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Der Facebook-Frust

Die Benutzer von Facebook stellen ihr eigentlich langweiliges Leben möglichst glamourös und interessant dar. Doch genau das macht die meisten Menschen und besonders Frauen unglücklicher.

Facebook ist das beliebteste soziale Netzwerk, auch in der Schweiz. Millionen von Leuten vertreiben sich die Zeit damit, ihren Alltag mit originellen Meldungen und schönen Bildern interessanter zu machen, als er eigentlich ist. Um dadurch vielleicht bei andern Interesse zu wecken.

Doch wird das Leben durch Facebook wirklich interessanter? Nicht unbedingt. Neue Studien legen den Schluss nahe, dass das soziale Netzwerk seine Benutzer sogar unglücklicher macht, als sie es ohne Facebook wären. Dies geschieht nicht direkt, sondern durch eine Kette sozialer Effekte. Wer nämlich unglücklich ist, aber den Eindruck bekommt, alle anderen um ihn führten ein makellos glückliches Leben, wird dadurch noch unglücklicher. Anderen vorzuspielen, man sei eine interessante, glückliche und gut vernetzte Person, ist aber just der Hauptzweck von Facebook, wo der eigene Cool-Faktor mit markigen Sprüchen, Erfolgsmeldungen und schönen Fotos forciert werden soll.

Ein Teufelskreis

In einem Artikel auf Slate.com macht Libby Copland aufmerksam auf diesen möglichen Zusammenhang. Sie führt dabei verschiedene Studien des psychologischen Instituts der Universität Stanford an. Dort wurde untersucht, für wie glücklich Studenten ihre Mitstudenten halten und welche Wirkung dies auf ihre eigene Laune hatte. Dabei fanden die Forscher heraus, dass die meisten Studenten dazu tendierten, die Gemütsverfassung ihrer Kolleginnen und Kollegen zu überschätzen. Dagegen unterschätzten sie, wie viele negative Erlebnisse ihre Mitmenschen täglich erfahren. Insgesamt hielten die meisten die anderen für glücklicher und erfolgreicher als sich selbst, was ihnen alles andere als gute Laune machte. Je mehr sie die negativen Erlebnisse und Emotionen der anderen unterschätzten, desto mehr neigten die Probanden dazu, sich einsam zu fühlen und an ihren eigenen Problemen herumzukauen.

Obschon die Forscher den Zusammenhang zu Facebook nicht explizit herstellten, scheint der Schluss doch naheliegend, dass diese Mechanismen auch auf die Social-Networking-Site zutreffen. Weil auf Facebook alle nur die Schönwetterversion ihres eigenen Ichs präsentieren und weil das Netzwerk zum konstanten Vergleich mit anderen animiert, fühlen wir uns am Ende nur noch mehr als die hässlichen Versager, für die wir uns ohnehin halten. Oder wie Copland es ausdrückt: «Facebook nützt diese Achillesferse des menschlichen Daseins aus.»

Frauen besonders gefährdet

Nicht nur das Design der Site und die Möglichkeit, Dinge bei anderen zu «liken», ohne die Möglichkeit, etwas «disliken» zu können, führt dazu, möglichst nur das Erfreuliche zu berichten und die unerfreulichen News wegzulassen.

Besonders gefährdet sind dabei Frauen. Nicht nur sind sie auf Facebook stärker vertreten, wie das Magazin «Forbes» vermeldete, sondern sie sind auch aktiver auf der sozialen Plattform. Und während Männer eher News über aktuelle Ereignisse mitteilen, benutzen es Frauen eher zur persönlichen Kommunikation, also um über Freunde und Familie zu berichten. Kommt dazu, dass Netzwerke wie Facebook gerade dadurch, dass sie eine intime Beziehung zu ganz vielen Freunden simulieren, die Menschen letztlich einsamer machen, wie Professorin Sherry Turkle in ihrem Buch «Alone Together» schreibt.

Die vernünftigste Reaktion auf die permanenten Positiv-Meldungen eines Facebooks ist es, sich vor Augen zu halten, dass die Site genau so sehr eine Illusion beschreibt wie die Hochglanzhefte an den Kiosken. Nein, die Menschen sind nicht alle so strahlend, toll und glücklich, wie sie sich auf Facebook geben. Sie sind Verlierer wie die meisten von uns und sie fühlen sich dabei auch nicht besser. Auch wenn es so aussehen mag.

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