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«Es geht darum, innere Ruhe zu finden»

«Wer den Tod abschaffen will, wird folglich auch das Denken verändern»: Psychoanalytiker Jürgen Grieser. Foto: Sabina Bobst

Herr Grieser, die Ostertage bringen Eier, Schokolade und den Gotthardstau. Wären sie auch eine Gelegenheit zur Besinnung auf unsere Endlichkeit?

Ein Historiker vertritt die These, Jesus sei am Kreuz gar nicht gestorben. Der Speerstich des römischen Soldaten habe ihn gerettet, weil er Blut und Wasser austreten liess. Deshalb sei der vermeintlich Tote später gesehen worden.

Hilft auch Konsum gegen die Angst vor dem Tod?

Der Tod ist die grosse Kränkung des Menschen. Wäre da Verdrängen nicht einfacher?

Dann kommen die Leute zu Ihnen?

Welchen Trost geben Sie Ihren Patienten? Als Pfarrer hätten Sie es einfacher, da könnten Sie sagen: Gott beschützt dich, alles kommt gut.

Hilft Religion?

Das Ich wird in dieser Vorstellung klein und unbedeutend. Wie soll man das schaffen – haben wir nicht alle Grössenfantasien?

Kann man das trainieren?

Dann raten Sie Ihren Patienten, sich nicht so wichtig zu nehmen?

Viele Ängste sind unbewusst. Sind sie über das Bewusstsein überhaupt erreichbar?

Was halten Sie von den Versuchen im Silicon Valley, sich unsterblich zu machen? Die Wirkung des Altersgens aufheben, das Bewusstsein auf eine externe Festplatte zu speichern? Ist das erfolgversprechend?

Sie werden Martin Heidegger gelesen haben. Tönt schon fast philosophisch.

Heute gibt es einen starken Druck zur Selbstoptimierung, Fitness und dergleichen.

Also sich nicht optimieren?

Wie wichtig ist Aufmerksamkeit, sich selber und anderen gegenüber?

Das gehört zu Ihrer Therapie?

Viele Angebote sind esoterisch und erinnern mehr an Kitsch denn an Sinnsuche: Wer mitmacht, wird angeblich erlöst oder gar unsterblich.

Und Sie?