Wie man sich bei einem Terror-Angriff verhalten muss

In einen Terroranschlag zu geraten, ist sehr unwahrscheinlich. Dennoch gibt es Leitfäden für das Verhalten im Fall der Fälle.

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Die Bilder aus dem Bataclan-Konzertsaal haben sich in unser Gedächtnis eingebrannt. Und wohl jeder, der sie gesehen hat, fragte sich: Wie hätte ich mich verhalten, wenn ich das Konzert der Eagles of Death Metal besucht hätte?

Mehrere Überlebende hatten berichtet, dass sie sich tot gestellt hätten. Doch das sollte man laut dem nationalen britischen Anti-Terror-Sicherheitsbüro (Nactso) nicht tun. In einem neuen Ratgeber der Behörde heisst es: «run, hide and tell» – «flüchten, verstecken, informieren».

Die Ratschläge, so berichtet der «Guardian», sind für Schiessereien wie im Bataclan gedacht, als bewaffnete Männer in den Zuschauerraum eindrangen und mit Kalaschnikows in die Menge feuerten. In so einem Fall solle man versuchen, zu entkommen und andere zu überzeugen, mitzukommen. Sollten Fluchtwege versperrt sein, solle man versuchen, sich zu verstecken. Dafür kämen «dickes Mauerwerk» oder «schwere, verstärkte Wände» infrage. Glas, einfache Mauern, Holz und Metall (etwa Autos) könnten Kugeln nicht zuverlässig abhalten.

Im Bataclan haben sich einige Menschen in den Backstage-Räumen verbarrikadiert. Falls Verstecken keine Möglichkeit ist, sollte man sich in der Menge so unauffällig wie möglich verhalten. Wenn man als Einziger nach links läuft, während alle anderen nach rechts laufen, macht man die Attentäter auf sich aufmerksam – auch dies war im Bataclan der Fall. «Wo immer es Bewegung gab, fielen Schüsse», so eine Überlebende des Massakers gegenüber der BBC.

Soll man die Attentäter angreifen?

«Panik vermeiden», «Überblick verschaffen» sind weitere Ratschläge. Sie mögen offensichtlich klingen, doch gemäss einer Analyse, die der englische Sicherheitsberater John Leach durchgeführt hat, reagieren nur 15 Prozent der Leute in einer Terrorsituation richtig beziehungsweise so, dass sie ihre Überlebenschancen erhöhen.

Leach rät auch zur Vorbereitung: «Es ist wichtig, dass man sich hin und wieder das Worst-Case-Szenario durch den Kopf gehen lässt und darauf eingestellt ist, sich im Notfall sofort zu den Notausgängen zu begeben.» Im Bataclan waren die meisten Konzertbesucher tatsächlich durch einen Notausgang entkommen. Doch was, wenn weder Versteck noch Flucht eine Option sind? Sollte man die Attentäter angreifen?

Im August, als ein Attentäter in einem französischen Zug zuschlagen wollte, verhinderte das Eingreifen dreier Männer ein Blutbad. Allerdings trug der Extremist keinen Sprengstoffgürtel wie die Bataclan-Attentäter. Ausserdem waren zwei der Männer, die ihn überwältigten, Soldaten. Das Anti-Terror-Sicherheitsbüro rät deshalb von einem Eingreifen ab. Handkehrum wird in einem BBC-Bericht ein Geiselspezialist so zitiert: «Jihadisten wollen möglichst viele Leute töten. Wenn die Situation ausweglos ist und man sowieso erschossen werden soll, dann kann man genauso gut versuchen, sich bis zuletzt zu wehren.» (phz)

Erstellt: 19.11.2015, 13:14 Uhr

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