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Der Fall ums Chilli's birgt auch Komik

Wer das Rotlichtambiente sexy findet, sollte kapieren, worauf er sich einlässt.

Eine Welt mit eigenen Umgangsformen: Das Milieu (hier im Niederdorf). Foto: Keystone
Eine Welt mit eigenen Umgangsformen: Das Milieu (hier im Niederdorf). Foto: Keystone

Aber ja doch: Es ist nicht in Ordnung, zu betrügen, Kreditkarten zu missbrauchen oder gar jemandem K.-o.-Tropfen zu verabreichen. Das macht man nicht, und das Gesetz verbietet es sowieso. Das ist die Prämisse. Und doch entbehren die Geschichten jener Männer, die im mittlerweile national bekannten Chilli's im Zürcher Bermudadreieck übers Ohr gehauen worden sind, nicht einer gewissen Komik.

Da gehen also Männer nicht in eine gewöhnliche Bar, sondern sie entscheiden sich für eine im Milieu. Sie tun das, weil das Rotlichtviertel einen Hauch von Verruchtheit verströmt, das finden diese Männer sexy. Sie tun das auch, weil sie sich in ihrem mediokren Dasein zwischen Reihenhaussiedlung, Sonntagsbesuchen bei den Schwiegereltern und Pauschalferien auf Gran Canaria dort wieder mal ein wenig wild fühlen dürfen. Weil man für kurze Zeit ein bisschen wer sein kann, so als Mann in einer solchen Bar, denn wo sonst würden ihm Frauen zuhören und sich für ihn interessieren?

Im Milieu kann er sich als richtiger Kerl fühlen, dort sind Männer noch Männer und die Frauen so, wie er sie mag, nämlich anschmiegsam. Es ist nichts dagegen einzuwenden, sein Ego aufpolieren zu wollen. Aber wer in der plüschigen Halbwelt haltmacht, muss schon kapieren, worauf er sich einlässt. Zum einen, dass es die weibliche Bewunderung nicht gratis gibt, wenn da wenig bis nichts vorhanden ist, das sich zum Bewundern eignete. Darum kostet der Champagner so viel.

Und zum anderen, dass es solche Etablissements an sich haben, dass sich dort allerhand lichtscheue Gestalten tummeln, dass dort die Grenze zur Illegalität in diversen Bereichen vermutlich mehr als geritzt wird, dass dort ganz grundsätzlich andere Sitten herrschen. Wer im Milieu verkehren will, also dort, wo es ein wenig halbseiden zugeht und wohin man geht, weil einem genau das gefällt, darf sich über entsprechende, sprich milieuartige Umgangsformen nun wirklich nicht wundern.

Das Mitleid hält sich deshalb, zumindest aus weiblicher Sicht, einigermassen in Grenzen.

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