Zum Hauptinhalt springen

Die erfolgreichste Miss-Wirtschaft der Welt

In Venezuela überlässt man in Sachen Schönheit nichts dem Zufall. Denn bei Miss-Wahlen geht es nicht nur ums Prestige, sondern vor allem ums Geschäft.

Dayana Mendoza wurde Miss Universe 2008 – und hat damit geschafft, wovon unzählige Frauen in ihrer Heimat Venezuela träumen...
Dayana Mendoza wurde Miss Universe 2008 – und hat damit geschafft, wovon unzählige Frauen in ihrer Heimat Venezuela träumen...
Keystone
...sie konnte sie gleich zwei Krönchen aufsetzen lassen: Das der Miss Venezuela und jenes der Miss Universe. Sie ist aber nicht die erste ihres Landes, der diese Ehre zuteil wurde – kein anderes Land hat gesamthaft soviele internationale Schönheitskonkurrenzen gewonnen wie Venezuela.
...sie konnte sie gleich zwei Krönchen aufsetzen lassen: Das der Miss Venezuela und jenes der Miss Universe. Sie ist aber nicht die erste ihres Landes, der diese Ehre zuteil wurde – kein anderes Land hat gesamthaft soviele internationale Schönheitskonkurrenzen gewonnen wie Venezuela.
Keystone
Hier die gesamte Auswahl am Miss-Anwärterinnen aus dem Jahre 2003.
Hier die gesamte Auswahl am Miss-Anwärterinnen aus dem Jahre 2003.
Keystone
1 / 7

In der Schweiz gibt es jedes Jahr aufs neue Diskussionen darüber, ob nun an unseren Miss-Kandidatinnen auch alles echt sei und falls nicht, ob es dann okay ist, wenn eine junge Frau Miss Schweiz werden will. In Venezuela hat man für solche Überlegungen nur ein müdes Lächeln übrig. Dass sich eine junge Frau zurechtschneiden lässt, um Beauty-Queen zu werden, ist dort nicht nur akzeptiert, sondern erwünscht.

Grösse ist Alles

Nebst dem Öl sind schöne Frauen die bekannteste natürliche – manchmal auch nicht ganz so natürliche – Ressource des südamerikanischen Landes. Osmel Sousa hat eine Schule für Schönheitskonkurrentinnen und viele Erfolge vorzuweisen: Sieben Miss World und Miss Universe Titel gehen auf sein Konto. Venezuela hat gesamthaft mehr internationale Schönheits-Titel erreicht als irgendein anderes Land dieser Welt. Sousas Geheimrezept ist die Grösse der Frauen, wie man in einem Artikel des Guardian lesen kann: «Alles andere kann weggenommen oder hinzugefügt werden.»

Schönheitskonkurrenzen bedeuten in Venezuela das, was in anderen Ländern der Sport darstellt: Gute Ergebnisse bei internationalen Beauty-Wettbewerben machen die Nation stolz. Doch nicht nur das: Sie sind auch Geldquelle. Der «Guardian» schreibt, dass sich nicht einmal der venezolanische Präsident Hugo Chavez traue, die Wahlen zu kritisieren. Chavez, der sein Land eigentlich weg vom Materialismus und mehr hin zum Sozialismus führen will, bemängelte öfters, dass sich in seinem Land 15-Jährige zum Geburstag Silikon-Brüste wünschen. In diesem Juli gratulierte er aber trotzdem der 22-jährigen Dayana Mendoza, die den Miss Universe-Titel zum ersten Mal nach zwölf Jahren wieder nach Venezuela holte.

Zweitplatzierte unerwünscht

Chavez ist sich bestimmt bewusst: Die lokale Kleider- und Make-Up-Industrie, sowie die Schönheitschirurgie, profitiert enorm vom Schönheitswahn der Venezolanerinnen. Für die Fernsehgesellschaft Cisneros Group, die die Schönheitswettbewerbe veranstaltet, sind der eigene Schönheitswettbewerb Haupt-Rekrutierungsorte für ihre neuen Soap-Stars und Nachrichtensprecherinnen. Damit die Missen auch solche Aufgaben bewältigen können und bestenfalls zu TV-Persönlichkeiten werden, geht es in den Schönheits-Schulen nicht nur um das Aussehen und die Wahl des richtigen Kleides. Die Schülerinnen schleifen ihre Ausdrucksweise, ihr Auftreten, sie haben Knigge-Unterricht, Lektionen über Gesundheit und Fitness. Und sie lernen, über welche Themen sie sprechen sollen – und welche sie besser vermeiden. «Wenn jemand über Politik spricht, rate ich meinen Schülerinnen, das Thema zu wechseln», sagt Osmel Sousa. Und die nächste Bastion an Über-Schönheiten steht bereit: «Wir haben sie gut trainiert und wir haben sie zum Gewinnen trainiert», sagt Osmel Sousa über die Kandidatinnen, welche nächste Woche zur Miss Venezuela Wahl antreten, «wir wollen keine Zweitplatzierten».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch