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Erfreuliche Post

Identität in vier Ziffern: Eine Liebeserklärung an die Postleitzahl zum fünfzigsten Geburtstag.

Samuel Tanner
Ästhetik der Ordnung. Was gibt es Schöneres als Postleitzahlen und Geranienkästen?
Ästhetik der Ordnung. Was gibt es Schöneres als Postleitzahlen und Geranienkästen?
Keystone

Schönheit kann durch Verwegenheit entstehen – oder durch Ordnung. In der Schweiz ist der zweite Fall der wahrscheinlichere und die Postleitzahl ein schönes Beispiel dafür. Sie ordnet das Land von West nach Ost, von Lausanne nach Wildhaus, von 1000 bis 9658. Seit fünfzig Jahren.

Es war Sommer im Jahr 1964, als die Schweiz diese neue Briefanschrift einführte – nach Deutschland und den USA, als drittes Land der Welt. Die Post warb mit aller Euphorie für das System, «Jedesmal – Postleitzahl» war der Slogan, aber im Land blieb man skeptisch. NZZ-Redaktor M.R. schrieb: «Zum Nummernsystem generell ist zu sagen, dass man sich abstrakte Zahlen schwerer merken kann als die durch Geographiekenntnisse, Reiseerfahrung usw. leicht einprägsamen Kantonsbezeichnungen.» Und wenn sich Heike Bazak, Leiterin des PTT-Archivs in 3098 Köniz, heute durch das Archiv arbeitet, stellt sie fest: «Die Leute meinten offenbar, es beginne jetzt das Pünktchen- und Zahlenzeitalter. Namen seien nicht mehr wichtig.» Sie lächelt milde.

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