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Der ganz normale Horror

Man sollte die Angst der Frauen vor sexueller Gewalt ernst nehmen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind schwer betrunken, können kaum mehr gerade gehen. Ein Polizist fragt, ob er helfen kann, begleitet sie nach Hause, und dort vergewaltigt er sie. So geschehen am Wochenende in Florenz: Zwei Carabinieri gabelten in einer Disco zwei betrunkene amerikanische Studentinnen auf, brachten sie nach Hause und missbrauchten sie. Erst vor einer Woche hatte eine Gruppe Migranten am Strand von Rimini eine Frau vor den Augen ihres Freundes vergewaltigt – am Bahnhof Langnau am Albis traf es eine junge Frau; sie wurde von einem abgewiesenen Asylbewerber vergewaltigt.

Jede Frau kennt die Ängste: in einer verlassenen Strasse, einem dunklen Park oder einem einsamen Parkhaus von einem Fremden sexuell genötigt zu werden. Die meiste sexuelle Gewalt geschieht zwar im familiären Umfeld, die nächtliche Angst vor Fremden begleitet uns dennoch immer – sowie die Angst vor einem Partner, der plötzlich, zum Beispiel aufgrund einer Trennungssituation, mit Gewalt oder Tod droht.

Umso wichtiger ist es, das Thema ernst zu nehmen. Zu zeigen, dass viele Frauen sich sowohl im öffentlichen wie auch privaten Raum kaum je wirklich sicher fühlen können. Doch diese Realität scheint einfach zu schmerzhaft.

Als eine bekannte Zürcher Feministin vor kurzem auf Facebook über ihr Wochenende und das Dilemma berichtete, entweder den Spiessrutenlauf durch die entfesselten Langstrassen-Nachtschwärmer antreten oder sich zu einem schmierig lächelnden Taxifahrer ins Taxi setzen zu müssen, erntete sie lange und empörte Diskussionen über ihr Männerbild. Sie behaupte, jeder Mann sei ein potenzieller Vergewaltiger – und jeder Taxifahrer ein schmieriger Typ, hiess es. Vielleicht sollten diese Kritiker einfach mal nachts mit ihrer Freundin am Strand von Rimini spazieren gehen.

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