Die simulierte Mondlandung

Je unwahrscheinlicher Verschwörungstheorien klingen, desto grösser wird ihre Beachtung.

Der ehemalige US-Präsident Richard Nixon hatte zur Sicherheit einen falschen Dokumentarfilm drehen lassen, falls die Verfilmung vor Ort scheitern sollte. (Foto: iStock)

Der ehemalige US-Präsident Richard Nixon hatte zur Sicherheit einen falschen Dokumentarfilm drehen lassen, falls die Verfilmung vor Ort scheitern sollte. (Foto: iStock)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Amerikaner sind zwar schon auf den Mond geflogen. Dort gelandet. Von dort wieder gestartet. Und 380'000 Kilometer weiter unten gewassert. Aber Richard Nixon, damals Präsident der USA, hatte vorher zur Sicherheit einen falschen Dokumentarfilm drehen lassen, falls die Verfilmung vor Ort scheitern sollte oder unbrauchbar gewesen wäre. Dazu liess er Stanley Kubrick anfragen, der sich mit «2001 – A Space Odyssey» fürs All empfohlen hatte.

Kubrick sagte erst ab, dann sagte er als Berater zu, schliesslich drehte er den Mondfilm selber. Die amerikanischen Geheimagenten hielt er für unfähig, was beim Perfektionisten Kubrick nicht erstaunt. Die USA entlöhnten den Regisseur mit einer Leihgabe der lichtstarken «Planar 50mm f/0.7»-Linse, die er für «Barry Lyndon» brauchte, um bei Kerzenlicht filmen zu können.

Das alles entnimmt man dem Dokumentarfilm «Opération Lune» des französischen Regisseurs William Karel, 2002 von Arte erstmals ausgestrahlt. Darin treten Kubricks Witwe Christiane und mehrere Mitarbeiter von Richard Nixon auf, etwa Donald Rumsfeld oder Henry Kissinger. Dazu kommen Zeitzeugen: Allen Konigsberg, David Bowman und Jack Torrence. Alle bestätigen, dass dieser Fake Doc vor der eigentlichen Mondlandung gedreht worden war. Selbst Buzz Aldrin, der tatsächlich auf dem Mond war, wusste von diesem Film.

Wer sich in Filmen auskennt, hätte schon bei den angeblichen Zeitzeugen merken müssen, dass «Opération Lune» an allen möglichen Orten stattfindet, aber nicht auf dem Mond.

Schon deshalb glaubten viele Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer damals, Kubricks Mockumentary sei echt und sein Auftraggeber wirklich Richard Nixon. Ich weiss das deshalb mit Bestimmtheit, weil ich einer von ihnen war. Wer sich in Filmen auskennt, hätte schon bei den angeblichen Zeitzeugen im letzten Absatz merken müssen, dass «Opération Lune» an allen möglichen Orten stattfindet, aber nicht auf dem Mond. Denn Karels Zeugen sind Figuren aus Filmen von Kubrik und Hitchcock. David Bowman zum Beispiel heisst einer der Astronauten in «2001». Ausserdem ist Allen Konigsberg der bürgerliche Name von Woody Allen.

Regisseur Karel hat also alles erfunden oder zweckentfremdet. Und für Aufmerksame als Täuschung kenntlich gemacht. Die Interviews mit den Politikern sind zwar echt, aber so geschnitten, dass sie einen bestätigenden Eindruck vermitteln. Karel hatte so vage gefragt, dass er Antworten verwenden konnte, die in einem anderen Kontext gegeben worden waren. Kubricks Witwe glaubte, dem Regisseur bei einem Porträt ihres Mannes zu helfen. Karel bot seinen Film zuerst der BBC an, der er gefiel, den sie aber nicht bringen wollte, weil die Zuständigen fanden, er sei respektlos gegenüber den USA. Frankreich war empfänglicher.

Am meisten Freude hatten jene Verschwörungstheoretiker, die den Mondflug für simuliert halten. Und da sie darauf anfällig sind, nur Bestätigungen zu sehen, bekamen sie in «Opération Lune» Dutzende serviert.

Je unwahrscheinlicher eine Verschwörungstheorie argumentiert, desto häufiger wird sie geglaubt. Was natürlich ebenfalls eine Verschwörungstheorie ist. Es gibt viele andere: Haben George W. Bush und ein paar Eingeweihte den Angriff des 11. September lanciert? Lebte Hitler bis ins hohe Alter unerkannt in Argentinien? Starb Paul McCartney 1966 und wurde von John Lennon begraben? Ist Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden?

Erstellt: 12.07.2019, 21:30 Uhr

Artikel zum Thema

«Mit der Mondlandung dachte jeder, dass ein neues Zeitalter anbricht»

Interview Als Gitarrist prägte er den Sound von Queen. Doch Brian May ist auch Wissenschaftler – und vom All besessen. Mehr...

«Die Erde ist unser Raumschiff»

Heute sind Frauen in der Raumfahrt etabliert, aber in der Minderheit. Nicole Stott will das ändern. Mehr...

Mondflüge, Mondlüge

Und wenn alles nur Show war? Die Idee der Apollo-11-Inszenierung hält sich bis heute: Die Logik von Verschwörungstheorien. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

«Der Weltraum soll so bleiben, wie er ist»

Interview Die Nasa will wieder auf den Mond. An der Front dabei ist der Schweizer Forschungschef Thomas Zurbuchen. Mehr...

«Das war der ultimative menschliche Erfolg»

Interview Richard Wiseman glaubt zu wissen, warum die zum Scheitern verurteilte Apollo-Mission zum Erfolg wurde. Mehr...

Die Weltraumexpertin, die zur Erde schaut

Porträt Lori Garver ist Chefin der Firma Earthrise, die mit Satellitenbildern den Klimawandel sichtbar macht. Mehr...