Zum Hauptinhalt springen

Frauenhass ist nicht gleich Frauenhass, da muss man schon differenzieren!

Das Parlament mag weiblicher geworden sein, merken tut man davon nichts. Aus politischer und ideologischer Korrektheit ist man doch lieber mit den Männern solidarisch.

Es lag etwas in der Luft nach dem 20. Oktober: eine Fröhlichkeit und eine Aufbruchstimmung wie schon lange nicht mehr. Die Schweiz war durch die eidgenössischen Wahlen weiblicher, grüner und linker geworden. Oder, wie man es auch hätte nennen können: moderner.

Und so war viel die Rede davon, fortan gemeinsam an einem Strick ziehen zu wollen, auch über die Parteigrenzen hinweg, denn die Bevölkerung habe mit den vielen alten Kämpen auch deren verbohrte Grabenkampf-Mentalität abgewählt.

Die Ernüchterung erfolgte bereits am vergangenen Donnerstag. Da wurde im Nationalrat über jene Initiative abgestimmt, die salopp «Burka-Verbot» heisst. Und die Frage, inwiefern ein höherer Frauenanteil im Parlament die Politik verändere, liess sich im Hinblick auf dieses Thema leicht beantworten: kein bisschen, gar nicht, null.

«Diese für alle sichtbare millionenfache Demütigung ist eine patriarchalische Machtdemonstration, die ihresgleichen sucht.»

Dabei gibt es kaum ein offensichtlicheres Frauenanliegen als die kollektive Ächtung der Burka. Diese Entpersonifizierung, dieses Tilgen des Weiblichen aus dem öffentlichen Raum, diese für alle sichtbare millionenfache Demütigung ist eine patriarchalische Machtdemonstration, die ihresgleichen sucht. Was daran zeugt NICHT von einem verstörenden Frauenhass?

Das sehen die grünen und linken Parlamentarierinnen nicht so eng. Ausgerechnet sie, die sonst allenthalben Benachteiligungen wittern und schnell Misogynie! und Diskriminierung! rufen, die Quoten fordern und das Gendersternchen und eine geschlechtsneutrale Sprache, ausgerechnet sie, die gerne den Begriff «toxische Männlichkeit» bemühen, sind gegen ein Verbot. Sie fühlen sich nicht mehr der Schwesternschaft verpflichtet, sondern den Patriarchen der islamischen Welt.

Frauenverachtung ist offenbar relativ – weisse, alte Männer jedenfalls werden nicht mit so viel Wohlwollen bedacht.

----------

Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOS – App für Android – Web-App
Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch