Das Opfer, das Opfer hasst

Schwul, katholisch, konservativ: Milo Yiannopoulos lästerte auf Twitter über Feministinnen und politische Korrektheit. Nun wurde sein Account gelöscht.

Pitbull des Online-Journalismus: Milo Yiannopoulos. Foto: PD

Pitbull des Online-Journalismus: Milo Yiannopoulos. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der frechste Schüler muss das Schulzimmer verlassen: Twitter hat Milo Yiannopoulos gesperrt, für immer. Seinen Account @Nero mit den knapp 340'000 Followern gibt es nicht mehr.

Yiannopoulos, ein 32-jähriger Brite mit griechischen Eltern, hat sich als Provokateur in Kürze breiten Onlineruhm erschaffen. Yiannopoulos passt in kein Klischee, er ist schwul, konservativ und katholisch, steht auf nicht weisse Männer und sieht sich als Kämpfer gegen die politische Korrektheit. Am liebsten wettert er gegen den Feminismus. So mischte er sich ein in die gehässige Debatte um sexistische Computerspiele (#Gamergate), beschimpfte die Kritikerinnen als soziopathisch und wehleidig.

Yiannopoulos hat ein Talent zum Krawallmachen. Er vergleicht die Vergewaltigungskultur in den USA mit Harry Potter («beides ist Fantasy»), nennt Schwule «die Haustiere der progressiven Linken», vergibt Stipendien an «benachteiligte weisse Männer», behauptet, Donald Trump ziehe ihn sexuell an. Je mehr Empörung er so hervorruft, desto schneller wächst seine Anhängerschaft – ganz wie bei seinem Vorbild «Daddy» Trump.

Linke Aktivisten haben mehrere seiner Vorträge in den USA gestürmt. Wegen Verunglimpfung von Minderheiten hat ihn Twitter schon einmal kurz gesperrt. Zur endgültigen Verbannung führte die Kampagne gegen Leslie Jones. Der Twitter-Account der dunkelhäutigen Hauptdarstellerin im neuen «Ghostbusters»-Film wird seit Wochen mit rassistischen und frauenfeindlichen Botschaften geflutet. Yiannopoulos soll die Leute dazu aufgewiegelt haben, wofür ihn Twitter rausstellte. Gemäss eigenen Angaben will der Kurznachrichtendienst künftig stärker gegen Hassredner und Verhetzer vorgehen.

Yiannopoulos, der Feministinnen gerne ihre «Opferkultur» vorwirft, inszeniert sich nun als Opfer von Twitter. Die Vorwürfe seien falsch. «Twitter ist ein sicherer Ort für muslimische Terroristen und Black-Lives-Matter-Extremisten, aber eine No-Go-Zone für Konservative.» Seine Anhänger feiern ihn als Märtyrer der freien Meinungsäusserung und haben eine Rettungskampagne gestartet – auf Twitter, #freeMilo.

Yiannopoulos hat Erfahrung mit Rauswürfen. Er flog zweimal von der Uni, versuchte sich später als Tech-Journalist, gründete die Onlinezeitschrift «The Kernel». Wegen seiner aggressiven Art taufte man ihn den «Pitbull des Internetjournalismus». Richtig bekannt wurde er, als ihn die konservative US-Website Breitbart letztes Jahr als Kommentator anstellte. Sie bietet ihm die perfekte Plattform.

Am liebsten tritt der selbsternannte «Bösewicht» mit gebleichten Haaren, Pilotenbrille und theatralischer Gestik auf. Seine öffentliche Person habe er einst aus Unsicherheit erschaffen, sagte er in einem Interview. Als gläubiger, rechter Schwuler sei er ständig ausgelacht worden. Nun scheint er ganz aufgegangen zu sein in seiner Rolle als unberechenbarer Unruhestifter.

Erstellt: 20.07.2016, 18:55 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Grosstransport: Ein vietnamesischer Mann befördert eine Vielzahl an Gütern mit seinem Motorrad durch die Stadt Hanoi. (22. Juli 2019)
(Bild: Minh Hoang / EPA) Mehr...