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Das legale Geschäft mit Marihuana

Die US-Bundesstaaten Washington und Oregon haben vor einem Jahr die Legalisierung von Marihuana beschlossen. Porträts von Unternehmern, die mit dem «grünen Gold» Geschäfte machen wollen.

Businesspark und Ladenkette: Unternehmer Daniel Curlyo hat Grosses vor im Hanfgeschäft.
Businesspark und Ladenkette: Unternehmer Daniel Curlyo hat Grosses vor im Hanfgeschäft.
Elaine Thompson, Keystone
Haschguetsli gegen Esshemmungen: Angel Swanson vor einer Auswahl an Wasserpfeifen in ihrem Laden in Tacoma, Washington.
Haschguetsli gegen Esshemmungen: Angel Swanson vor einer Auswahl an Wasserpfeifen in ihrem Laden in Tacoma, Washington.
Ted S. Warren, Keystone
Hasch als Ausstiegsdroge: Menschen zu helfen, von ihrer Opiatabhängigkeit wegzukommen, ist Jevgeni Frids Ziel.
Hasch als Ausstiegsdroge: Menschen zu helfen, von ihrer Opiatabhängigkeit wegzukommen, ist Jevgeni Frids Ziel.
Elaine Thompson, Keystone
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Der Wandel in der öffentlichen Meinung über Cannabisprodukte und den Konsum von Marihuana beginnt sich in der Gesetzgebung der US-Bundesstaaten niederzuschlagen: Bereits im November 2012 sprachen sich die Stimmbürger von Washington und Oregon für eine Legalisierung von Haschisch und Marihuana aus. Unter gewissen Einschränkungen ist es den Einwohnern dieser Staaten ab nächstem Jahr erlaubt, Cannabisprodukte anzubauen, zu verkaufen und zu konsumieren. Kürzlich sind in einer Reihe weiterer Staaten wie Maine und Michigan ähnliche Massnahmen beschlossen worden.

Porträt 1: Ein Cannabis-Businesspark

Der legale Handel mit Cannabis zieht Unternehmer unterschiedlichster Herkunft an, die die Chance auf ein lukratives Geschäft wittern. Zum Beispiel Daniel Curlyo. Wenn Marihuana das grüne Gold ist, dann ist er der richtige Mann fürs Geschäft. Der 41-Jährige arbeitete während seiner Studienzeit als Goldschürfer in Alaska. Als zusätzliche Einnahmequelle baute er zudem Hanf an und verkaufte es an seine Kommilitonen. Der Unternehmensberater hat bereits 400'000 Dollar in ein neues Geschäftsprojekt investiert, das einen Cannabis-Businesspark sowie eine Hanfladenkette vorsieht.

Porträt 2: Haschguetsli gegen Esshemmungen

Angel Swanson, 52, arbeitete früher als Immobilienmaklerin. Eine der Weisheiten, die ihr ihre Mutter auf den Lebensweg mitgab, lautete: «Wenn du Drogen siehst, renne weg!» Daran hat sich Swanson stets gehalten – bis zu dem Zeitpunkt, als eine ihrer Töchter, die sich wegen Verdauungsproblemen nur mangelhaft ernähren konnte, zum ersten Mal eine vollständige Mahlzeit ass. Der Grund des ungeahnten Appetits: Die Tochter hatte ein Haschguetsli gegessen.

Swanson informierte sich über den medizinischen Gebrauch von Cannabis und war in der Folge so überzeugt vom Nutzen der Pflanze, dass sie zusammen mit ihrem Ehemann in Tacoma (Washington) gleich eine Marihuana-Apotheke eröffnete. Ab nächstem Jahr wollen die beiden dort auch Cannabisprodukte zum Rauchen anbieten.

Porträt 3: Vom Wachmann zum Geschäftsinhaber

Steve Smith kam rein zufällig mit dem Cannabisgeschäft in Berührung. Er arbeitete als Wachmann bei einer Sicherheitsfirma, die ihn zur Bewachung einer Abgabestelle für medizinische Hanfprodukte einteilte. «Bald darauf kam mir die Idee, einen eigenen Hanfladen zu eröffnen», sagt Smith. Sein Bewilligungsgesuch hat der 29-Jährige bereits eingereicht.

Porträt 4: Marihuana schmeckt am besten mit Schokolade

Dass sich Marihuana und Süssigkeiten gut vertragen, findet auch Marla Molly Poiset. Die 59-jährige Innendekorateurin hat sich vor einem Jahr in Paris zur Köchin ausbilden lassen. Weil ihre Tochter wegen ihrer Leukämie seit einigen Jahren medizinales Cannabis konsumiert, kam die 59-jährige Marla Poiset auf die Idee, ihre neu erlernten Backkünste dafür einzusetzen, Süssgebäck und Schokolade mit Marihuana herzustellen. «So haben die Leute neben der medizinischen Wirkung auch ein Genusserlebnis beim Essen.»

Porträt 5: Tu Gutes!

Paul Schrag, 40 Jahre, hat eine simple Lebensphilosophie: Er will möglichst viel Gutes tun. Als Journalist sah er seine Aufgabe darin, die öffentliche Diskussion zu formen. Nachdem er seinen Job verlor, fand er in der Hanfindustrie ein neues Betätigungsfeld. Er rauche schon seit über 10 Jahren Marihuana, sagt Schrag, und es helfe ihm bei seinen chronischen Nackenschmerzen. Heute arbeitet er für eine Organisation, die den medizinischen Gebrauch von Hanf propagiert. Er glaubt, dass der medizinische und soziale Nutzen von Cannabis erst allmählich verstanden werde.

Porträt 6: Limonade mit Effekt

Ebenfalls aus medizinischen Gründen kam Cecilia Siverston zum Hanf. Die 55-Jährige leidet an Epilepsie und Arthritis. Als sie vor zwei Jahren eine Therapie mit Marihuana begann, habe sich ihr Zustand deutlich verbessert, sagt sie. Letztes Jahr begann sie, Hanfprodukte unter dem Namen «Nana's Secret» herzustellen. Ihre Spezialität ist eine Limonade, die Hanföl enthält. Siverston bemüht sich gegenwärtig um eine Lizenz als Marihuana-Verarbeiterin, damit sie ihre Produkte an Hanfläden verkaufen kann.

Porträt 7: Attraktive Gewinnaussichten

Ihm geht es weder um Heilung noch um Ideologie: Der 50-jährige Farmer Bruce King aus Airlington (Washington) will mit Hanf Geld machen – viel Geld. Auch seine Karriere ist nicht in geraden Bahnen verlaufen: Ab 1986 arbeitete er für Microsoft als Software Engineer, später betrieb er eine Telefonsex-Hotline. Eigentlich wollte er aber immer Farmer werden. So begann er schliesslich, nördlich von Seattle Schweine zu züchten. Nachdem der Staat Washington Marihuana legalisiert hatte, sah er eine grosse Chance für einen lukrativen neuen Geschäftszweig. «Die Gewinnmargen sind unglaublich attraktiv», sagt King. So kaufte er einen riesigen Offenstall für den Anbau von Hanfpflanzen. Selber würde er nie Marihuana konsumieren, aber «man muss Rosenkohl nicht mögen, um ihn anzubauen».

Porträt 8: Hasch als Ausstiegsdroge

Jevgeniy Frid ist Geschäftsführer der Organisation A Greener Today. Diese betreibt in Seattle eine Abgabestelle für Hanfprodukte für den medizinischen Gebrauch. Frid war früher abhängig von Schmerzmitteln. Eigentlich wollte er damit chronische Rückenschmerzen lindern, aber bald fand er sich in einer physischen und psychischen Abhängigkeit. Erst als er begann, Cannabis zu rauchen, kam er von den Opiaten weg. Am befriedigtsten sei es für ihn, Menschen in ähnlichen Situationen zu helfen, sagt Frid.

AP/bh

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