Ein wahrer Feminist

Schlechter Sex ist noch kein sexueller Übergriff: Die Vorwürfe gegen den Komiker Aziz Ansari zeigen die problematische Seite von #MeToo.

Eine anonyme Frau erhebt schwere Vorwürfe gegen Aziz Ansari. Foto: Christopher Polk (Getty)

Eine anonyme Frau erhebt schwere Vorwürfe gegen Aziz Ansari. Foto: Christopher Polk (Getty)

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Man könnte es ironisch nennen, wäre es nicht so tragisch. Aziz Ansari, Autor, Komiker und Schauspieler, Golden-Globe- und Emmy-Gewinner für seine Serie «Master of None», ist bekennender Feminist. In seinen Filmen und Programmen geht es um Liebe und Triebe, um Themen wie Diversität, Gender und Dating und die amouröse Orientierungslosigkeit seiner Generation.

Nun ist er übers Wochenende ins Zentrum einer solchen Geschichte geraten. Doch die Pointe ist dieses Mal bitter: Eine 23-jährigen Fotografin beschuldigt ihn, bei einem Date übergriffig geworden zu sein. Doch was die junge Frau im ausführlichen Bericht auf der Website Babe.net schildert, hat weniger mit sexueller Gewalt zu tun als mit der Konfusion der betroffenen Frau. Sie deutet ein schlechtes Date flugs in einen Übergriff um.

Nonverbale Signale nicht verstanden

Die Kurzversion des langen Artikels geht so: Sie hatte ihn angesprochen, sie gingen auf ein Date, er zahlte, danach gingen sie zu ihm. Dort kam es einvernehmlich zu Küssen und Oralsex. Mehr habe sie nicht gewollt, das habe sie ihm mit nonverbalen Signalen zu verstehen gegeben. Als er trotzdem mehr wollte, wies sie ihn zurück, was er akzeptierte, doch sie war trotzdem frustriert. Er sei wie alle anderen Männer, bilanzierte sie. Als sie später über die Sache nachdachte, sei ihr plötzlich aufgegangen, dass es sich um einen Übergriff gehandelt habe. Es sei die «schlimmste Nacht ihres Lebens» gewesen.

Die Geschichte gibt zu reden – allerdings nicht wegen des angeblichen Fehlverhaltens des Komikers, sondern weil sie journalistisch und ethisch äusserst zweifelhaft ist. Der ganze Artikel, ein mit Bildern des Abends garnierter Erlebnisbericht, stellt Ansari für das Vergehen an den Pranger, dass er ihre «nonverbalen Signale» nicht lesen konnte. Es ist nicht schwierig, zu erkennen, dass solche Artikel der Sache nur schaden.

Ansari selber hat inzwischen Stellung genommen – und zwar auf denkbar edelste Weise. Er habe ihre Worte zur Kenntnis genommen und das Missverständnis tue ihm leid, heisst es in der Nachricht. «Ich werde die Bewegung weiter unterstützen. Sie ist nötig und längst überfällig.» Anstatt auf die innere Catherine Deneuve zu hören und #MeToo für gescheitert zu erklären, zeigt sich Ansari damit als wahrer Feminist.

Erstellt: 17.01.2018, 18:40 Uhr

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