Die Helferin aus dem Hintergrund

Die 36-jährige Clubhauswirtin Rita Caldas hat Geld für eine Leukämie-Kranke gesammelt. Mit Solidaritätsfesten kennt sie sich aus.

Rita Caldas rechnete zuerst mit 100 Leuten, dann mit 300. Es kamen rund 700. Foto: SC Zurzach

Rita Caldas rechnete zuerst mit 100 Leuten, dann mit 300. Es kamen rund 700. Foto: SC Zurzach

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Gewöhnlich verkauft Rita Caldas Schnitzelbrot, Hotdogs und Fritten. Doch am Freitagabend war alles anders: Die Clubhauswirtin des Zurzacher Fussballvereins hatte 40 Kilogramm Schweinsbraten bestellt, dazu Reis und zig Töpfe Feijoada gekocht, einen portugiesischen Eintopf. Das Menü verrät: Es war ein besonderer Abend.

Die Portugiesin Caldas hat zum Spenden gerufen, da die 15-jährige Cynthia an Leukämie erkrankt ist. Cynthias Mutter – selbstständig und alleinerziehend – ist eine Kollegin von Caldas. Weil sie sich um ihre kranke Tochter kümmern musste, fehlte ihr die Zeit für die Arbeit als Physiotherapeutin – und irgendwann auch das Geld.

Als der Schweinebraten ausging, kam der Grill

«Also hatte ich die Idee eines Fests samt Spendensammlung», sagt Caldas. Sie wollte die Mutter überraschen und organisierte im Geheimen. Weil aber der Zuspruch so gross war, erfuhr bald die Öffentlichkeit davon. Erst rechnete Caldas mit 100 Leuten, dann plante sie mit 300. Es kamen rund 700. Als der Schweinebraten ausging, stellte man einen Grill auf und holte beim Metzger kurzerhand Schweinesteaks.

Die Feuerwehr machte den Parkdienst, der Fussballclub half beim Wirten, es gab eine Diaschau und eine Tombola mit Preisen wie Spanferkel, Rohschinken und Wein. Das meiste gespendet von Leuten aus der portugiesischen Gemeinschaft. «Mega wars», sagt Caldas, die vergangene Woche das Essen mit ihrem Mann zum 15-Jahr-Hochzeitsjubiläum verschieben musste – so viel gab es zu tun.

Seit 2001 lebt die 36-jährige Caldas in der Schweiz. Erst war sie Kioskverkäuferin, seit vier Jahren führt sie das Clubhaus des SC Zurzach. Jeden Tag steht die Mutter von drei Kindern hinter dem Tresen, unter der Woche ab 16 Uhr, am Wochenende bereits ab neun, stets bis kurz vor Mitternacht. Hätte sie einen Wunsch zugute, es wäre eine grössere Küche im Clubhaus.

«Wir haben hier Platz und Möglichkeiten, also helfen wir.»Rita Caldas

Caldas hilft nicht zum ersten Mal. Als vor einem Jahr der Partner einer Kollegin starb, sie aber nichts erbte, rief Caldas ebenfalls mit einem Fest zu Spenden auf. Als sie vor drei Jahren in Mali in den Ferien war und die Armut gesehen hatte, wusste sie sofort: Da müssen wir was tun. Wieder ein Fest, wieder viele Spenden. «Das ist doch selbstverständlich. Wir haben hier Platz und Möglichkeiten, also helfen wir.»

Als am Freitag auch das Fernsehen mit ihr sprechen wollte, schüttelte sie den Kopf – auf keinen Fall: «Da werde ich immer ganz rot. Ich organisiere und arbeite gerne, bleibe aber lieber im Hintergrund.» Die Arbeit hat sich gelohnt, ein wahres Fest entstand, ein fünfstelliger Betrag kam zusammen, Menschen wurden für das Thema Leukämie sensibilisiert, viele wollen nun gar Blutstammzellenspender werden.

Um vier Uhr morgens ging dann auch Caldas schlafen. Nicht lange. Kurz vor neun musste sie wieder im Clubhaus sein, das nächste Fussballspiel wartete.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.06.2018, 17:53 Uhr

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