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Der imperiale Kontinent

Europa erlebt derzeit eine Revolution von oben, in der die bürokratische Elite nicht mehr diskutiert, sondern umsetzt. Beerdigt wird damit das Ideal des demokratischen Streits.

Europa kann nur als Block bestehen: Kroatische Näherin mit EU-Flagge anlässlich des Beitritts von 2013. Foto: Simon Dawson (Bloomberg)
Europa kann nur als Block bestehen: Kroatische Näherin mit EU-Flagge anlässlich des Beitritts von 2013. Foto: Simon Dawson (Bloomberg)

Früher geschahen die grossen Umwälzungen in Lärm und Unordnung. Grenzbefestigungen fielen, Gefängnisse und Geheimdienstzentralen wurden gestürmt. So geschah es Ende des 18. Jahrhunderts, als die Pariser Bevölkerung die Bastille stürmte und wenig später dem französischen König den Kopf vor die Füsse legte. Und so geschah es Ende des 20. Jahrhunderts, als das sowjetische Imperium wie ein böser Traum in sich zusammenfiel. Dem rumänischen Diktatoren-Ehepaar Ceausescu wurde 1989 der Prozess gemacht, ihre von 90 Kugeln durchsiebten Körper wurden zur besten Sendezeit auf allen europäischen Fernsehkanälen präsentiert. «Die europäischen Nationen pflegen ihr Haupt manchmal im Blut der Tyrannen zu baden», sagte mir General Stanculescu, der Organisator der Hinrichtung, als ich zwanzig Jahre später einen Film über die rumänische Revolution drehte.

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