfalls beschlagnahmt, falls die Behörden davon Wind bekommen.

«Modeerscheinung»: Exotische Reptilien

Die beschlagnahmten Tiere machen trotz des Anstiegs lediglich 5 Prozent aller Heimtiere aus. Mehr als die Hälfte der Tiere wurden von ihren Besitzern ins Heim gegeben, 37 Prozent waren Findeltiere.

Besonders häufig landen Katzen in Tierheimen: Sie machten wie bereits im Vorjahr mehr als die Hälfte der aufgenommenen Tiere aus. Die Zahl aufgenommener Hunde (3144) und Nager (2729) ging hingegen deutlich zurück.

Eine Zunahme von 14 Prozent auf 4395 Tiere weist die Tierschutzstatistik für die Kategorie «andere Tiere» aus, in der alle Tiere ausser Katzen, Hunden und Nager erfasst werden – also beispielsweise Reptilien, Vögel oder Fische.

STS-Sprecherin Sandmeier geht davon aus, dass vor allem mehr Reptilien abgegeben wurden. Sie spricht von einer «Modeerscheinung»: Reptilien, darunter auch exotische, würden häufiger als Haustiere gehalten – von Schildkröten über Geckos bis hin zu Schlangen. Nicht allen, die sich ein solches Reptil als Haustier zulegen, sei aber bewusst, was das bedeute.

Jedes zweite Tier kann zurück zum Besitzer

Dass weniger Hunde im Tierheim ihr Dasein fristen, führt STS-Sprecherin Sandmeier auch darauf zurück, dass Hunde seit Anfang 2007 mit einem Chip registriert sind. «Der Besitzer kann seinen Hund nicht mehr einfach an der Autobahnraststätte aussetzen», sagte Sandmeier. Und auch wenn ein Hund entwischt, kann der Besitzer dank des Chips ausfindig gemacht werden.

Über 2400 Tiere – und damit 22 Prozent mehr als im Vorjahr – wurden 2012 an ihre ursprünglichen Besitzer zurückgegeben. Über die Hälfte der aufgenommenen Tiere konnten in ein neues Zuhause vermittelt werden. 1898 Tiere verstarben in Tierheim-Obhut oder mussten eingeschläfert werden, beispielsweise weil sie krank waren.

Für die Tierschutzstatistik 2012 wurden die Daten von 64 Tierschutzvereinen ausgewertet, die dem Schweizer Tierschutz STS angeschlossenen sind.

SDA/fko

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