Die Frau, die Männer Müll nennt

Wie die Journalistin Sibel Schick eine Diskussion über #MenAreTrash auslöste – allerdings unfreiwillig.

«Kämpft wie ein Mädchen»: Demonstranten in Bilbao, Spanien, am internationalen Frauentag. (8. März 2018)

«Kämpft wie ein Mädchen»: Demonstranten in Bilbao, Spanien, am internationalen Frauentag. (8. März 2018) Bild: Vincent West/Reuters

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Sibel Schick macht keinen Hehl daraus, dass sie gerne provoziert. Es mache ihr Spass, sexistische Männer auf Twitter zu belästigen, schreibt die deutsche Journalistin und Feministin auf ihrem Blog. Nun hat sie mit einem Satz eine Diskussion darüber ausgelöst, ob man Männer als Müll bezeichnen darf – allerdings eher unfreiwillig. Ende Juli twitterte die 34-Jährige: «Es ist ein strukturelles Problem, dass Männer Arschlöcher sind.»

Die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth kritisierte sie für die Pauschalisierung, verbreitete den Satz aber gleichzeitig weiter. Schick antwortete darauf mit einem Gedicht im feministischen «Missy Magazin», für das sie regelmässig schreibt:

Dort schreibt Schick: «Du sagst: ‹Nicht alle Männer sind gleich.› Ich sage: ‹Ist das nicht irrelevant vielleicht?› Denn es ist ein strukturelles Problem, und ja, es ist kein individuelles Problem, und nein, es geht nicht um Ausnahmen, denn es ist ein weltweites Phänomen, dass Männer Arschlöcher sind.»

Dann kamen die Hasskommentare

Auf Twitter begannen Nutzer nun mit Verweis auf Schicks Tweet den Hashtag «MenAreTrash» zu verbreiten, der daraufhin im deutschsprachigen Raum zum meistgeteilten Trend wurde. Einerseits schrieben Frauen darunter über sexistische Erlebnisse, andererseits begannen sich Männer und Frauen davon zu distanzieren und die Verallgemeinerung zu kritisieren.

Dann geriet die Journalistin, die unter anderem für die Berliner TAZ schreibt, ins Visier von Hasskommentatoren, die ihr mit Vergewaltigung und Vergasung drohten. «Meine Aussage war schlimmstenfalls nicht nett. Aber das sind konkrete Drohungen», sagt sie dem Onlinemagazin «Zett». Sie vermutet, sie sei nicht nur für ihre Aussage angegriffen worden, sondern auch wegen ihrer Herkunft. «Dass ich mich als eine kurdische Migrantin traue, so viel Raum einzunehmen, ist für viele schon eine riesen Provokation.»

Schick wurde 1985 in der Türkei geboren, 2009 wanderte sie nach Deutschland aus, wo sie Journalismus studierte und als Social-Media-Managerin und freie Autorin arbeitet. Sie schreibt unter anderem über die Türkei, Sexismus, Feminismus und die Rechte von Minderheiten und half, Erktolia.org aufzubauen – eine türkische, antisexistische Plattform.

Auch Wermuth diskutiert mit

In der Schweiz nahmen unter anderem SP-Nationalrat Cédric Wermuth und die Drehbuch-Autorin Güzin Kar die Debatte auf. Kar verwies dabei auf Genf, wo vergangene Woche mehrere Frauen von einer Gruppe Männer verprügelt worden waren.

Auch Wermuth stellt sich auf die Seite von Sibel Schick und verortet das Problem im Konzept der Männlichkeit.

Der Ursprung des Hashtags liegt in Südafrika. Er entstand 2016, um auf häusliche Gewalt aufmerksam zu machen. Weltweit ist die Zahl der Frauen, die von ihren Partnern umgebracht werden, in Südafrika am höchsten. Als die südafrikanische Bloggerin Rufaro Samanga 2017 damit den Mord eines Mannes an seiner 22-jährigen Freundin anprangerte, gewann der Hashtag an Popularität. Sie schrieb, man müsse verstehen, dass Frauen – und besonders Feministinnen – nicht verpflichtet seien, ihre Botschaft auf möglichst nette Weise rüberzubringen. Es gehe darum, Wut und Frustration auszudrücken und nicht die Männer, die Teil des patriarchalischen Systems seien, das man bekämpfe, zu schonen.

«Werde mich nicht entschuldigen»

Für Schick ist die aktuelle Diskussion auch eine Botschaft an alle Frauen, die sich trauen, sich öffentlich zu äussern. «Mir ist klar, dass einige die Pauschalisierung als problematisch empfinden. Was ich geschrieben habe, war: Solange ein Problem strukturell ist, kann es nicht individuell gelöst werden. Da können einzelne Männer noch so okay sein», sagt sie zu «Zett». Sie stehe weiterhin zu ihrer Aussage.

Die teilweise gehässigen Reaktionen sieht sie als Bestätigung, dass die Provokation ihre Wirkung nicht verfehlt hat. «Dass Männer Arschlöcher sind, hätte ich niemals, aber wirklich niemals so gut beweisen können, wie sie es gerade selber tun. Sie tuns gerade so gut, als hätte ich sie dafür bezahlt. Danke, Männer, dass ihr keine Angst habt, euer wahres Gesicht zu zeigen», twittert sie. Sie werde sich nicht dafür entschuldigen, dafür gesorgt zu haben, dass so viele über ein strukturelles Problem diskutieren.

Erstellt: 17.08.2018, 19:18 Uhr

Sibel Schick ist freie Journalistin. (Bild: Bild: Twitter)

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