Ein Basler gesteht

Die Unesco findet die Basler Fasnacht toll. Wir weniger. Das hat musikalische Gründe.

«Morgestraich, vorwärts marsch!»: Die Basler Waggis geben alles mit ihren Piccolo-Flöten. Bild: Keystone/Georgios Kefalas

«Morgestraich, vorwärts marsch!»: Die Basler Waggis geben alles mit ihren Piccolo-Flöten. Bild: Keystone/Georgios Kefalas

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Wenn die Unesco einen Bau oder einen Brauch oder eine Landschaft auszeichnet, hängt das oft genug damit zusammen, dass diese gefährdet sind. Umso mehr freut der aktuelle Entscheid der UNO-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, eine Lokalkultur zum immateriellen Weltkulturerbe zu deklarieren, die weder vom Aussterben noch vom Vergessen noch von der Vernichtung bedroht ist: die Basler Fasnacht.

Während in anderen protestantischen Städten der Schweiz wie Zürich, Genf oder Bern die Fasnacht Anekdote geblieben ist – ein paar herumlaufende Farbflecken im Lärmverkehr –, laufen in Basel Zehntausende auf der Strasse oder stehen entlang der Strasse – und das drei Tage und drei Nächte lang. Der Morgenstreich wird in Basel seit dem 18. Jahrhundert abgehalten. Nur das katholische Luzern kann da mithalten, auf seine ungezähmte Art.

In Basel ist das anders, dort ist das Wildsein reglementiert, es gibt viele Voranlässe wie das «Drummeli»; alle Cliquen halten vor der Fasnacht Marschübungen ab; es leben Traditionen wie die Waggisse und die Chaisen mit ihren Wagen und Kutschen und den selber gemachten Laternen; es gibt ungeschriebene Gesetze wie das Tragen von Larven und das Pfeifen auf Piccolos. Und es gibt soziale Sanktionen bei Nichteinhalten.

Impressionen vom Basler Morgenstreich. Video: Nico Imwinkelried

Möglicherweise trägt dieser hohe Ritualisierungsgrad der Basler Fasnacht zu ihrer Lang­lebigkeit bei. Das Rituelle hat aber nicht nur Vorteile. Das fängt schon mit der vorgeschriebenen Musik an. Als Basler, der man ist (wenigstens solange der FCB gewinnt), als Fasnachtsbeobachter, der man gelegentlich war, und als Schnitzelbangg-Liebhaber, der man geblieben ist, muss man gestehen, dass man zwar grosse Freude über die Guggenmusiken empfand, die es auch in Basel zu hören gibt, aber noch nie auf das Militär gestanden ist und deshalb mit den Basler Fasnachtsmärschen genauso wenig anfangen kann wie mit dem Viervierteltakt der Zürcher Street Parade.

Auch wenn die Techno-Kultur im Sommer zum immateriellen Kulturerbe der Schweiz geschlagen wurde. Oder vielleicht gerade darum.

Erstellt: 08.12.2017, 21:01 Uhr

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