Der Verlust ist zu verkraften

Dass Meitlibei in Basel neu Glücksbringer heissen, sorgt für Kritik – zu Unrecht.

Basel hat ein Problem weniger. Oder auch nicht. Jedenfalls heissen Meitlibei jetzt nicht mehr so. Aussicht auf die Stadt am Rhein. Foto: Nicole Pont

Basel hat ein Problem weniger. Oder auch nicht. Jedenfalls heissen Meitlibei jetzt nicht mehr so. Aussicht auf die Stadt am Rhein. Foto: Nicole Pont

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es tönt wie der jüngste Auswuchs einer politischen Korrektheit: Meitlibei, das zu einem Bogen geformte Nussgebäck, wird umbenannt. Neu soll es in den 26 Filialen des Basler Grossbäckers Sutter Glücksbringer heissen. Das meldete das «Regionaljournal Basel» vergangene Woche. Doch die Basler haben ihre Rechnung ohne den gemeinen Wutbürger gemacht. Kaum war die Umbenennung öffentlich geworden, regte sich Unmut in den Kommentarspalten. Vehement beklagen verschiedene Exemplare genannter Spezies diesen sprachlichen Eingriff am Nussgebäck, ohne Zweifel ein weiterer Vorbote für den Untergang des Abendlandes, könnte man meinen.

Doch das ist ein Missverständnis. Die Meitlibei sind nicht einer feministischen Verschwörung zum Opfer gefallen, die linguistische Sexismen im Bäckereiwesen ausmerzen will. Nein, das Verkaufspersonal habe sich selbst gewehrt, sagte Sutter-Geschäftsführerin Katharina Barmettler. Die Frauen hinter der Theke hätten ganz einfach genug gehabt von dummen Sprüchen über «Meitlibei».

Das säuerliche Lächeln einer Verkäuferin, wenn wieder mal ein besonders origineller Kunde einen Zusammenhang herstellt zwischen dem Nussgebäck und ihren Beinen, kann man sich lebhaft vorstellen. Aber das Freudeli der Witzbolde an ihren Sprüchen wird auch nicht so gigantisch gewesen sein, dass man von einem grossen Verlust sprechen müsste. Zumal jedem freisteht, sein Gebäck so zu nennen, wie es ihm beliebt.

Und wer sich auf den Standpunkt stellt, Verkäuferinnen hätten nun mal Kundenkontakt und müssten so etwas im Zweifelsfall halt aushalten, dem möchte man entgegnen, dass die Kunden selbst schuld sind. Und sie es deshalb nun aushalten müssen, wenn ihnen statt Meitlibei neu Glücksbringer verkauft werden. Zumindest hat die Umbenennung ihnen so ein Gesprächsthema für den nächsten Besuch beim Beck geliefert. Und zwar eines, bei dem sich die Verkäuferin nicht vor Fremdscham krümmen muss.

Erstellt: 08.10.2019, 22:13 Uhr

Artikel zum Thema

«Ich war nie für politische Korrektheit»

Interview Die wichtigste Feministin der Gegenwart im Interview – über fast alles. Mehr...

Verteidigung der Missionarsstellung

Kommentar Seit Jahren wird bei der NZZ der immer gleiche Artikel gegen politische Korrektheit geschrieben. Was dahintersteckt. Mehr...

Die politische Korrektheit wird ins Groteske getrieben

Analyse Zu wenig lesbisch, zu schwul: Es mehren sich Forderungen, dass nur Minderheiten in Filmen Minderheiten spielen dürfen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...