Eine Frage der Haltung

Ein strenggläubiger Fussballer verletzt vor laufender Kamera die Würde einer Frau. Das ist unerträglich.

Aus religiösen Gründen: Nacer Barazite verweigert den Handschlag. Video: Youtube/Murat O.


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Ein Fussballer gibt einer Journalistin nicht die Hand. Vor laufender Kamera, mitten in Europa, in Holland, 2015. Weil er Muslim ist und sie eine Frau. Im deutschen Fernsehen antwortete unlängst ein Experte angesprochen auf just dieses Problem: «Was wollen Sie denn tun? Klagen?» Er fand die Angelegenheit vernachlässigbar. Und ein Sozialarbeiter sagte, als der Moderator diesen möglichen Konflikt schilderte: «Man muss nicht immer gleich mit Extrembeispielen kommen.»

Es geht nicht um Extrembeispiele. Es geht um eine Haltung. Um die Haltung, dass Frauen weniger wert sind. Und dass streng gläubige Muslime sich herausnehmen, dieser Haltung deutlich Ausdruck zu verleihen, auch wenn sie in westlichen Ländern leben. Die Macht des Videos, das den Handschlag verweigernden Nacer Barazite und die herabgewürdigte Hélène Hendriks zeigt, ist gross. Das Bild setzt sich im Gedächtnis fest: Frauen dürfen öffentlich abgewertet werden. Die Gefahr besteht, dass man sich daran gewöhnt. Was ist schon ein Händedruck. Sollen die Frauen sich nicht so haben.

Nach dem Lächeln der verweigerte Handschlag: Utrechts Torschütze Nacer Barazite wird von der holländischen Journalistin Hélène Hendriks interviewt. Bild: Screenshot Fox TV

Das ist fatal, weil zu kurz gedacht. Was, wenn Unternehmen mit einer weiblichen Chefin diese nicht mehr in Verhandlungen schicken können, weil die muslimische Gegenpartei keine Frau akzeptiert? Wohin führt das? Zu Ende gedacht dazu, dass sie hinter die Kulissen verschwinden. Dorthin, wo sie gemäss jenen hingehören, die Frauen als Menschen zweiter Klasse betrachten.

Apropos Menschen zweiter Klasse: Hat sich nicht gerade der Fussball dem Kampf gegen den Rassismus verschrieben? Würde sich ein weisser Spieler vor laufender Kamera weigern, einem schwarzen Journalisten die Hand zu geben, die weltweite Empörung wäre immens. Der Spieler wäre gesellschaftlich und sportlich erledigt. Bezüglich Frauen sieht man das offenbar nicht so eng. Dabei geht es bei Barazites Haltung um exakt dasselbe: um Rassismus. Wer meint, seinem Gegenüber den Handschlag verweigern zu können, sei es wegen dessen sexueller Orientierung, Hautfarbe oder eben Geschlecht, ist ein Rassist. Rassismus ist immer hässlich. Und immer und unter allen Umständen inakzeptabel.

Erstellt: 06.11.2015, 17:47 Uhr

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