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Ein Suizid alle 40 Sekunden

Zehn Jahre lang forschte die WHO auf der ganzen Welt zum Thema Suizid. Im 100-seitigen Bericht zeigt sie auch Lösungsansätze auf.

Suizidprävention verstärken: An Orten, an denen es öfter zu Suiziden kommt, weisen in der Schweiz Schilder auf die Hotline der Dargebotenen Hand hin. (Archivbild)
Suizidprävention verstärken: An Orten, an denen es öfter zu Suiziden kommt, weisen in der Schweiz Schilder auf die Hotline der Dargebotenen Hand hin. (Archivbild)
Alessandro della Valle, Keystone

Selbsttötungen sind vermeidbar, und doch nimmt sich alle 40 Sekunden irgendwo auf der Welt jemand das Leben. Mehr als 800'000 Menschen sind es in jedem Jahr, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem ersten umfassenden Bericht zum Thema feststellt. WHO-Chefin Margaret Chan sprach bei der Vorstellung des Berichts in Genf von einer weitgehend ignorierten Tragödie und rief die Regierungen auf, mehr zur Verhinderung von Suiziden zu tun.

In dem 100 Seiten starken Bericht stecken zehn Jahre Forschungsarbeit aus Ländern der ganzen Welt. Auf jeden Suizid kommen demnach 20 Versuche. Selbsttötungen hätten «verheerende» Folgen für die Familien und Freunde, die lange Zeit darunter litten, schreiben die Autoren.

Suizidrate bis 2020 um zehn Prozent senken

Besonders betroffen sind demnach die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen, vor allem Menschen, die unter Diskriminierung oder Armut leiden. Selbsttötungen seien ein «grosses Problem für die öffentliche Gesundheit, das ohne Verzögerung angegangenen werden muss», betonte die WHO. Bislang werde dies verhindert, weil das Thema «tabuisiert und stigmatisiert» werde. Dabei gebe es Möglichkeiten, einzugreifen und gefährdete Menschen zu behandeln.

Die Suizidrate lag 2012 bei 11,4 von 100'000 Menschen. Die WHO-Mitgliedstaaten haben sich zu dem Ziel bekannt, die Rate bis 2020 um zehn Prozent zu senken. Die Länder mit den höchsten Quoten sind Guyana (44,2 auf 100'000), Nordkorea (38,5) und Südkorea (28,9). Auch in Sri Lanka und Litauen lag die Quote bei mehr als 28. Bei jungen Menschen von 15 bis 29 Jahren ist Suizid die zweithäufigste Todesursache. Am höchsten ist die Quote bei Menschen über 70 Jahren. Bei Männern ist jeder zweite gewaltsame Tod eine Selbsttötung, bei den Frauen sind es 71 Prozent.

Das Internet als Chance

Um Selbsttötungen zu verhindern, sieht die WHO neben den Regierungen auch die Medien in der Verantwortung. Diese müssten auf unnötige Einzelheiten insbesondere bei der Berichterstattung über prominente Fälle verzichten. Sensationslüsterne und glorifizierende Berichte könnten Nachahmer dazu bringen, sich das Leben zu nehmen.

Das Internet und die sozialen Medien bieten aus Sicht der WHO-Experten dagegen die Möglichkeit zu einer «universellen Strategie zur Suizidprävention». In dem Bericht wird auf Diskussionsforen mit Ärzten verwiesen, auf Online-Therapien und virtuelle Selbsthilfeprogramme.

AFP/rar

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