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Ein Platzspitzbaby erzählt

Ende der 80er-Jahre verwandelte sich Zürichs idyllischer Platzspitz in eine Drogenhölle. Mittendrin war meine Mutter – als Kind erlebte ich ihre Selbstzerstörung aus nächster Nähe.

Michelle Halbheer
Offene Drogenszene im Parkidyll: Platzspitz in Zürich im Sommer 1990.
Offene Drogenszene im Parkidyll: Platzspitz in Zürich im Sommer 1990.
Str, Keystone
14. Januar 1992: Polizisten sperren den Platzspitz-Eingang versuchsweise. Im Februar wird der Park ganz geschlossen.
14. Januar 1992: Polizisten sperren den Platzspitz-Eingang versuchsweise. Im Februar wird der Park ganz geschlossen.
Keystone
Die Drogenszene am Platzspitz zog Hunderte Süchtige an: Szene vom Juni 1990.
Die Drogenszene am Platzspitz zog Hunderte Süchtige an: Szene vom Juni 1990.
Keystone
Solche Bilder vom Platzspitz gingen um die Welt.
Solche Bilder vom Platzspitz gingen um die Welt.
Keystone
Nach der Sperrung des Platzspitzes im Februar 1992 verlagert sich die Szene flussabwärts zum Letten.
Nach der Sperrung des Platzspitzes im Februar 1992 verlagert sich die Szene flussabwärts zum Letten.
Keystone
Ein Drogenabhängiger sucht in einem Gebüsch nach versteckten Drogen, aufgenommen  im Juli 1993.
Ein Drogenabhängiger sucht in einem Gebüsch nach versteckten Drogen, aufgenommen im Juli 1993.
Keystone
Die Drogenszene auf den Schienen am Lettensteg, aufgenommen  im Juli 1993.
Die Drogenszene auf den Schienen am Lettensteg, aufgenommen im Juli 1993.
Keystone
Die Drogenszene auf der Brücke am Lettensteg, 1994.
Die Drogenszene auf der Brücke am Lettensteg, 1994.
Keystone
Dort bildete sich bis 1995 eine Szene, die traurige Berühmtheit erlangte.
Dort bildete sich bis 1995 eine Szene, die traurige Berühmtheit erlangte.
Keystone
1998 zeigen Stadtrat Robert Neukomm (l.) und Stadtarzt Albert Wettstein (r.) dem US-Drogenbekämpfer General Barry Mc Caffrey den Platzspitz.
1998 zeigen Stadtrat Robert Neukomm (l.) und Stadtarzt Albert Wettstein (r.) dem US-Drogenbekämpfer General Barry Mc Caffrey den Platzspitz.
Reuters
Die Polizei 1995 bei einer Drogenrazzia am Seeufer. Zuvor wurde der Letten geschlossen.
Die Polizei 1995 bei einer Drogenrazzia am Seeufer. Zuvor wurde der Letten geschlossen.
Keystone
Die Polizei bei einer Drogenrazzia am Seeufer: Nach der Schliessung des Letten in Zürich, aufgenommen 1995.
Die Polizei bei einer Drogenrazzia am Seeufer: Nach der Schliessung des Letten in Zürich, aufgenommen 1995.
Keystone
Platzspitz heute: Bei Kontrollen findet die Polizei höchstens noch kleine Mengen Drogen. Die offene Szene ist seit 20 Jahren verschwunden.
Platzspitz heute: Bei Kontrollen findet die Polizei höchstens noch kleine Mengen Drogen. Die offene Szene ist seit 20 Jahren verschwunden.
Keystone
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Bald verbrachte ich die Tage mehrheitlich auf mich allein gestellt. Papas Idee, mich auf die Baustelle mitzunehmen und in den Unterkünften der Arbeiter unterzubringen, erwies sich nicht als dauerhafte Lösung, und manche Fragen forderten Antworten, die er nicht geben konnte: Wo ist deine Frau?

Nach wochenlanger Abwesenheit kehrte sie jeweils in desolatem Zustand zurück, den ich nicht zu deuten wusste, der für mich aber nichts mehr mit meiner Mutter zu tun hatte. Trotzdem liebte ich sie weiterhin und geriet – wie ich im Nachhinein sagen muss – in ein starkes Abhängigkeitsverhältnis, blieb ihren Manipulationen, den Drohungen, der Vernachlässigung machtlos ausgeliefert. Jahrelang glaubte ich, die Hauptschuld an einem Unglück zu tragen, von dem ich nicht wusste, ob es tatsächlich existiert, und hätte ich den Verrat begangen und meinen Kummer hinausgeschrien: Der Preis für mein Wohlergehen wäre der Tod derjenigen gewesen, die mich geboren hatte.

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