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Die falsche Scham

Der französische Soziologe Didier Eribon legt eine faszinierende, vielschichtige Autobiografie vor. «Rückkehr nach Reims» schildert sein Coming-out.

Belastende Herkunft: Der Autor stammt aus ärmlichen Verhältnissen in Reims. Foto: Topic Media
Belastende Herkunft: Der Autor stammt aus ärmlichen Verhältnissen in Reims. Foto: Topic Media

Das Motto für sein Leben fand Didier Eribon bei Jean-Paul Sartre. In «Saint Genet» formuliert der Philosoph eine Weisheit, die den jungen Mann in seinem Willen bestärkte, die bleierne Schwere der provinziellen Herkunft ein für allemal hinter sich zu lassen: «Es kommt nicht darauf an, was man aus uns gemacht hat, sondern darauf, was wir aus dem machen, was man aus uns gemacht hat.» Das Schicksal in die eigenen Hände nehmen und nicht darüber lamentieren, ja, in dieser Befreiungsgeste gar so etwas wie den Sinn des Lebens erkennen – das ist es, was Didier Eribon in seinem Rückblick als das entscheidende Prinzip ausmacht. Das Buch «Rückkehr nach Reims», das im Original bereits 2009 erschienen ist, bringt diese Bewegung weg von der fremdbestimmten Vergangenheit und hin zu einer selbstbestimmten Zukunft so prägnant und präzise wie keine andere Autobiografie der letzten Jahre zur Darstellung.

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