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«Ich glaube, die Tageszeitung auf Papier ist ein Auslaufmodell»

Evelyne Fankhauser löste als eine der Ersten ein digitales Tagi-Abo. Das hatte für sie zuerst praktische Gründe.

Mit Evelyne Fankhauser sprach Hannes Weber

Sie waren 2011 eine unserer ersten Digital-Abonnentinnen. Haben Sie sich als Pionierin gefühlt?

Ehrlich gesagt, kam ich mir etwas exotisch vor: Ich hatte das Gefühl, während der Zugfahrten die Einzige zu sein, die mit einem Tablet die Zeitung las.

Was hat Sie denn dazu bewogen, dieses Abo abzuschliessen?

Erstens habe ich damals meine Weiterbildung zur Medienpädagogin angefangen. Nach zwei, drei Monaten merkte ich: Das Tablet gehört da dazu. Ausserdem teilte ich den «Tages-Anzeiger» mit meinem Freund. Da wir jedoch beide die Zeitung gerne auf dem Arbeitsweg lasen, gab es Diskussionen: Wer nimmt welchen Teil mit? Dank Digitalabo können wir nun beide alles lesen – ganz ohne ­dabei Altpapier zu produzieren.

Sie waren schon zuvor ­Zeitungsleserin.

Ja, ich bin mit einer Tageszeitung aufgewachsen. Auf dem Bauernhof meiner ­Eltern wurde «Der Landbote» beim Kaffee bundweise herumgereicht. Wir Kinder durften nach den Erwachsenen reinschauen. Den Tagi lernte ich dann während meiner Zeit in Zürich kennen.

Wie, glauben Sie, sieht die Zeitung der Zukunft aus?

Ich glaube, dass die Tageszeitung auf Papier ein Auslaufmodell ist. Inhaltlich werden wir sicherlich noch stärker personalisierte News konsumieren. Das hat Vorteile: Man liest, hört und sieht nur, was interessiert. Es birgt aber gleich­zeitig die Gefahr, dass wir noch stärker in Interessensblasen leben. Auf Google und Facebook lese ich schon heute die News, die Algorithmen aufgrund gesammelter Daten für passend halten. Die Meinungsbildung kann dadurch potenziell gesteuert werden.

Kann man sich davor schützen?

Kaum vollständig. Aber nur schon das Wissen darum kann uns dazu bringen, jede Quelle kritisch zu hinterfragen.

«Es geht um Mündigkeit in der digitalen Welt.»

Sie sind Medienpädagogin. Wie vermittelt man Kindern den ­«richtigen» Umgang mit digitalen Medien?

Sowohl Eltern als auch die Schule sollten mit den Kindern möglichst früh über ihren Medienkonsum sprechen und ihnen über die Schultern schauen.

Reicht das?

Junge Menschen müssen lernen, mit vorhandenen Angeboten umzugehen. Verbote reizen nur. Sinnvoll können je nach Nutzung zeitliche Einschränkungen sein. Phänomene wie Gruppendruck, Selbstdarstellung und Mobbing sind nicht neu. Neu ist die ständige Erreichbarkeit, was zu mehr Druck und suchtartigem Verhalten führen kann.

Gibt es auch Gefahren, denen man mit Verboten begegnen muss?

Nein. Kinder beherrschen neue Geräte und Anwendungen zwar häufig schneller als Erwachsene. Das bedeutet aber nicht, dass alle einen reflektierten Umgang haben. Hier muss die Schule Wissen vermitteln. Ein Beispiel: Die meisten können ein Konto auf Instagram einrichten und Bilder hochladen. Was dann mit den Daten passiert, ist aber kaum ein Thema. Ganz grundsätzlich sollten wir deshalb kritisches Denken, Reflexion und Hinterfragen fördern. Es geht um Mündigkeit in der digitalen Welt.

Schränken Sie sich auch selber ein?

Ich versuche es. Bei uns kommt etwa kein mobiles Gerät mit ins Schlafzimmer, unser Wecker ist analog. Und vorläufig kommen wir auch noch ohne Sprachassistenten aus.

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