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Eine ergreifende Liebesgeschichte

Paul Kalanithi schrieb mit «Bevor ich jetzt gehe» einen Bestseller über sein Sterben, Nina Riggs tat dasselbe mit «Die helle Stunde». Jetzt haben sich ihre hinterbliebenen Partner ineinander verliebt.

Aus den beiden berühmtesten Hinterbliebenen der USA wurde ein Paar: John Duberstein und Lucy Kalanithi. Foto: Amy Osborne («Washington Post», Getty Images)
Aus den beiden berühmtesten Hinterbliebenen der USA wurde ein Paar: John Duberstein und Lucy Kalanithi. Foto: Amy Osborne («Washington Post», Getty Images)

Sie wird schon über die Preise geredet haben, die versammelte Hollywoodprominenz gestern Abend an der Verleihung der Golden Globes. Und über Harvey Weinstein und #MeToo und #Times­­Up auch. Aber es ist zu vermuten, dass das Hauptthema ein anderes war. Nämlich, wer die Geschichte von Lucy Kalanithi und John Duberstein verfilmt. Mit wem die Hauptrollen zu besetzen wären. Und wie man es hinbekommt, dass es nicht kitschig wird, zu erzählen, wie eine Frau und ein Mann sich ineinander verlieben, nachdem sie ihre Partner an Krebs verloren haben. Deren Partner zudem beide ein Buch über das eigene Sterben geschrieben hatten, die wiederum beide zu Bestsellern wurden.

Und so ist die Geschichte von Lucy Kalanithi und John Duberstein auch jene von Paul Kalanithi und Nina Riggs, die durch ihren Tod ihre Liebsten zu den berühmtesten Hinterbliebenen der USA gemacht haben.

Paul Kalanithi starb 2015. Der Neurochirurg erkrankte mit 35 an Lungenkrebs und schrieb über die knapp zwei Jahre, die ihm blieben, das Buch «Bevor ich jetzt gehe» («When Breath Becomes Air»). Es wurde nach seinem Erscheinen 2016 nicht nur ein Bestseller, sondern auch für den Pulitzer-Preis in der Kategorie Autobiografie nominiert. Es war klug, schonungslos ehrlich und vollkommen frei von Pathos; Kalanithi erklärte etwa unumwunden, seine Ehe habe sich vor der Diagnose in einer Krise befunden, und der Krebs habe ihre Beziehung gerettet.

Nina Riggs war 37, als sie die tödliche Diagnose bekam: ein überaus aggressiver Brustkrebs. In den folgenden zwei Jahren hielt die freie Autorin unter dem Titel «Die helle Stunde» («The Bright Hour») ihr Sterben fest. Sie beendete es im Januar 2017, einen Monat später war sie tot, im Juni erschien das Buch. Es war traurig, klar, aber eben auch leicht und voller Humor. Die «New York Times» schrieb: «Sie können viele Bücher über den Tod lesen. Aber das Buch dieser sterbenden Frau zeigt Ihnen, wie man lebt.» Seither werden die Memoiren von Kalanithi und Riggs in einem Atemzug genannt, wenn es um den Umgang mit der eigenen Endlichkeit geht.

Es war alles kein Zufall

Und jetzt, so berichtete die «Washington Post» letzte Woche, haben sich die Witwe und der Witwer ineinander verliebt. Die Fäden gezogen hat dabei Nina Riggs. Sie stand mit Lucy in Kontakt und riet ihrem Mann, sich in den schwersten Stunden nach ihrem Tod an just diese Frau zu wenden, denn sie würde verstehen. Würde wissen, wie abgrundtief das Loch sei, in dem er sich befinde, wie rabenschwarz die Dunkelheit. Als es dann so weit war, war Lucys Mann seit zwei Jahren tot. Der Schmerz begann gerade erstmals, ein wenig nachzulassen. Sie antwortete sofort, als sich Duberstein per Mail aus New York bei ihr in Kalifornien meldete. Die beiden Versehrten blieben verbunden, über Monate, nur per Mail, sie hörten sich nie, sahen sich nie. Bis Lucy, Assistenzprofessorin für Medizin an der Universität Stanford, einen Termin in der Nähe von Duber­steins Wohnort hatte. Und es sich mit einem Mal richtig anfühlte, ein Treffen vorzuschlagen.

Ihre Beziehung hielten sie zunächst geheim, nur ihre Kinder – Duberstein hat zwei, Kalanithi eines – wussten davon. Es fühle sich, sagte Lucy Kalanithi, verrückt und gleichzeitig normal an.

Hollywood sollte es gar nicht erst versuchen.

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