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Eine verpasste Chance

Die Uni Bern darf eine geplante Studie zum regulierten Verkauf von Cannabis nicht durchführen.

MeinungPhilippe Zweifel
300’000 Menschen in der Schweiz kiffen regelmässig.
300’000 Menschen in der Schweiz kiffen regelmässig.

Kiffen macht gleichgültig – mir doch egal. Der alte Klowand-Spruch gilt offenbar auch für das Bundesamt für Gesundheit, das nun einer geplanten Cannabis-Untersuchung der Uni Bern eine Ausnahmebewilligung verweigert hat. Diese könne nur für medizinische Studien, nicht für solche über den Konsum zu Genusszwecken genehmigt werden. Im Auftrag der Stadt Bern sollte untersucht werden, wie sich ein regulierter Verkauf von Cannabis auf die Konsumenten und den illegalen Markt in der Stadt auswirkt.

Der Entscheid, der auch ähnliche Projekte in anderen Schweizer Städten behindert, ist gesellschaftspolitisch nicht nachvollziehbar. 300’000 Menschen in der Schweiz kiffen regelmässig – das sind 300’000 Menschen, die das Gesetz unterlaufen und dem Schwarzmarkt einen Millionen-, wenn nicht gar einen Milliarden-Umsatz bescheren. Cannabis ist rund um die Uhr erhältlich, und abgesehen von einer ineffizienten Strafverfolgung mit jährlichen Kosten von 300 Millionen, gibt es kaum Konsumschranken.

Zwar sind bisher alle Anläufe, Cannabis zu legalisieren, gescheitert. Zuletzt sagte das Stimmvolk 2008 mit 63 Prozent Nein. Doch die Grünen haben im Sommer eine parlamentarische Initiative eingereicht, die den Konsum, Anbau und Handel neu regeln will. Die Cannabis-Debatte dürfte im nächsten Jahr also erneut aufflammen.

Um ermüdende ideologische Grundsatzdiskussionen abzuschwächen, wären Ergebnisse wie jene der geplatzten Studie dringend nötig. Zumal sich in der Schweizer Drogenpolitik Pragmatismus ausbezahlt hat, wie zum Beispiel bei der Heroinabgabe.

Dass die Berner Studie Tür und Tor zu einer Legalisierung öffnen würde, wie nun von bürgerlicher Seite zu hören ist, verkürzt den Sachverhalt: Eine Regulierung ist keine Legalisierung – aber dringend nötig. Nur durch sie kann eine sinnvolle Präventionsarbeit, gerade bei Jugendlichen, geleistet werden.

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