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Muslim Ahmad Mansour sorgt für volle Säle

Klartext zur deutschen Debatte über Integration: Der Linken wirft er Multikulti-Verharmlosung vor, der Rechten Panikmache.

MeinungRes Strehle
Hat für beide politischen Lager eine unbequeme Botschaft: Ahmad Mansour, Deutsch-Israeli mit palästinensischen Wurzeln. Bild: LAB/Marc Dahinden
Hat für beide politischen Lager eine unbequeme Botschaft: Ahmad Mansour, Deutsch-Israeli mit palästinensischen Wurzeln. Bild: LAB/Marc Dahinden

Ahmad Mansour, Deutsch-Israeli mit palästinensischen Wurzeln, hat die Integrationsdebatte einen wichtigen Schritt vorangebracht. Integration, sagt der 42-Jährige, ist eine Bringschuld: Die Einwanderer müssen sich selber darum bemühen – als Eltern gleich doppelt, für sich selber und ihre Kinder. Die Gegenverpflichtung aufseiten der Gesellschaft heisst Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung.

Damit hat Mansour für beide politischen Lager eine unbequeme Botschaft: Der Linken wirft er vor, dass sie das Thema entweder verharmlose, als Multikulturalität glorifiziere und, wo nicht, einzig als Aufgabe des Staates sehe. Der Rechten, dass sie gegenüber den Migranten auf Panik mache, den Islam insgesamt zur Bedrohung hochstilisiere, um ihre Forderung nach geschlossenen Grenzen mehrheitsfähig zu machen.

Für Mansour ist Integration mehr als Sprache, Arbeit und nicht kriminell werden. Als Beweis führt er Mohammed Atta an, den Ingenieur aus Hamburg, der bestens Deutsch sprach, einen Job hatte und dennoch zum Planer von 9/11 wurde.

Integration ohne Assimilation

Das Plus, das es zur Integration braucht, ist die Anerkennung der universalen Grundwerte: Demokratie, Gleichberechtigung, Freiheitsrechte, Menschenrechte. Für diese Werte kämpft Mansour als Geschäftsführer seiner Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention. Er sucht das Gespräch mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die an der Schnittstelle zweier Kulturen um ihre Identität ringen. In Jugendtreffs, ­Schulen und Gefängnissen. Die Methode fürs Gespräch hat er Sokrates abgeschaut: Mäeutik, eine Art Geburtshilfe für Argumente. Sie hilft vorab dann, wenn Jugendliche auf dem Weg zur Radikalisierung zugleich verstockt und aggressiv argumentieren und so jede Gesprächsrunde dominieren. Dann fragt er geduldig nach, bis sich ein monströses Argument von selber entlarvt: dass der Mann der Frau überlegen sei, die Frau ins Haus gehöre, die westliche Gesellschaft insgesamt der Feind sei.

Fast mehr noch als Gewaltprävention interessiert den Psychologen die Aufweichung des alltäglichen Rollenbilds auf fundamentalistischer Seite: der Mann als Patriarch, die Sexualität als Tabu, die Schwarz-Weiss-Logik Haram/Halal, Freund/Feind. Dass er selber damit nicht zum Freund der rund 10'000 Salafisten in Deutschland wurde, versteht sich. Dass er rund um die Uhr Personenschutz braucht, schon weniger – es zeigt, wie wichtig seine Arbeit ist.

Mansour selber ist ein Beispiel erfolgreicher Integration ohne Assimilation. Er ist Muslim geblieben, mit einer Deutschen verheiratet, die ebenfalls berufstätig ist. Beide kümmern sich um die gemeinsame Tochter. In Berlin hat er eine überzeugende Antwort auf die Gretchenfrage gefunden: Er hält Religion für eine Privatsache, die nicht grösser werden darf als die Freiheitsrechte und die Demokratie. Darüber schreibt er Bücher, zuletzt «Klartext zur Integration» (2018). Am Montag diskutiert er in der Stadthalle Wil mit dem Imam Bekim Alimi und dem St. Galler Regierungsrat Fredi Fässler, am Dienstagabend im Zürcher Kaufleuten mit dem Freidenker Andreas Kyriacou.

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