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«Es war wie auf dem Fleischmarkt»

Jedes 7. Mitglied der US-Armee ist weiblich. Viele brauchen Jahre, um den Krieg zu verarbeiten. Oft quälen sie nicht nur die blutigen Bilder von der Front, sondern auch die sexuelle Belästigung aus den eigenen Reihen.

War Mechanikerin und Fahrerin im Irakkrieg: June Moss erzählt auf BBC News von ihren Erlebnissen.(Bild: Screenshot BBC)
War Mechanikerin und Fahrerin im Irakkrieg: June Moss erzählt auf BBC News von ihren Erlebnissen.(Bild: Screenshot BBC)

Immer mehr US-Amerikanerinnen ziehen in den Krieg. Rund 14,5 Prozent der Mitglieder des US-Militärs sind Frauen, berichtete BBC News. Auch wenn sie oftmals nicht direkt an der Front ihren Einsatz leisten, erleben sie den Krieg im Irak und in Afghanistan genauso, wie es die Männer tun.

«Ich habe Angst als Teil meines Alltags erlebt», sagt June Moss, die als Mechanikerin und Fahrerin im Irakkrieg gedient hat. Kurz nach der Invasion im Jahr 2003 fuhr Moss verschiedene Sergeants mitten durch das Kriegsgeschehen nach Bagdad – umringt von Explosionen und Schüssen. «Die Scharfschützen sagen nicht: ‹Das ist eine Frau, lasst uns nicht schiessen›», sagte Moss, die ihre beiden Kinder während ihres Einsatzes bei Verwandten in den USA zurückgelassen hat.

Der Feind in den eigenen Reihen

Doch neben der Verarbeitung der blutigen Bilder des Kriegs quälen viele Frauen noch andere Erinnerungen. Zurück in den USA müssen sie die sexuelle Belästigung durch ihre männlichen Kollegen verarbeiten.

«Der Feind ist oftmals nicht auf der anderen Seite der Frontlinie, sondern auch in den eigenen Reihen», sagte Natara Garovoy, Leitende Psychiaterin in der Klinik für weibliche Veteranen in Kalifornien.

Laut einer Studie, die 2010 im «American Journal of Public Health» veröffentlicht wurde, leiden 15 Prozent der weiblichen Veteranen an dem sogenannten Military Sexual Trauma (MST). «Sexuelle Übergriffe sind schrecklich. An der Front noch mehr als sonst. Denn in der Armee ist die Arbeit gleichzeitig das Zuhause. Egal, wo du hingehst, du kannst der Person, die dich belästigt, nicht entkommen», erklärte Garovoy weiter.

Den Kopf rasiert

Auch Yolanda Jones diente im Irak und wurde von ihren Kollegen sexuell missbraucht. «Es war wie auf dem Fleischmarkt», erklärte sie gegenüber BBC News. Ein Soldat von einer anderen Einheit habe immer ihre Nähe gesucht, seinen Körper an den ihren gedrückt und sie angefasst, wo sie es nicht wollte. «Ich habe meine Kopfhaare abrasiert, weil ich weniger auffallen wollte», sagte sie weiter. Aber das habe ihr bloss noch mehr Aufmerksamkeit verliehen. Sie wollte, dass ihre Kollegen sie als eine von ihnen sehen und nicht nur als Frau.

Laut Garovoy brauchen Frauen meistens Jahre, wenn nicht sogar ihr ganzes Leben, um das Erlebte zu verarbeiten. «Bei uns in der Klinik sprechen wir über die blutigen Bilder sowie die Erfahrungen mit den Kollegen», sagte Garovoy. Wichtig sei, dass die Frauen endlich den Gedanken ablegen können, selbst schuld an allem zu sein.

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