Er will Schwulen den Himmel öffnen

Der bekannte Jesuit James Martin aus den USA sorgt am Weltfamilientreffen der Katholiken diese Woche in Irland für Streit, weil er für Homosexuelle eintritt.

Kritisiert die hartherzige Gangart seiner Kirche gegenüber Homosexuellen: James Martin. Bild: PD

Kritisiert die hartherzige Gangart seiner Kirche gegenüber Homosexuellen: James Martin. Bild: PD

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James Martin ist das bekannteste Gesicht der Jesuiten in den USA. Auf Twitter hat er zwei Millionen Follower. Wortgewandt debattiert er in Talkshows von CNN und Fox News. Er ist Kolumnist und Kommentator der «New York Times». Vor allem prägt er mit seiner liberalen Stimme das Jesuiten-Magazin «America».

Natürlich schreibt er Bücher. Jenes mit der grössten Resonanz heisst «Building a Bridge» und will Brücken bauen zwischen der römischen Kirche und der LGBT-Community, der ­Gemeinschaft von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender.

Martin kritisiert seine Kirche, die unnötig hartherzig homosexuelle Empfindungen als «ungeordnet» bezeichnet. Sie seien nur «anders geordnet». Er provoziert gerne, wenn er sagt, dass es homosexuelle ­Heilige gebe. Oder er scherzt: «Sie werden überrascht sein, wenn Sie in den Himmel kommen und von LGBT-Männern und -Frauen empfangen werden.»

10'000 wollen den Pater ausladen

Solche Verheissungen eines «Homo-Himmels» finden konservative ­Gläubige gar nicht lustig. Regelrecht entsetzt sind sie, dass Martin am morgen Dienstag in Dublin beginnenden katholischen Weltfamilientreffen über «Willkommen und Respekt in unseren Pfarreien für LGBT-Leute und ihre Familien» referieren wird.

Das alle drei Jahre stattfindende Treffen ist eigentlich ganz den ­traditionellen Familienwerten der römischen Kirche verpflichtet und empfängt am Wochenende Papst Franziskus persönlich. Mehr als 10'000 Katholiken fordern inzwischen via Petition, den Jesuitenpater vom Grossanlass auszuladen.

In einem Brief an den Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, argwöhnen sie, Martin verwirre junge Männer, die vom gleichen Geschlecht angezogen sein könnten. Er wolle die katholische Kirche im Sinne der Homo-Lobby umpolen. Mit Verweis auf die ­Missbrauchsskandale in Chile oder den USA warnen sie, dass der Jesuit das Familientreffen zu beeinflussen versuche.

«Schwul sein macht eine Person nicht zum Pädophilen.»Tweet von James Martin

Martin verwahrt sich gegen diese Gleichsetzung von Homosexuellen mit Pädophilen: «Schwul sein macht eine Person nicht zum Pädophilen oder zum sexuellen Ausbeuter», twitterte er.

Die kirchlichen Veranstalter des ­Treffens reagieren ambivalent: Einerseits halten sie am Referenten Martin fest, der letztes Jahr von Franziskus zum Berater des vatikanischen ­Kommunikationssekretariats ernannt wurde. Andererseits haben sie aus einer Broschüre zum Treffen auf Druck der Konservativen das Bild eines lesbischen Paares entfernt, ebenso den Text, dass es auch «andere Gemeinschaften» gebe, in denen sich die Partner gegenseitig stützen.

Der Jesuit wird am Familientreffen für Kontroversen sorgen und es in die Schlagzeilen bringen. Ob er den Papst mit seinen Positionen konfrontieren wird, ist ungewiss. Jedenfalls erhält er Schützenhilfe vom offen schwul lebenden irischen Premier Leo ­Varadkar. Er hat angekündigt, Papst Franziskus in Dublin darauf hinzuweisen, dass er und seine Regierung die Position der Kirche zu Homosexualität und Homo-Ehe nicht teilten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.08.2018, 21:50 Uhr

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