«Der Bräutigam verliebte sich vor der Hochzeit in eine andere»

Jane Finger plant jährlich zwölf Hochzeiten. Auf was sie achtet – und was schiefgehen kann.

«Früher dachte ich, dass es diesen Beruf nur im Film gibt»: Weddingplaner Jane Finger in ihrem Geschäft in Münsingen BE. Foto: Christian Pfander

«Früher dachte ich, dass es diesen Beruf nur im Film gibt»: Weddingplaner Jane Finger in ihrem Geschäft in Münsingen BE. Foto: Christian Pfander

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Die eigene Hochzeit ist für viele der wichtigste Tag im Leben. Entsprechend hoch sind die Erwartungen: Ein wunderschönes Kleid, eine harmonische Trauung, ein ausgelassenes Fest – alles muss perfekt sein. So zumindest die Wunschvorstellung. Weil die Planung einer Hochzeit sehr aufwendig und detailreich ist, können sich aber schnell Fehler einschleichen. Und auch wenn der Tag von vorn bis hinten durchorganisiert ist, Unvorhergesehenes passiert fast immer.

Kaum jemand weiss das so gut wie Hochzeitsplanerin Jane Finger. Seit neun Jahren plant sie Hochzeiten, rund zwölf Voll­planungen übernimmt sie jedes Jahr. Zwölf Paare, die sie auf dem Weg von der Grundidee bis zur Abreise in die Flitterwochen begleitet. Für jeden Kunden besitzt Finger einen eigenen Ordner, der grosse Tag wird mittels Drehbuch genau durchgetaktet. «Ich bin eine Perfektionistin», sagt die 40-Jährige.

Ein solches Drehbuch erstellte die Rubigerin bereits vor vierzehn Jahren, als es um ihre eigene Hochzeit ging. «Eigentlich hatten wir tolle Trauzeugen und Brautjungfern, welche die Organisation übernommen hätten – ich konnte aber nicht anders, als trotzdem alles durchzuplanen.»

Regelmässig muss Jane Finger potenzielle Kunden an andere Planer verweisen, weil sie schlicht keine Zeit für alle hat.

Bereits damals bekam sie viele Komplimente für den reibungslosen Ablauf der Feier, viele meinten, die gelernte Krankenschwester wäre eigentlich die perfekte Hochzeitsplanerin. «Damals dachte ich noch, dass es diesen Beruf nur im Film gibt», so Finger. Irgendwann erzählte ihr eine Freundin dann von der AWEE in Zürich, der «Swiss Academy of Wedding & Event Education», wo Finger schliesslich ihr Diplom machte.

Anfangs arbeitete sie nebenbei noch als Krankenschwester, «die Nachfrage bezüglich Hochzeitsplanung war aber so gross, dass ich rasch ganz umsteigen konnte». Vor vier Jahren eröffnete sie zudem ihren Laden in Münsingen, genannt Wedding & Living, wo sie alles verkauft, was man an Dekoration und Unterhaltung für eine Hochzeit braucht.

Vor zwei Jahren kam ein eigener Webshop dazu. Das Bedürfnis nach perfekt geplanten Hochzeiten sei immer noch gross. Regelmässig muss Jane Finger potenzielle Kunden an andere Planer verweisen, weil sie schlicht keine Zeit für alle hat.

Inzwischen weiss Finger genau, worauf es bei der Planung einer Hochzeit ankommt, von der Location über das Programm bis hin zu den Gästen. Zu allem kann sie nützliche Tipps geben – und die eine oder andere lustige Geschichte erzählen.


Die Location

«Der Trend geht in Richtung legere Gartenparty», so Jane Finger. Aber auch die schönste Trauung im Freien kann ihre Nachteile haben, etwa wenn das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht. Einmal hatte sich eines von Fingers Paaren für eine Trauung am Ufer des Thunersees entschieden. Eine wunderschöne Location – wäre da nicht der Wind gewesen. Dieser ergriff mit einem Stoss die auf­geschriebenen Trauversprechen von Braut und Bräutigam und beförderte sie kurzerhand ins Wasser. Jane Finger war es dann, welche die Zettel mit einem langen Stock wieder aus dem Wasser fischte – in langem Kleid und hohen Schuhen notabene.


Das Outfit

Weisse Spitze, langer Schleier, mehrere Schichten Tüll: Das klassische Brautkleid ist immer noch ein wichtiger Bestandteil von vielen Hochzeiten. Wobei, so erklärt Jane Finger: «Die Kleider sind längst nicht mehr nur weiss. Auch Rosé wird gern gesehen.»

Längst heiraten nicht mehr alle Bräute in Weiss. Foto: Getty Images

Es geht aber auch deutlich ausgefallener: Erst letztens übernahm Finger die Teilplanung einer Hochzeit, bei der nicht nur die Gäste, sondern auch Braut und Bräutigam komplett schwarz gekleidet waren. Ein anderes Paar wiederum trat in Jogginghosen vor das Standesamt. Es handelte sich um begeisterte Sportler, verrät Finger: «Für die Feier am Abend zogen aber auch sie etwas Eleganteres an.»


Die Feier

Wie schon bei der Location geht es auch bei der abendlichen Feier vor allem darum, dass diese zum jeweiligen Brautpaar passt. Einige bevorzugen ein gemütliches Essen in kleinerem Kreis, andere bestehen auf einer ausgiebigen Party. Für Letzteres entschied sich auch eines der Paare, die von Jane Finger begleitet wurden – zwei absolute Technobegeisterte.

«Wie es der Zufall wollte, fiel ihre Hochzeit direkt auf denselben Tag wie die Street Parade.» Damit weder das Paar noch deren Gäste auf das Erlebnis verzichten mussten, wurde die Hochzeit am Abend kurzerhand in eine wilde Technoparty verwandelt. «Natürlich erst, nachdem die älteren Gäste sich verabschiedet hatten.»


Das Programm

«Einerseits darf es den Gästen nie langweilig werden», so Jane Finger, «andererseits sollte der Tag auch nicht zu vollgestopft sein.» Deshalb legt sie grossen Wert darauf, dass alle Punkte mit ihr abgesprochen werden. Sonst müsse man sich plötzlich drei Diashows hintereinander ansehen.

Auch Gruppenfotos findet sie schrecklich – diese dauern lange, sind aufwendig und werden im Nachhinein ohnehin kaum betrachtet. Hochzeitsspiele sind für Finger ebenfalls ein rotes Tuch. Wenn sich das Paar unbedingt ein solches wünsche, dann sollte es schon etwas Geschmackvolles und Originelles sein. «Beine abküssen oder Hintern ertasten gibt es bei mir nicht.»


Das Budget

Eine Hochzeit ist teuer. Das wissen auch jene Menschen, die nicht verheiratet sind. Aber wie viel Geld muss man genau einrechnen? Durchschnittlich beträgt das Budget ihrer Paare ungefähr 30'000 Franken, erklärt die Hochzeitsplanerin. «Es geht aber auch mit deutlich weniger» – etwa wenn man sich für ein Grillfest im Freien statt für den Besuch im Restaurant entscheidet.

Und natürlich könne man auch deutlich mehr ausgeben. Die ausgiebigste Hochzeit, die Finger je organisierte, kostete rund 150'000 Franken. «Die Feier dauerte dann aber auch gleich zwei Tage», erzählt sie, «und für die Gäste wurde ein Helikopterrundflug über die Alpen organisiert.»


Die Gäste

Bei einer Hochzeit treffen zwei Familien und somit zwei Lebensweisen aufeinander. Gerade wenn verschiedene Kulturen involviert sind, könne dies zu Problemen führen. Jane Finger erinnert sich an eine Hochzeit, bei der die Hälfte der Braut aus dem afrikanischen Raum stammte und die Trauung etwas abgelegen auf einem Berg stattfand.

Eine Hochzeit kann zum Kulturschock werden: Ob sich alle verstehen, zeigt sich oft erst am grossen Tag. Foto: Getty Images

«Während die Schweizer gewohnt pünktlich erschienen, trafen die Afrikaner viel zu spät ein – und stellten ihre Fahrzeuge einfach auf der Seite der Strasse ab.» Damit der Bauer mit seinem Traktor dennoch passieren konnte, legte Finger selbst Hand an: Die ganze Trauung verbrachte sie damit, Autos umzuparkieren.


Das Zeitmanagement

Mit der Planung der eigenen Hochzeit sollte man möglichst früh beginnen. Denn gerade die beliebten Locations sind meist Monate im Voraus ausgebucht. Wenn Ort und Datum feststehen, kann man mit der Detailplanung beginnen – auch wenn die meisten Paare am liebsten sofort über Tischdekoration und Einladungskarten reden würden.

«Ganz oft kommen Paare mit Bildern aus dem Internet zu mir, wie Torte oder Blumen aussehen sollten. Mit den grossen Fragen haben sie sich aber noch gar nicht beschäftigt.» Um die ganze Hochzeit von vorn bis hinten durchzuplanen, benötigt Jane Finger übrigens ungefähr vierzig Stunden, plus natürlich den Tag der Hochzeit selbst.


Die Details

Sobald man die Grundsätze wie Location, Feier und Anzahl Gäste geklärt hat, kann man sich mit der Detailplanung der Feier beschäf­tigen. Hier wirklich an alles zu denken, ist kein Leichtes – auch Jane Finger musste dafür erst einige Erfahrungen sammeln.

Wie wichtig die kleinen Dinge sind, merkte sie unter anderem auf einer Hochzeit, die sie nicht selbst organisiert hatte. Es war eine Trauung im Freien, für die Gäste wurden Toilettenkabinen aufgestellt. Irgendwann jedoch ging das Toilettenpapier aus. «Das war ziemlich tragisch», so Finger, «denn obwohl die Feier eigentlich sehr schön war, gilt sie jetzt nur noch als die Hochzeit ohne Toilettenpapier.»


Der Alkohol

Ein Glas Champagner zum Anstossen oder eine Flasche Wein zum Essen sind bei einer Hochzeit kaum wegzudenken. Doch zu viel Alkohol kann schnell zum Verhängnis werden, erzählt Jane Finger: «Ich musste auch schon Gäste nach Hause schicken oder Trauzeugen von ihrer Pflicht entbinden, weil sie zu viel ge­trunken hatten.» Aber nicht nur während der Feier sollte man sich mit dem Alkohol zurückhalten, auch vor der Trauung kann ein Glas Wein schlimme Folgen haben. Einmal leerte sich eine Braut vor der Zeremonie ein Glas Rotwein über das Brautkleid – ein kleines Desaster, das die Hochzeitsplanerin zum Glück mit Nadel und Faden lösen konnte.


Der Streit

Eine Hochzeit ist stressig. Da kommt es gern zu Streitereien – entweder während des Fests, beispielsweise zwischen Familienmitgliedern, oder aber auch schon vor der Feier. So betreute Finger auch schon Paare, die sich noch während der Planung voneinander trennten. «Einmal verliebte sich der Bräutigam vor der Hochzeit in eine andere Frau», erzählt Jane Finger, «als er sich dann von der Braut trennte, traf sie dies besonders hart. Selbst war sie nicht mehr imstande, das Fest abzusagen. Also bin ich eingesprungen und habe der ganzen Verwandtschaft eine Mail geschrieben.» Auch das gehöre nun einmal zu den Aufgaben einer Hochzeitsplanerin.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 12.06.2019, 19:33 Uhr

Hochzeitsplanerin Jane Finger. Foto: Christian Pfander

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