Tipps für Heiratsanträge: Der moderne Mann benutzt Avocado

Auf die Knie fallen reicht nicht mehr. Jetzt muss eine Runzelfrucht her.

Attraktiv um die Hand bitten: Bei Instragram ist derzeit die Avocado-Variante hoch im Kurs. (Foto: Hashtagido/Instagram, Fooddeco/Instragram)

Attraktiv um die Hand bitten: Bei Instragram ist derzeit die Avocado-Variante hoch im Kurs. (Foto: Hashtagido/Instagram, Fooddeco/Instragram)

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Grosse Transparente mit grossen Botschaften ist man sich in Bern normalerweise eher von der Reitschule gewöhnt, dem alternativen Kulturzentrum. Vorigen Sonntag zog für einmal aber ein anderes Transparent die Blicke auf sich. «Vera, wosch mi hürote?» stand in schwarzen Lettern auf einem 22 Meter langen weissen Stoffbanner, das an der Kirchenfeldbrücke unweit des Bundeshauses befestigt war.

Ein ehewilliger Mann hatte es dort aufhängen lassen, um seine langjährige Freundin auf diese Weise um ihre Hand zu bitten. Der Aufwand hat sich gelohnt: «Vera hat Ja gesagt!», sagte der Mann zur «Berner Zeitung».

Mit «einfach mal so auf die Knie fallen» ist es für viele nicht getan. Spektakulär muss der Antrag sein oder zumindest originell, aber vor allem romantisch. Den richtigen Weg zu finden, ist aber nicht ganz leicht. Ausgefallene Heiratsanträge können beeindruckend sein, sie gehen aber auch beeindruckend oft schief, wie ein kleiner Überblick zeigt.

Auf zu grosser Bühne

Tipp Nummer eins für kreative Heiratswillige: Meiden Sie Überrumpelungsversuche in der Öffentlichkeit. Wer schon mal in einem vollen Fussballstadion sass, weiss, was damit gemeint ist. Da denkt sich (meist) Frau, es wäre doch superromantisch, während der Halbzeitpause auf das Feld zu laufen und ihrem Liebsten (der sich bislang beim Thema Heiraten eher zurückgehalten hat und sich mit seinen Kumpels auf der Tribüne gerade eine Wurst und Bier holen wollte) via Speaker-Mikrofon einen Antrag zu machen. Aus superromantisch wird da schnell superpeinlich.

Es geht aber auch umgekehrt, wie der ehemalige brasilianische Fussballweltmeister Leonardo beweist. 2013, als er Sportdirektor bei Paris Saint-Germain war, freute er sich dermassen darüber, dass seinem Verein in der Champions League der FC Barcelona zugelost wurde, dass er seine Freundin, die TV-Moderatorin Anna Billò, bei einer Live-Schaltung mit einem Live-Antrag überraschte. «Weil wir Barcelona gezogen haben, lass uns heiraten», sagte Leonardo im Überschwang der Gefühle. «Lass uns zu Hause darüber sprechen», antwortete sie. Paris flog gegen Barcelona raus, aber aus der Hochzeit wurde später doch was.

Wo ist der Ring? Heiratsantrag mit Panne. Quelle: Youtube

Heiratsanträge im Stadion haben vor allem in den USA Tradition. Bei einem Baseballspiel der New York Yankees 2016 sorgten die schwitzigen Hände eines nervösen Bräutigams für Aufregung. In einer Spielpause wollte er seinem Darling den Ring anstecken, in Grossaufnahme zu sehen auf dem Videowürfel. Doch das Ding flutschte ihm davon. Fünf Minuten lang suchten das Paar und diverse Sitznachbarn den Boden ab, ehe die Freundin den Ring in ihrem umgeschlagenen Hosenbein fand. 35'161 Zuschauer johlten.

Dachschaden

Der zweite Rat an kreative Heiratswillige: Bitte das Hochgefühl der Liebe nicht allzu wörtlich nehmen! Je hochtrabender die Pläne, desto grösser der potenzielle Absturz. Wie bei jenem Mann im niederländischen Ijsselstein, der 2014 einen Kran mietete, um sich vor dem Fenster seiner Freundin abzuseilen. Doch er landete nicht im Herzen seiner Angebeteten, sondern im Dach des Nachbarhauses, weil der Kran umkippte. Bilanz: ein Dachschaden – und ein Ja.

Yes, I Avoca-do

Der aktuelle Trend ist, den Verlobungsring in einer Avocado zu verstecken, zumindest bei Verliebten, die ihr Verliebtsein über Instagram mit der Welt teilen. Eine Reihe von Fotos zeigt Herren auf Knien, wie sie ihrer Herzensdame statt eines Schmuckdöschens eine runzelige Frucht entgegenstrecken.

Der neuste Social-Media-Schrei: Antrag mit Avocado. Quelle: Instagram

Eine britische Supermarktkette etikettiert gleichmässige Avocados neuerdings sogar als «perfect for proposal». Bei alldem stellen sich zwei Fragen: Ist es romantisch, wenn man den Ring vor dem Anstecken von grünem Matsch befreien muss? Und: Wann kommt die erste Meldung, dass eine Ehefrau in spe versehentlich den Klunker verschluckt hat?

Jein zum Rüebli

Eine Sonderform des öffentlichen Antrags ist der Flashmob, eine Art Gruppenaufführung zur Betörung des oder der Umworbenen. Der Designer Marc Jacobs umrahmte im April die Verlobung mit seinem Freund Charly Defrancesco in einem New Yorker Fast-Food-Lokal mit einem Massentanz zum Prince-Song «Kiss» erfolgreich.

Marc Jacobs geht beim Flashmob auf die Knie. Quelle: Youtube

Eher peinlich berührt reagierte 2011 die Freundin eines Finanzangestellten in Qingdao, China, der sich gemeinsam mit 48 Freunden als Rüebli verkleidete und auf einem Platz im Zentrum herumhopste. Ein Ja gab es trotzdem, aber ein widerwilliges.

Jein zum Rüebli: Heiratsantrag in China. Quelle: Youtube

Up and away

Auch ein Heliumballon hat seine Tücken. Ein Parkettleger aus London steckte im Jahr 2008 den Diamantring für seine Zukünftige in einen Ballon in Herzform, doch der Wind trug ihn davon. Zwei Stunden verfolgte er ihn mit dem Auto, bis er aufgab. Seine Freundin soll wochenlang nicht mit ihm gesprochen haben.

Vermeintlich schlauer war da ein 26-Jähriger aus Niederbayern. Er liess einen Wetterballon starten, an dem ein Verlobungsring und eine Kamera befestigt waren. Die Kamera funkte Bilder, sodass man erahnen konnte, wo der Ballon entlangflog. Der Mann und seine Freundin verfolgten ihn wie bei einer Schnitzeljagd, doch als sie ihn in 70 Kilometer Entfernung am Boden fanden, war der Ring gestohlen, ohne dass die Kamera den Dieb aufgezeichnet hätte.

Liebe geht durch den Magen

Hier, neben der Vermeidung von Öffentlichkeit und Höhe, noch ein dritter Ratschlag: Verlobungsringe und Nahrungsmittel sind eine heikle Kombination. Ein verliebter New Yorker führte seine Freundin für den grossen Moment in ein Fast-Food-Restaurant aus und versenkte den Ring, als sie kurz mal musste, in einem halb gefrorenen Milchshake. Man kann ahnen, was passierte: Das Verlobungsfoto der beiden ist ein Röntgenbild. Ähnlich und doch anders erging es einem Chinesen aus Chongqing. Er fasste sich ein Herz und bat seine Freundin, ihn zu heiraten, obwohl sie sich erst zwei Monate kannten. Sie lehnte ab. Da spülte er seinen Kummer mit Schnaps herunter und den Ring gleich mit. Auch sein Tag endete im Spital.

Zum Vergessen

Alkohol ist bei der Einfädelung der Ehe generell kein guter Begleiter, wie diese Anekdote aus der deutschen Stadt Münster beweist: Dort machte 2016 eine kuriose Zeitungsanzeige die Runde. Darin suchte ein Mann Zeugen, die ihn und seine Freundin «am 24. September um 4.30 Uhr an der Ecke Friedrich-Ebert-Strasse/Annenstrasse» gesehen haben. Genau da habe er ihr einen Heiratsantrag gemacht. Weil er aber betrunken gewesen sei, wisse er nicht mehr, wie sie reagiert habe. «Und jetzt hüllt sie sich in Schweigen.»

Mitarbeit: Denise Jeitziner

(Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 08.06.2018, 20:41 Uhr

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