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Desperate auf Diät

Die Kehrseite des Cougar-Trends: Immer mehr Frauen über vierzig erkranken an vormaligen Pubertätsleiden: Essstörungen wie Bulimie und Magersucht.

«Der medial geschaffene Druck, dünn und attraktiv zu sein, hat auf Frauen im Alter zwischen 35 und 55 massiv zugenommen»: Die an Magersucht erkrankte Suzy Amis (links), Ex-Model und Gattin von «Titanic»-Regisseur James Cameron; «Desperate Housewives»-Stars Marcia Cross (Mitte) und Teri Hatcher.
«Der medial geschaffene Druck, dünn und attraktiv zu sein, hat auf Frauen im Alter zwischen 35 und 55 massiv zugenommen»: Die an Magersucht erkrankte Suzy Amis (links), Ex-Model und Gattin von «Titanic»-Regisseur James Cameron; «Desperate Housewives»-Stars Marcia Cross (Mitte) und Teri Hatcher.

Es ist noch nicht lange her, da feierten die Medien den sogenannten Cougar-Trend, also das Phänomen, dass Frauen über vierzig in der öffentlichen Wahrnehmung plötzlich als attraktiv und begehrenswert gelten, als sexy und selbstbewusst. Aufs Schönste verkörpern diese Entwicklung die Darstellerinnen der US-TV-Serie «Desperate Housewives»: Im reiferen Alter – Teri Hatcher zum Beispiel ist mittlerweile 48 – erlangten sie den Status von Sexsymbolen. (Lesen Sie auch: «Cougars, Milfs und die Sex-Falle»)

Schön für Stars wie Hatcher – aber offenbar ein Problem für immer mehr gleichaltrige Frauen. Experten warnen neuerdings vor dem «Desperate Housewives Syndrome», wie sie es nennen, und gemeint ist: die fatale Entwicklung, dass immer mehr Frauen über 40 an Magersucht oder Bulimie leiden. In einem Alter, in dem sich Frauen früher langsam auf ihre Grossmutterpflichten vorbereiteten, sind sie getrieben vom krankmachenden Wunsch, ebenfalls so sexy auszusehen wie die «Desperate Housewives»-Stars, so dünn zu sein wie Angelina Jolie (37), so frei von jeglichem Körperfett wie Madonna (52).

Ärzte und Psychologen stellen übereinstimmend fest, «dass der medial geschaffene Druck, dünn und attraktiv zu sein, auf Frauen im Alter zwischen 35 und 55 massiv zugenommen hat», wie es die australische Professorin und Body-Image-Expertin Marika Tiggemann formuliert. (Lesen Sie auch: «Halbnackte Wahrheiten»)

«Epidemische Zunahme»?

Psychologen sprechen bereits davon, dass «falsche Körperwahrnehmung und Essstörungen epidemisch» zunähmen bei Frauen über vierzig, so die kanadische Psychologin Margo Maine, Co-Autorin eines einschlägigen Werkes mit dem Titel «The Body Myth: Adult Women and the Pressure to Be Perfect». (Lesen Sie auch: «Die Ästhetik des Widerstandes») Bereits jede fünfte wegen Essstörungen behandelte Patientin sei über vierzig, warnt Maine. Und die irische Ärztin und international renommierte Spezialistin für Essstörungen, Suzanne Horgan, forderte unlängst in einem Interview, auf Magersucht spezialisierte Kliniken müssten möglichst schnell neue Therapieprogramme entwickeln – für Frauen ab 40.

Wie kann das sein? Magersüchtig, so der bisherige Konsens, sind doch nur junge Mädchen. Das war einmal, sagt auch Martina de Zwaan, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. In einem aktuellen Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» führt die Expertin aus: «Es gibt viele Magersüchtige, die vierzig, fünfzig sind und es gibt sicher auch welche, die sechzig sind.» Auch De Zwaan setzt dies in Zusammenhang mit der neuen Lebensrealität der reiferen Frau: «Früher hat man mit fünfzig ausgesehen wie eine Oma. Heute leben wir länger, bleiben länger fit und wollen Jugendlichkeit bis ins Altern.» Auch um den Preis der Gesundheit.

Früher Grossmutter, heute Size-Zero-Trägerinnen

Tatsächlich liessen auch die «Desperate Housewives»-Darstellerinnen selbst schon durchblicken, dass ihre Nahrungsaufnahme etwas sonderbar ist. Marcia Cross etwa sagte wiederholt in Interviews, sie sei ständig am Hungern – nur so könne sie ihre Figur halten: «Als Schauspielerin werde ich dafür bezahlt, dass ich nicht esse – und so gut aussehe.» Und Kollegin Teri Hatcher, auch sie so ein Size-Zero-Star, dementiert präventiv alle paar Monate, dass sie an einer Essstörung leide, sondern nur viel Sport treibe.

Es sieht so aus, als ob die Generation der Cougar-Frauen einen hohen Preis zahlt für ihre Popularität, für ihre vermeintliche Emanzipation. Sie sind nun sichtbar auf allen Kanälen oder schmücken sich mit Jahrzehnte jüngeren Partnern – allerdings nur, wenn sie sich dem Schönheitsdiktat unterwerfen, das von ein paar hungerleidenden Idealfiguren vorgegeben wird. (Lesen Sie dazu auch: «Die Geburt des Botox-Feminismus») Ja, ältere Frauen liegen durchaus im Trend – sofern man ihnen ihr Alter nicht ansieht. Wer diesen Ansprüchen nicht genügt und Pech hat, der muss sich «Desperate Housewives» allenfalls in der Ernährungsklinik ansehen.

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