Das hilft gegen Wanzen, Milben und Läuse

Durch häufiges Reisen, aber auch Migration sind Plagegeister in der Schweiz wieder häufiger. Wie man erkennt, mit wem man es zu tun hat.

Sorgen an Schulen und Kindergärten immer wieder für Probleme: Kopfläuse (vergrössert). Foto: Kevin Dyer (iStock)

Sorgen an Schulen und Kindergärten immer wieder für Probleme: Kopfläuse (vergrössert). Foto: Kevin Dyer (iStock)

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Sie greifen in der Nacht an, wenn man ahnungslos im Bett liegt. Sie lieben Wärme und unbedeckte Haut. Diese zeigt erst Stunden oder Tage später ein Reaktion. Die Bettwanzen haben dann ihr Opfer längst wieder verlassen. Die Stichspuren erfolgen meist in einer Linie und werden als «Wanzenstrasse» bezeichnet. Die juckenden, angeschwollenen Pusteln können mehrere Tage lästig sein, bis sie wieder von selbst verschwinden.

Allein in der Stadt Zürich gab es im vergangenen Jahr bei der städtischen Schädlingsbekämpfung rund 150 Anfragen wegen Bettwanzen. Seit der Jahrtausendwende hat sich diese Zahl mehr als verzehnfacht. «Wenn wir eine Anfrage erhalten, verlangen wir, wenn möglich, ein Tier zur Bestimmung des Schädlings», sagt Gabi Müller, Biologin und Leiterin Schädlingsprävention und -beratung der Stadt Zürich. Wenn nötig würden ein oder zwei Mitarbeitende zur Inspektion der befallenen Liegenschaft losgeschickt.

Die rotbraunen, 4 bis 10 Millimeter grossen Bettwanzen verstecken sich gerne in gebrauchten Betten oder Möbeln. (Bild: animatedfunk, Getty Images)

Die Wanzen bevorzugen Schlafräume. Am Tag verkriechen sie sich in die Ritzen des Bettgestells und anderer Möbel, in die Falten der Matratzen, hinter Abdeckleisten, Bildern, unter Tapeten oder in Steckdosen. Die Schädlingsbekämpfer suchen lebende Tiere oder Kotspuren. Doch Kotspuren allein genügen nicht, die können auch nur ein Hinweis auf einen früheren Befall sein. «Die Bekämpfung von Bettwanzen gehört in fachkundige Hände», betont Gabi Müller. Denn sonst könne man das Gegenteil erreichen, und die Tiere breiteten sich aus.

Eingeschleppte Bettwanzen

Die lästigen Bettwanzen sind häufig ein «Feriensouvenir». Wenn es in einem Hotel, in einer Ferienwohnung oder einem Flugzeug Bettwanzen hat, kann man sie mit dem Gepäck nach Hause bringen. Ausserdem gibt es laut Gabi Müller Vermieter, die Leute in Häusern voller Schädlinge wohnen lassen. Umgekehrt fehlt es betroffenen Mietern öfter am Geld für die Bekämpfung.

Zudem können bei einem Umzug Schädlinge mitkommen oder durch die Anschaffung von Secondhandmöbeln eingeschleppt werden. Der unangenehme Juckreiz und Ausschlag bringt die Betroffenen vielfach zum Hautarzt: «Die Patienten kommen, um sich die Wanzenstiche behandeln zu lassen, die sie sich in den Ferien geholt haben», sagt Hautarzt Marc Baumgartner aus Herzogenbuchsee BE. Er behandelt die Symptome primär mit entzündungshemmendem Kortison.

Bei Krätzmilben muss das Umfeld der Patienten mitbehandelt werden.

Neben Bettwanzen beschäftigen den Hautarzt auch andere Hautparasiten, vorab Kopfläuse und Krätzmilben. «Die Anzahl Patienten mit Befall der Krätzmilbe hat massiv zugenommen», konstatiert der Arzt. Diese Milbe verursacht die Hautkrankheit Krätze, medizinisch Scabies. Der Name «Krätze» leitet sich vom Wort «kratzen» her.

Krätzmilben leben auf oder in der menschlichen Haut. Man erkennt sie als sandkorngrosse, schwarze Punkte. Die Infektion mit der Krätzmilbe erfolgt durch engen Hautkontakt. Die Parasiten und deren Ausscheidungen lösen eine allergische Reaktion mit Ausschlag und Ekzem aus, verbunden mit starkem Juckreiz. Es bilden sich kleine Hautknötchen, offene Hautstellen durch das Kratzen und kleine rötlichbraune Milbengänge an warmen Körperstellen zwischen Fingern, im Genitalbereich oder am ganzen Körper.

Krätze behandelt man kombiniert: mit Kortison, um die Entzündung zu hemmen, und gleichzeitig mit einer speziellen Hautcreme oder mit Tabletten, die direkt gegen die Parasiten wirken. Wichtig sei bei den Krätzmilben, dass das Umfeld, die Familie, immer konsequent mitbehandelt werde, so der Hautarzt. Ansonsten drohe der Pingpongeffekt.

Läuse können jeden befallen

Der Befall mit Kopfläusen gilt in der Schweiz als häufigste Parasitenerkrankung bei Kindern. So schlägt man wegen der winzigen Tierchen landauf, landab in Schulen, Kindergärten oder Horten regelmässig Alarm. Die Läuse leben ausschliesslich auf dem Kopf und werden durch direkten Haar-zu-Haar-Kontakt übertragen, zum Beispiel wenn die Kinder beim Spielen ihre Köpfe zusammenstecken.

Läusebefall hat indes nichts mit mangelnder Hygiene zu tun und kann jeden treffen. Symptome sind häufig ein Juckreiz auf der Kopfhaut und manchmal Ekzeme, verursacht durch das Kratzen. Mit Antikopflausmittel können die Läuse vernichtet werden, vorausgesetzt, alle von Läusen betroffenen Familienmitglieder werden mitbehandelt.

«Die Verantwortung für die Läusebehandlung liegt bei den Eltern.» Christina Ruob, www.lausinfo.ch

Der Befall mit Kopfläusen oder anderen Hautparasiten ist in der Schweiz nicht meldepflichtig. Aus diesem Grund gibt es keine Zahlen über die aktuelle Entwicklung. Die Kopfläuse sind insbesondere während der Ferienzeit ein Thema. «Dies hängt mit Reisen in Gebiete zusammen, wo zu diesem Zeitpunkt Kopfläuse verbreitet sind», sagt Christina Ruob, Spezialistin für Kopfläuse und Apothekerin in Zürich. Sie betreibt die Website www.lausinfo.ch.

So will man zum Beispiel auch bei der Zürcher Volksschule nicht von einer Zunahme reden. «Wir führen keine Statistik mehr. In früheren Jahren waren es im Schnitt ein bis zwei Kinder pro betroffener Klasse», sagt Andrea-Seraina Bauschatz, Leiterin Schulärztlicher Dienst der Stadt Zürich. Seit September 2018 seien dem Dienst 91 Verdachtsfälle gemeldet worden, davon hätten sich aber nur 13 als tatsächliche Fälle erwiesen. Dies zeige, dass das Problem oft überschätzt werde.

Dessen ungeachtet hat die Volksschule ein neues Vorgehen eingeführt, um schneller und wirksamer reagieren zu können: Es sieht vor, dass die Lehrperson aktiv wird, wenn sie bei einem Kind einen Verdacht auf Kopflausbefall hat. Die Schulleitung nimmt mit den Eltern Kontakt auf und bietet Unterstützung durch den Kopflausdienst des Schulärztlichen Dienstes an. Kopflausspezialistin Christina Ruob betont: «Die Verantwortung für die Läusebehandlung liegt jedoch nicht bei den Schulen, sondern bei den Eltern.»

Reisen eine Hauptursache

Hautarzt Marc Baumgartner nennt zwei Gründe für die Zunahme der Hautparasiten: die in­tensive Reisetätigkeit und die Migration. Betroffen seien vorab Menschen aus Krisengebieten wie Ex-Jugoslawien, Syrien oder Afrika, wo die medizinische Versorgung oft ungenügend sei. Hinzu komme, dass die hiesigen Ärzte die Parasiten mangels ­Erfahrung lange nicht erkennen würden. «Und das wiederum führt zu einer stärkeren Verbreitung.»

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.05.2019, 10:42 Uhr

Das müssen Sie über Hautparasiten wissen


  • Bettwanzen: Die rotbraunen, 4 bis 10 Millimeter grossen Bettwanzen verstecken sich gerne in gebrauchten Betten oder Möbeln. Diese sind deshalb genau auf Wanzen oder Kotspuren zu kontrollieren. Selbst gebrauchte Zügelkartons können befallen sein, ebenso Koffer und Schlafsäcke. Wer die Wanzen bekämpfen will, dem empfiehlt sich, professionelle Hilfe zu holen. Der Einsatz von Insektenspray kann oft das Gegenteil bewirken: Die Bettwanzen flüchten, verteilen sich in der Wohnung oder sogar im Haus. Statt Insektiziden kommt möglicherweise auch eine Wärme­behandlung durch eine Fach­person infrage. Eine Behandlung schützt nicht vor einer Neueinschleppung.

  • Krätzmilben: Bei Verdacht auf Krätzmilben – sie sind schwarz, halbkugelförmig und 0,3 bis 0,5 Millimeter gross – sollte immer rasch ein Arzt aufgesucht werden. Plüschtiere und Schuhe lassen sich durch Einfrieren in der Tiefkühltruhe (bei –18°C) von Milben befreien. Textilien, die nicht waschbar sind, können während vier Tagen in Plastiksäcken eingepackt bei Raumtemperatur gelagert werden. Krätzmilben überleben bei normaler Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit nicht länger als vier Tage ohne Hautkontakt.

  • Kopfläuse: Sie finden sich im Kopfhaar, meist bei den Schläfen, hinter den Ohren oder im Nacken. Frisch geschlüpfte Nymphen sind 1 bis 2 Millimeter, erwachsene Läuse ca. 3 Millimeter lang. Im trockenen Haar sind Kopfläuse beweglich und schwer auffindbar. Deshalb: Haare nass machen und eine Pflegespülung anwenden. Dann Strähne für Strähne vom Haaransatz bis zu den Haarspitzen mit einem Lauskamm durchkämmen. Nach jedem Durchkämmen den Lauskamm an einem hellen Papier abstreifen, um Kopfläuse zu finden.


Eine generell wirksame Massnahme gegen Hautparasiten, ausgenommen Kopfläuse, ist das Waschen von Kleidern und Bettwäsche. Aber Achtung: mindestens mit 60 Grad. Tiefere Temperaturen, wie aus Umweltgründen oft üblich, reichen nicht. An Parasiten sollte man denken, wenn es zum Beispiel plötzlich die ganze Familie zu jucken beginnt. (mü)

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