Das Comeback der Butler

Gestresst? Hier die gute Nachricht: Diener sind nicht mehr den Reichen vorbehalten.

Auch Normalverdienende können sich heutzutage ein paar Stunden Entlastung leisten: Ein Paar ruht sich aus, während der Butler den Rasen mäht.

Auch Normalverdienende können sich heutzutage ein paar Stunden Entlastung leisten: Ein Paar ruht sich aus, während der Butler den Rasen mäht. Bild: Getty Images

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Am Abend ist die Wäsche nicht nur gewaschen und gebügelt. Sie liegt auch tiptop versorgt im Schrank. Möglich macht das ein Butlerservice, bei dem man ungeliebte Aufgaben in Auftrag geben kann. Wie Nicole Flückiger (Name geändert) und ihr Mann das tun. Zweimal pro Woche kommt eine Mitarbeiterin von «Max & Betty» bei ihnen vorbei, holt die dreckige Wäsche, bringt die saubere zurück und entsorgt recyclebares Material. Kostenpunkt: 456 Franken pro Monat.

Das Paar hat eine sieben Monate alte Tochter, er arbeitet 100 Prozent, sie 60 Prozent. «Als wir Eltern wurden, haben wir uns überlegt, wofür wir das knappe Gut Zeit einsetzen wollen. Wir entschieden: Fürs Kind, für die Arbeit, für uns und für Freunde», erzählt Daniela Flückiger. Einen Teil der lästigen Hausarbeiten hat die junge Familie ausgelagert. «Es gibt Dinge, die einfach erledigt werden müssen, uns jedoch in unserem Leben nicht weiterbringen. Da bezahlen wir lieber dafür.»

Freie Zeit ist der neue Luxus

Die Familie aus Zürich ist mit dieser Haltung nicht alleine. Freie Zeit ist der neue Luxus – und macht, wie kürzlich eine internationale Studie zeigte, erst noch glücklicher als Geld. Viele wollen ihre Freizeit lieber für ein Hobby oder Aktivitäten mit der Familie oder dem Partner nutzen statt für Haushaltsarbeiten. Hinzu kommt, dass man sich nicht mehr schämt, für Dienstleistungen zu bezahlen. «Eine Raumpflegerin zu beschäftigen, ist heute nicht mehr anrüchig, sondern normal geworden», sagt Marta Kwiatkowski, Trendforscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut in Rüschlikon. «Jemand macht etwas für einen und man bezahlt dafür – das ist ein klarer Deal.»

«Die Leute sollen gar nicht mehr an die anstehenden Arbeiten denken müssen.»Daniela Wallner Kern, Gründerin von «Max & Betty»

Während sich eine Reinigungskraft meist aufs Putzen der Wohnung beschränkt – und das vorgängige Aufräumen den Auftraggebern überlassen ist –, umsorgen Butlerservices ihre Kunden so, wie es eben die traditionellen Diener in adligen oder grossbürgerlichen Haushalten taten. «Die Leute sollen gar nicht mehr an die anstehenden Arbeiten denken müssen», sagt Daniela Wallner Kern, Gründerin von Max & Betty.

Anders als etwa Lieferservices, die man zu einer bestimmten Zeit empfangen muss, hat der Butler oder die Hausdame einen eigenen Schlüssel und versorgt die eingekauften Lebensmittel gleich im Kühlschrank, während man selber bei der Arbeit oder anderweitig beschäftigt ist.

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«Wir möchten immer einen Schritt voraus sein und die Wünsche des Kunden erfüllen, bevor er diese äussert», sagt Daniela Wallner Kern. «Hat der Kunde zum Beispiel stets ein bestimmtes Produkt im Kühlschrank, merken wir, wenn es fehlt, und besorgen es neu – natürlich nur, wenn er diesen Service wünscht.» Neben Max & Betty wurde mit Swissbutler im letzten Jahr noch ein zweites Start-up gegründet, das in diesem Bereich tätig ist. Insgesamt gibt es in der Schweiz ein halbes Dutzend Butler- und Haushaltsservices.

Seriös und diskret – aber nicht elitär

Kundenzahlen geben Max & Betty und Swissbutler nicht bekannt, doch gemäss eigenen Aussagen sind ihre Dienstleistungen sehr gefragt. Während Überbauungen, die in mehreren Schweizer Städten ein «Wohnen mit Service» anbieten, mit monatlichen Mietkosten von durchschnittlich 1000 Franken pro Zimmer den Besserverdienenden vorbehalten sind, betonen die Verantwortlichen der Butlerservices, sie seien nicht elitär. «Wir haben zwar vermögende Kunden – aber auch vielbeschäftigte Normalverdienende», sagt Swissbutler-Geschäftsführer Bruno Preite.

Neben Familien sind unter den Kunden auch jüngere Paare, die sich nicht darum streiten möchten, wer welche Haushaltspflichten übernimmt, und bei denen «Convenience», also eine gewisse Bequemlichkeit, zum Lebensstil gehört. Daniela Wallner Kern betont denn auch, dass sie den Begriff Butler nicht im Sinne von abgehoben, sondern im Sinne von seriös, diskret und loyal versteht.

Kein urbanes Phänomen

Billig sind die modernen Butler allerdings nicht: Eine Stunde Arbeit kostet zwischen 38 und 48 Franken. «Das klingt vielleicht nach viel», gibt Daniela Wallner Kern zu. Dafür haben die Mitarbeitenden jahrelange Erfahrung im Hauswirtschaftsbereich, sprechen gut Schweizer- oder Hochdeutsch und werden je nach Anbieter auch in korrektem Benehmen geschult. Sie sind im Stundenlohn angestellt und haben ihre festen Kunden.

«Menschen sind bequem, und alles, was unser Leben einfacher macht und Zeit spart, wird sich durchsetzen.»Marta Kwiatkowski, Trendforscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut

Trendforscherin Marta Kwiatkowski geht davon aus, dass wir künftig immer mehr Dinge, für die wir unsere Zeit nicht einsetzen wollen, an andere delegieren werden: Haushaltsarbeiten, Pflegedienste, Betreuungsdienste, technische Unterstützung, Lernhilfen, Lieferservices. «Menschen sind bequem, und alles, was unser Leben einfacher macht und Zeit spart, wird sich durchsetzen», sagt Kwiatkowski. «Wenn eine Dienstleistung erschwinglich und zum Beispiel über Onlineplattformen einfach zugänglich ist, wird sie genutzt.» Die meisten Butlerservices haben ihren Hauptsitz zwar im Kanton Zürich, doch Kwiatkowski ist überzeugt, dass der Bedarf an solchen Dienstleistungen kein urbanes Phänomen ist. Bruno Preite von «Swissbutler» spricht sogar von einem «Riesenbedarf» seines Services gerade ausserhalb der Zentren.

Subventionierte Haushaltsarbeit

Das Ganze hat eine politische Komponente. Während es in der Schweiz eine rein private Angelegenheit ist, wie man seinen Haushalt organisiert, werden etwa in Belgien haushaltsnahe Dienstleistungen von der öffentlichen Hand unterstützt. Privatpersonen dürfen subventionierte Schecks erwerben, die sie bei zugelassenen Unternehmen für Services wie Reinigen, Bügeln, Einkaufen oder Fahrdienste einsetzen können: Die Kunden bezahlen rund 8 Euro pro Arbeitsstunde, die Beschäftigten verdienen aber 22 Euro – die Differenz übernimmt der Staat.

Eingeführt wurden die Dienstleistungschecks 2004, um Paaren zu ermöglichen, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Die Belgierinnen sollten nicht gezwungen sein, ihr berufliches Pensum wegen Haushaltsarbeiten zu reduzieren – es sind nach wie vor hauptsächlich die Frauen, die sich darum kümmern. Die Massnahme soll zudem weniger Ausgebildeten eine sozialversicherte Arbeit verschaffen, den Schwarzmarkt eindämmen und mehr Steuern in die Staatskasse spülen. Das Modell gilt als Erfolg.

Erstellt: 17.02.2018, 17:10 Uhr

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