Zum Hauptinhalt springen

Dem Mann beim Sterben geholfen

In Deutschland bewegt ein Fall von Suizidhilfe die Gemüter: Eine 80-jährige Frau half ihrem Ehemann, aus dem Leben zu scheiden. Sie verletzte sich dabei schwer.

Wegen Beihilfe zum Suizid ist eine 80 Jahre alte Frau am Montag vom Amtsgericht im deutschen Fürth zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Die Rentnerin muss zudem 4000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Sie hatte eingeräumt, ihrem kranken Ehemann im September 2009 bei dessen Suizid geholfen zu haben. «Ich habe es gemacht, weil ich ihn geliebt habe», sagte die 80-Jährige. Das Paar war 59 Jahre verheiratet.

Nach Angaben der Frau hatte ihr an Krebs erkrankter Ehemann zunehmend Angst vor einem unwürdigen Tod und wollte nicht als Pflegefall enden. Er hatte auch eine Verengung der Halsschlagader und war schwerhörig. Ihr Ehemann habe zunehmend unter seiner Krankheit gelitten und sei auch aggressiv geworden. Er habe dann beschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen. Der Plan sah weiter vor, dass die Frau sich anschliessend durch Stromschlag mit dem Föhn in der Badewanne ebenfalls umbringen sollte. «Wir wollten miteinander gehen», erklärte die 80-Jährige.

«Er sollte nicht leiden müssen»

Am 29. September hatte der 79 Jahre alte Mann dann eine hohe Dosis eines Schlaf- und Beruhigungsmittels zu sich genommen. Nachdem er bewusstlos auf dem Wohnzimmerboden lag, stülpte ihm seine Frau wie vereinbart eine Plastiktüte über das Gesicht und setzte sich anschliessend etwa eine Stunde auf seinen Brustkorb, um die Atmung zu behindern. Um zu testen, ob ihr Mann bereits tot sei, stach sie ihm mit einer Schere in den Hals.

Anschliessend bedeckte sie die Leiche mit Orchideen und legte einen handgeschriebenen Zettel ab, auf dem stand. «Ich habe es aus Liebe zu meinem besten Mann gemacht. Er sollte nicht leiden müssen». Danach wollte sich die 80-Jährige wie geplant ebenfalls das Leben nehmen. Dabei stürzte sie aber und verletzte sich so stark an der Wirbelsäule, dass sie den Plan nicht mehr ausführen und die Wanne auch nicht mehr verlassen konnte. Ihr Sohn entdeckte sie dort vier Tage später.

Massiv auf den Körper eingewirkt

«Wie so ein Fall zu bestrafen ist, ist eine sehr schwierige Frage», erklärte der Vorsitzende Richter, Wolfgang Ring. Die 80-Jährige sei schliesslich schon am meisten bestraft. Denn was sie durchgemacht habe, sei ziemlich schrecklich gewesen. Gleichwohl habe sie gegen das Gesetz verstossen, das den Schutz des Lebens über alles stelle. Statt ihrem Mann den Selbstmord auszureden oder den Krankenwagen zu holen, als dieser bewusstlos auf dem Boden lag, habe sie alles getan, damit er aus dem Leben scheide. Sie habe dabei auch massiv auf seinen Körper eingewirkt.

Weil nicht festgestellt werden konnte, ob der 79-Jährige durch die selbst eingenommenen Schlaftabletten oder erst durch das Einwirken seiner Frau starb, müsse der Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» gelten, sagte Ring. Die 80-Jährige sei daher nur wegen versuchter Tötung auf Verlangen zu verurteilen. Mit seiner Entscheidung folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte kein Strafmass genannt, aber um ein mildes Urteil gebeten.

dapd/oku

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch