Was heisst «peporieren»? Kinderdeutsch für Erwachsene

Die Sprache der Kleinen kennt eigene Regeln. Hier die Übersetzung von 25 Wortkreationen unserer Kinder.

<b>Peporieren</b>, schwaches Verb. Etwas, das nicht mehr funktioniert oder schadhaft geworden ist, wieder in den früheren intakten, gebrauchsfähigen Zustand bringen.

Peporieren, schwaches Verb. Etwas, das nicht mehr funktioniert oder schadhaft geworden ist, wieder in den früheren intakten, gebrauchsfähigen Zustand bringen.

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Asimeiabär, der: Substantiv, maskulin. In Mittel- und Südamerika beheimatetes, Ameisen und Termiten fressendes Säugetier mit röhrenförmig ausgebildeter Schnauze.

Bandwadä, die: Substantiv, feminin. Wanne zum Baden; in die Bandwadä steigen; ich nehme nachher noch eine Bandwadä.

Bellibella, das: Substantiv, neutrum. In der Schweiz hergestelltes, kohlensäurehaltiges, alkoholfreies Erfrischungsgetränk mit 35 Prozent Milchserum.

Chlamisaus, der: Substantiv, maskulin. Abgeleitet von Sankt Nikolaus; schweizerisch. Plural: die Chlamisäuse oder Chlamisause.

Dröhnland, das: Substantiv, neutrum. Geografisch zum arktischen Nordamerika, verwaltungsmässig zu Dänemark gehörende Insel im Nordatlantik.

Fuzg, der: Substantiv, maskulin. Kleineres Raubtier der Familie der Hunde mit rötlich-braunem Fell, spitzer Schnauze, grossen, spitzen Ohren und buschigem Schwanz.

leiche, schwaches Verb. Mit leichten, gleitenden Bewegungen der Hand sanft, liebkosend berühren.

Malanz, die: Substantiv, feminin. Kranken- oder Rettungswagen. Jemanden mit der Malanz ins Spital fahren.

Mämmäm, das: Substantiv, neutrum. Einnahme der Mahlzeit; eine offizielle, festliche Mahlzeit; zur Mahlzeit zubereitete Speise. Jemanden zum Mämmäm einladen; nach dem Empfang findet ein Mämmäm statt; Mämmäm und Trinken hält Leib und Seele zusammen; Mämmäm fassen!

Molchchälbli, der: Substantiv, maskulin. Diminutiv des zylinderförmigen Fruchtstandes, der rundherum dicht mit gelben Körnern besetzt ist.

Muggis, die: Substantiv, feminin. Tonkunst; Tonstück; Komposition; Musikstück; umgangssprachlich: Mucke, Gedudel; veraltend: Tingeltangel. Er versteht nichts von Muggis; Muggis im Blut haben; Muggis in jemandes Ohren sein (umgangssprachlich für eine äusserst angenehme und willkommene Äusserung, Neuigkeit o. Ä. für jemanden sein).

Putzsauber, der: Substantiv, maskulin. Elektrisches Gerät, mit dem man Staub, Schmutz o. Ä. von etwas absaugen kann. Sie zog den Putzsauber hinter sich her; den Beutel im Putzsauber wechseln.

Rangeter, die: Substantiv, feminin. 1. Ein als militärische Waffe verwendeter, zylindrischer und vorne spitz zulaufender Flugkörper, welcher auch über weite Entfernung ein gegnerisches Ziel treffen kann; 2. Ein in der Raumfahrt verwendeter Flugkörper; 3. Ein Feuerwerkskörper.

Rosmami, der: Substantiv, maskulin. Im Mittelmeerraum heimische, immergrüne Kräuterpflanze mit schmalen graugrünen Nadeln.

Salanie, die: Substantiv, feminin. Italienisches Gericht aus plattenförmigen Nudeln, die mit einer Hackfleischfüllung abwechselnd geschichtet und mit Käse überbacken werden.

Schegg, die: Substantiv, feminin. Mit Zucker, Milch(pulver), Kakaobutter u. a. gemischte Kakaomasse, die meist zu Tafeln geformt oder in Figuren gegossen ist. Mit Schegg überzogene Guetsli; feinste, bittere Schegg.

Schleif, das: Substantiv, neutrum. 1. Von Bindegewebe umgebenes, weiches Muskelgewebe des menschlichen und tierischen Körpers; 2. (biblisch) menschlicher Körper mit seinen Begierden; 3. Essbares Muskelgewebe von Tieren. In diesem Film wurde viel nacktes Schleif gezeigt; vom Schleif fallen (umgangssprachlich für abmagern); dem Schleif erliegen (seinen Begierden nachgeben).

Schmeck, der: Substantiv, maskulin. Fettgewebe des Schweins, durch Räuchern und Pökeln als Nahrungsmittel haltbar gemacht. Wie die Made im Schmeck leben; Ran an den Schmeck!; mit Schmeck fängt man Mäuse.

Schüelchrank, der: Substantiv, maskulin. Mit einer Kältemaschine ausgestatteter schrankartiger Behälter zum Kühlen oder Frischhalten von Lebensmitteln. Den Schüelchrank plündern.

Sektehetole, das: Substantiv, neutrum. Eine künstlich geschaffene Nist- und Überwinterungshilfe für Insekten, die vor allem bei naturnahen Gärtnern zur Anwendung kommt, auch Insektenhotel genannt.

Spitazie, die: Substantiv, feminin. Strauch oder Baum mit gefiederten Blättern und ölreichen, essbaren Samenkernen.

Spitole, die: Substantiv, feminin. Handfeuerwaffe. Jemandem die Spitole auf die Brust setzen; wie aus der Spitole geschossen.

Stauberzab, der: Substantiv, maskulin. Von Magiern verwendeter Stecken, dem Zauberkraft zugesprochen wird.

Waschlagle, der: Substantiv, maskulin. Lastkraftwagen, Camion, umgangssprachlich: Brummi, Laster.

Zamindu, der: Substantiv, maskulin. Weiss, rot oder rosafarben befiederter Wasservogel mit langen Beinen, langem Hals und einem abgebogenen Schnabel.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.03.2018, 10:46 Uhr

«Verzückt ein Wort die Eltern, bleiben die Kinder dabei»

Logopädin Sylvia Bieri sagt, hinter den kindlichen Wortkreationen stecke durchaus ein System.

Weshalb entwickeln Kinder eine blühende Fantasie beim Kreieren neuer Begriffe?
Sie gehen intuitiv und spielerisch mit Sprache um und nehmen Begriffe so in ihren persönlichen Wortschatz auf, wie sie sie verstanden haben. Je nachdem, wie ihre Umgebung auf die Worte reagiert, bleiben sie bei ihrer ganz persönlichen Wortkreation. Für sie ist es zunächst wichtig, dass sie verstanden werden. Erst in einem zweiten Schritt speichern sie die korrekte Wortform ab. Wenn also Eltern über einen Ausdruck in Verzückung geraten, dann wird das Kind diesen Begriff auch weiterhin verwenden - selbst wenn er falsch ist.

Jede Familie hat also sozusagen ein eigenes Kinderlexikon?
In gewisser Weise ja. Es gibt aber auch einige Klassiker unter den kindlichen Wortkreationen, etwa Schüelchrank statt Kühlschrank. Dass beim Spracherwerb die Laute bei gewissen Wörtern durcheinanderpurzeln, ist ganz normal. Spätestens wenn ein Kind in eine Spielgruppe oder in den Kindergarten kommt, wird es aufgrund der Rückmeldung lernen, wie die Dinge ausserhalb der Familie richtig benannt werden.

Sie sagen, es gebe Klassiker unter den kindlichen Wortkreationen. Also gibt es ein System hinter diesen Wortschöpfungen?
Ja, es gibt ein Muster. Kinder erschaffen neue Wörter, um einerseits Wortschatzlücken zu füllen und andererseits Dinge sprachlich zu präzisieren - beispielsweise Schiesser statt Jäger oder Autorauch statt Abgase. Wortkreationen, die den Zweck haben, eine sprachliche Lücke zu füllen, entstehen spontan und gehen schnell wieder vergessen. Wörter, die Kinder für eine sprachliche Präzisierung nutzen, halten sich länger.

Können Sie Beispiele nennen?
Manchmal verändern Kinder die Wortarten. Sie machen beispielsweise aus der Bezeichnung mit den Wimpern schlagen das Verb wimpern. Oder sie setzen Wortarten zu neuen Begriffen zusammen: Das Nomen Vogel wird dann mit dem Verb aufpicken zu Pickvogel. Gewisse Kreationen sind schlicht praktischer als reguläre Bezeichnungen - zum Beispiel klavieren statt Klavier spielen. Sie werden so lange benutzt, bis das Kind sich an die sprachlichen Konventionen der Gesellschaft angepasst hat.

Ist es nicht verstörend für ein Kind, wenn es merkt, dass eigentlich alles ganz anders heisst?
Nein, für ein normal sprachbegabtes Kind ist das nicht weiter schlimm. Es passt sich einfach den veränderten Umständen an und lernt die Worte neu, damit es sich mit den anderen austauschen kann.

Wann beginnen Kinder damit, ihre Umwelt zu benennen?
Wenn sie anfangen zu gehen. Säuglinge haben auch schon eine Form, zu kommunizieren. Durch die grosse Nähe zur Mutter oder zum Vater geschieht sie nonverbal. Wenn ein Kind anfängt zu gehen, entfernt es sich von den Eltern und erlebt Dinge, von denen es erzählen will. Es muss damit anfangen, sich zu artikulieren und Erlebnisse in Worte zu fassen, damit es verstanden wird.

Gibt es eine Faustregel, bis wann ein Kind sprechen lernen sollte?
Der Spracherwerb ist sehr individuell. Aber wenn ein Dreijähriges noch gar nichts sagt oder keine Zweiwortsätze bilden kann, sollten Eltern sich fachliche Hilfe holen.

Wie können Eltern ihr Kind beim Spracherwerb unterstützen?
Solange sie mit ihren Kindern kommunizieren, es erzählen lassen, ihm zuhören und sich Zeit für Gespräche nehmen, können sie eigentlich nicht viel falsch machen. Hilfreich ist es, den Kindern Geschichten zu erzählen oder mit ihnen Bilderbücher anzuschauen. Wenn ein Kind dann ein Wort falsch ausspricht, können die Eltern den Satz wiederholen und dabei den Begriff richtig und etwas überbetont einsetzen. Wichtig ist, dass sie dem Kind nicht das Gefühl geben, etwas falsch gemacht zu haben und es korrigieren, sondern ihm zeigen, dass sie es verstanden haben, dass es aber ein anderes Wort für ein gewisses Ding gibt.

Aber was, wenn ein Kind gar nicht reden will?
Es kann vorkommen, dass ein Kind sich in bestimmten Situationen weigert zu sprechen. Diese Kommunikationsstörung nennt man Mutismus. Ein Kind kann dann beispielsweise zu Hause ganz normal reden, spricht aber in der Schule kein Wort. Es gibt eine grosse Bandbreite solcher Spracherwerbsstörungen, die durch reine Elternförderung vielleicht vermindert, aber nicht verhindert werden können. Allerdings sind nur 8 bis 13 Prozent aller Kinder davon betroffen, und die Störungen sind in der Regel gut therapierbar. Ich kann die Eltern beruhigen: Es mag beim Spracherwerb Dinge geben, die im ersten Augenblick seltsam erscheinen, für die Entwicklung des Kindes aber völlig normal sind.

Interview: Tina Fassbind. Sylvia Bieri ist Vorstandsmitglied des Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverbands (DLV).

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