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Die Freikirchen boomen

Von 37'000 auf 250'000: Die Zahl der Evangelikalen ist in den letzten 40 Jahren stark angestiegen. Eine neue Studie zeigt, welches die Gründe für diesen Boom sein könnten.

Grosser Zulauf: Anhänger der Freikirche ICF an einem Gottesdienst in Zürich.
Grosser Zulauf: Anhänger der Freikirche ICF an einem Gottesdienst in Zürich.
ICF

Während die reformierte und die katholische Kirche über Mitgliederschwund klagen, scheint es bei den Freikirchen einen regelrechten Boom zu geben. Laut einer neuen Studie gehört heute jeder dritte Kirchgänger einer sogenannten evangelikalen Gemeinschaft an. Die Untersuchung zeige detailliert auf, wie verbreitet Freikirchen in der Schweiz seien und wie ihre Mitglieder dächten, berichtet die Zeitung «Schweiz am Sonntag».

Demnach hat sich die Zahl der Evangelikalen seit 1970 von damals 37'000 auf nunmehr 250'000 erhöht. Die Freikirchlichen sind sehr aktiv und besuchen regelmässig die Messe. Darum stellen sie hierzulande an einem normalen Sonntag inzwischen ein Drittel aller Teilnehmer an einem religiösen Ritual.

Stark unterschiedliche Wertvorstellungen

Am meisten zugelegt haben die sogenannten charismatischen Freikirchen, wie die umfangreiche Studie zweier Westschweizer Religionssoziologen weiter zeigt. Sie untersuchten, was das evangelisch-freikirchliche Milieu so wettbewerbsstark macht. Der Mitgliedergewinn fand vor allem bis ins Jahr 2000 statt, seither hält sich die Zahl der Freikirchlichen auf konstantem Niveau, während die Landeskirchen schrumpften.

Die Wertvorstellungen von Freikirchlichen unterscheiden sich laut der Untersuchung stark von denjenigen der Katholiken, der Reformierten und der Gesamtbevölkerung. Freikirchliche denken grossmehrheitlich äusserst konservativ. Sie sprechen sich gegen homosexuelle Beziehungen aus, lehnen Schwangerschaftsabbrüche ab und befürworten traditionelle Geschlechterrollen. Sie selbst weisen eine signifikant höhere Heiratsrate auf, lassen sich weniger oft scheiden und haben im Durchschnitt mehr Kinder. Ihre Ehepartner sind meist ebenfalls bekehrt.

«Doppelspiel von Öffnung und Abschottung»

Laut der Studie gibt es in der Schweiz rund 5700 religiöse lokale Gemeinschaften. Die Evangelisch-Freikirchlichen stellen nach den Katholiken die zweitmeisten Lokalitäten. Das ist bemerkenswert, denn nur 3 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Freikirchen-Mitglieder, während es bei den Katholiken 38 Prozent sind.

Kritisch äussern sich ehemalige Freikirchliche. Sie beschreiben das Milieu als einen geschlossenen Raum mit laut Studie «sektiererischer Tendenz». Laut der «Schweiz am Sonntag» ist von Gehirnwäsche die Rede. Allerdings sind es laut der Studie gerade auch diese Merkmale, welche den Fortbestand der Gemeinschaften festigen.

Freikirchen halten demnach an einem harten Kern von Überzeugungen fest und übernehmen gleichzeitig gesellschaftliche Entwicklungen. Es handle sich hier um ein Doppelspiel von Öffnung und Abschottung, sagt Studienautor und Religionssoziologe Jörg Stolz. «In diesem Doppelspiel von Anpassung und Ablehnung, von Moderne und Konservativismus findet sich unserer Auffassung nach der Schlüssel zum Rätsel der Widerstandsfähigkeit des evangelisch-freikirchlichen Milieus.»

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